49 Tage. Es sind 49 Tage vergangen, seitdem du mir das letzte Mal geantwortet hast. Ich weiß aus Erfahrung, dass man innerhalb von 12 Wochen eine enge Verbindung zu jemandem aufbauen kann und ich weiß auch, dass eine zwischenmenschliche Beziehung nicht enger wird, umso länger man einander kennt. Die Verbindung zu einer anderen Person wächst daran, was man einander anvertraut, was man miteinander durchmacht und wie viel man dem gegenüber von dem, wer man wirklich ist, zeigen kann, ohne ein anderer Mensch sein oder weglaufen zu wollen.
Die gemeinsame Zeit war für uns beide ein Kampf und mit jedem Tag, der verging, wurden wir einander vertrauter. Du warst meine Bezugsperson und ohne dich hätte ich einige Tage kaum überstanden. Du hast mir Tag für Tag das Gefühl gegeben, keine Katastrophe zu sein. War es gelogen, als du mir sagtest wie toll ich doch bin und dass du nicht dort bleiben willst, sobald ich entlassen werde? Wie viel Wahrheit steckte in all deinen perfekten Worten und deinen selbstlosen Taten? Es ist verdammt schwer zu verstehen, wieso du mir das antust, wenn ich nicht glauben kann, dass alles nur eine Lüge war. War das alles bloß ein Spiel? War ich nur gut genug, solange wir miteinander kämpften? Ich habe deinen Schmerz und dein Glück gesehen. Ich habe dich gesehen.
Dann bist du gegangen und hast mir dich in meinen Träumen und in meinen Erinnerungen zurück gelassen.
Es macht mich traurig, dass du mich mit Fragen zurückgelassen hast und mich ignorierst, als sei ich nichts wert. Es tut mir weh, dass du mich zurücklassen kannst, als hätte ich nie existiert. Und gerade jetzt, wo ich dich bräuchte und genau weiß, dass du die richtigen Worte finden würdest, bist du zu einem schmerzhaften Teil meiner Vergangenheit geworden, über den ich vor 10 Wochen mit dir geredet hätte. Du bist der rote Punkt auf meiner Spannungskurve und ich kann bis heute keinen Skill finden, der mir deinen Verlust erleichtern kann. Würdest du jetzt vor mir stehen, wüsste ich nicht mal, ob ich überhaupt mit dir reden könnte. Dabei hätte ich so viel zu sagen, hätte so viele Fragen.
“Erinnerst du dich an unseren Deal? Das ist einer dieser Zeitpunkte, in denen ich dich brauche und keine Worte dafür finde, was ich fühle. Ich weiß nicht mehr weiter und ich zweifle so sehr an mir, dass ich mich wieder hasse und lieber all meine Tabletten nehmen würde, als meine Probleme zu bearbeiten und täglich Angst davor zu haben, es nicht zu schaffen.”
Vor 10 Wochen hättest du alles in deiner Macht stehende getan, um gemeinsam meine Gedanken zu sortieren. Du wärst mit mir spazieren gegangen, egal wie lang der Weg ist. Und wir hätten weitere Pläne für die Zeit nach der Klinik gemacht. Ich hätte mich darauf eingelassen, von dir beim Schach zerstört zu werden und du hättest mit mir gepuzzelt, obwohl du das gar nicht magst.
Und ich versuche täglich, unsere Erinnerungen positiv zu betrachten. Ich versuche, sie als ein wertvolles Kapitel in meinem Buch zu sehen und zu markieren, um glücklich darauf zurückblicken zu können, was wir miteinander teilten. Doch du hast eine Stille zwischen uns hinterlassen, die ich nicht brechen kann. Ich werde dich für eine sehr lange Zeit vermissen, das weiß ich. Und auch, wenn ich weniger an dich denke, wirst du Lücken finden, in denen du dich in meinen Kopf schleichst und einen bittersüßen Geschmack hinterlässt. Ich hoffe, dass wenigstens du mit dem Verlust unserer Bindung umgehen kannst.