... sind spezielle Kunststoffe, die in der Zahnheilkunde als Füllungswerkstoffe verwendet werden. Im Rahmen der zahnärztlichen Füllungstherapie kommen Komposite in Kombination mit sogenannten Haftvermittlern (Primern/Adhäsiven) zur Anwendung. Diese Haftvermittler stellen die Verbindung zwischen der Zahnfüllung einerseits und dem Zahnschmelz / dem Zahnbein (Dentin) der Zähne her. Da Dentin über sogenannte Dentintubuli sehr eng mit dem Zahnmark (Pulpa) verbunden ist (Pulpa-Dentin-System), stellen sich beim Einsatz von Kompositen im Hinblick auf den Pulpaschutz zwei wesentliche Fragen: Inwieweit ist es möglich, mittels Kompositen und Haftvermittlern die Pulpa vor den vielfältigen in der Mundhöhle auftretenden Einflüssen (z. B. mikrobieller Art) und den chemischen Bestandteilen in der Füllung selbst, dauerhaft zu schützen? Viele der aus Kompositen und Haftvermittlern freigesetzten Substanzen führen nämlich zu einer Schädigung der Pulpa. Diese Schädigung kann sich über Jahre ziehen, schlussendlich ist häufig eine Wurzelbehandlung aufgrund Zahnschmerzen notwendig.
Der Aspekt der Pulpaverträglichkeit stellt sich nach dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand wie folgt dar: Im Fall sehr dünner Dentinschichten (unter 0,5 mm) kommt es häufig zu klinisch relevanten Diffusionen von Bestandteilen aus Adhäsiven/Kompositen in die Pulpa. Bei höherer Schichtdicke (ab 0,5 mm) scheint Dentin für freigesetzte Inhaltsstoffe aus Kompositen und Haftvermittlern hingegen eine wirkungsvolle Barriere darzustellen - für wie lange ist jedoch nicht erforscht. Ein direkter Kontakt dieser Substanzen mit dem Pulpagewebe sollte auf alle Fälle vermieden werden, obwohl die direkte Überkappung eines offenen Zahnnerven mit Haftvermittlern und Kompositen unter bestimmten Versuchsbedingungen (z. B. vollkommen kariesfreie Zähne junger Patienten) in einigen Publikationen als erfolgreich beschrieben wurde, kann dieses Vorgehen noch nicht als Routineverfahren empfohlen werden.
Komposite bestehen aus drei Komponenten, einer Kompositmatrix, einer dispersen Phase und einer Verbundphase. Die Kompositmatrix besteht aus Monomeren, Komonomeren, Initiatoren, Stabilisatoren und sonstigen Zusätzen, sie verleiht dem Komposit die Plastizität, dadurch ist der Werkstoff formbar. Die Monomere sind viele kleinen Bausteinen, wie Legobausteine. Wird das Komposit mit Halogenlicht bestrahlt, dann beginnen sich die Monomere zu Polymere zu verbinden (Polymerisationsvorgang), es bilden sich also größere Bausteine (Polymere), der Werkstoff wird hart. Beim Polymerisationsvorgang kommt es zwangsläufig zu einer Schrumpfung des Werkstoffes, diese Schrumpfung verhält ist proportional zum Volumen der Füllung. Ist eine Kunststofffüllung sehr groß, dann schrumpft sie deutlich mehr, als eine kleine Kunststofffüllung beim aushärten. Um diesen Nachteil bei großen Zahnfüllungen ein wenig zu reduzieren, werden große Kunststofffüllungen schichtweise gelegt und gehärtet. Dadurch wirkt man Undichtheiten der Füllungen, hervorgerufen durch die sogenannte Polymerisationsschrumpfung, entgegen. Ein weiterer Nachteil der Kompositmatrix ist, dass sie nicht kaustabil ist. Durch Kau Belastung brechen die Polymereketten und es werden wieder Monomere frei. Monomere sind sehr giftig und schädigen den Zahnnerv, Wurzelbehandlungen und frustrane Gesichtsschmerzen können bei unsachgemäßem Umgang mit weißen Kunststoffen die Folge sein. Deswegen sind Komposite bis heute von den Herstellern nicht im kaubelastetem Seitzahnbereich freigegeben.
Da der Klebevorgang von Kunststoffen, aber auch von Keramikinlays sehr feuchtigkeitsempfindlich ist, sollte immer nur mit einem Kofferdam gearbeitet werden. Wie oben erwähnt bestehen die Kunstofffüllungen aus drei Komponenten - der bereits erwähnten Kompositmatrix, einer dispersen Phase und einer Verbundphase. Die disperes Phase besteht aus sogenannten Füllern. Um einerseits der Polymerisationsschrumpfung entgegen zu wirken und andererseits der Kompositmatrix bessere physikalische Eigenschaften (Kaustabilität) zu verleihen füllt man die Matrix mit diesen Füllern (Sand, Glas oder Quarz Teilchen). Je nach Korngröße unterscheidet man Makrofüller von Mikrofüllern und Mikrofüllerkomplexe.
Makrofüller werden meschanisch gewonnen – Glas wird z.B. zerrieben und der Glasstaub wird dann mit dem Komposit vermengt. Diese Komposite sind zwar kaustabil und gut belastbar, dafür aber aufgrund der Partikelgröße schlecht polierbar - die Plaquebildung und somit das Kariesrisiko ist bei Kompositen mit Makrofüllern stark erhöht. Mikrofüller werden chemisch und nicht mechanisch produziert und dann mit dem Komposit vermengt. Aufgrund der geringen Partikelgröße sind diese Komposite gut polierbar, dafür aber nicht so kaustabil. Mikrofüllerkomplexe Komposite beinhalten Makro- und Mikrofüller. So versucht man die positiven Eigenschaften zu einen – mit unterschiedlichem Erfolg. Aufgrund der Füller glauben viele Patienten sie hätten Keramikinlays, oder Keramikfüllungen bekommen, damit haben aber Komposit Füllungen überhaupt nichts zu tun. Füller sind nur ein kleiner Bestandteil der Komposite und nach wie vor wird an der optimalen Zusammensetzung der Füller in den Kompositen getüftelt.
Damit sich die anorganischen Füller und die organische Kompositmatrix (Monomere) verbindet benötigt man die Verbundphase, auch diese verleiht dem Werkstoff Komposit spezielle Eigenschaften.
Komposite sollten also nicht im kaubelastetem Seitzahnbereich zum Einsatz kommen, Kofferdam und schichtweise Legung der Füllungen reduzieren Komplikationen wie Undichtheit und Zahnschmerzen. Kleine Kompositfüllungen können ein Jahrzehnt halten, größere Kunststofffüllungen halten in der Regel 5-8 Jahre dicht. Es gibt zahlreiche Ärzte die sich auf das Setzen von Kompositfüllungen spezialisiert haben, eine solch Füllung kann einige hundert Euro kosten. Ob Sie dann nicht gleich mit einem Keramikinlay besser dran sind, muss individuell geklärt werden.
Komplikationen nach Kunststofffüllungen bei unsachgemäßer Anwendung und/oder Indikation sind Zahnsterben. Der Patient ist nach der Füllungslegung eine Zeitlang sehr Kälte und Wärme empfindlich. Der Zahn tut häufig auch bei Berührungen weh, ein spitzer scharfer Schmerz. Der Zahnmediziner spricht von akuter Pulpitis – der Zahnnerv ist akut entzunden. Der Kältetest zeigt in diesem Stadium einen lang anhaltenden Reiz. Nach einiger Zeit stirbt die Pulpa ganz ab, diese Phase ist schmerzfrei, der Patient spürt plötzlich keine Beschwerden. Auch beim Kältetest spürt der Patient nun nichts mehr, denn ein „toter“ Nerv funktioniert eben nicht. Spätestens hier sollte eine Wurzelbehandlung erfolgen! Erfolgt dies nicht, dann verursacht das abgestorbene Pulpengewebe im Knochen nach Tagen, Monaten sogar Jahren eine Entzündung – der Zahn wird dann plötzlich wieder schmerzhaft. Dieses Mal ist es ein dumpfer Druckschmerz, vor allem beim Kauen. Ursache ist nun die Knochenentzündung um die Wurzelspitze, hervorgerufen durch die abgestorbene (nekrotische) Pulpa.
Zusammengefaßt kann man Komposite für oberflächliche Frontzahnfüllungen und nicht kaubelastete Seitzahnfüllungen empfehlen. Da diese Füllungen 5-10 Jahre halten können, sind sie bei älteren Patienten besonders geeignet, oder wenn aus Budgetgründen keine Keramikinlays / Veneers möglich sind. Sehr kleine Zahndefekte eignen sich ebenfalls für diese Art der Füllung, denn die keramische Inlays können erst ab einer bestimmten Größe gut verarbeitet werden.