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„Verdammt, ich bleibe auf all meinen Gefühlen sitzen!“ Sie ist gerade 30 geworden und obwohl das anfangs nicht jeder wahrhaben will – „In Kassel is nix, kein Colora, garnix!“ – ist Corona allgegenwärtig. Nicht nur die Mundschutzpflicht hemmt nonverbale Interaktionen, auch die Mehrheit der Bevölkerung scheut eine Annäherung unter zwei Metern Abstand. Social Distancing macht einsam, sie flüchtet in den digitalen Raum, um dort Kontakt zu Freunden und Familie zu halten. Hier ein kurzer Satz, da mal schnell eine Sprachnachricht, und Tina ist schon wieder sauer, weil noch niemand auf ihre Story geantwortet hat. Neben den ganzen Missverständigungen fehlt auch noch etwas Anderes: eine Umarmung, ein Kuss, ein Blick! Kann Tinder ihr das geben? Und ist es schlimm, dass sie noch gar nicht weiß ob sie ihn „riechen kann“, wie seine Stimme klingt und seine Ausstrahlung auf sie wirkt? Kann man digitalen Liebeskummer überhaupt ernst nehmen? Manchmal möchte man doch einfach nur verstanden werden. Eine Umarmung, ein Trost. Das hilft doch mehr als tausend Worte. Die Geschichte „Last seen recently“ ist eine fiktionale Momentaufnahme über den Umgang von Gefühlen der Liebe und Freundschaft im digitalen Raum und beschreibt umgangssprachlich ehrlich, was sich viele vielleicht nur denken, aber nicht trauen zu sagen: "Mist, hab' mich doch schon verknallt". Dabei bringt das Buch Themen wie Empathie, Egoismus, fiktionale Gefühle durch Onlinedating, das Wirken der Spiegelneuronen unter und wird durch Ergebnisse einer im Mai 2020 durchgeführten Umfrage zum Thema „Empathie im digitalen Netzwerk WhatsApp“ unterstützt.
Die Abschlussarbeit „last seen recently“, befasst sich mit dem Thema „Fiktive Gefühle und Misskommunikation im digitalen Raum“. „last seen recently“ erzählt auf 212 Seiten aus der Perspektive einer 30-Jährigen Frau, die sich durch die Entwicklungen der Corona-Pandemie und socialdistancing bei Tinder anmeldet und sich zunehmend die Frage stellt, wer sie im digitalen Raum ist. Aus dem Flirt im Internet entstehen Erwartungshaltungen und ein Verhalten, dass sie sich nicht erklären kann. Gestützt und begleitet werden Geschichte und Fragen der Protagonistin mithilfe von wissenschaftlichen Zitaten, die immer wieder neben dem Haupttext zu finden sind sowie einzelnen Illustrationen und Chatgesprächen.
Wer sind wir im digitalen Raum? Zeigen sich Charakterzüge auch im digitalen Umgang und wie versteht und nimmt mich jemand wahr, der mich noch gar nicht kennt so ganz ohne Mimik, Gestik, Tonalität? Zum Beispiel, wenn ich mich auf einer Datingplattform anmelde? Verstelle ich mich oder bleibe ich entspannt? Wie steuern Messenger unser Verhalten? Haben wir alle die gleiche Interpretation beim Anschauen eines Emojis? Hängen wir mit unseren Gedanken auf der Meta-Ebene fest und sind dabei zu rational? Wie kann ich dann für jemanden Gefühle entwickeln, ohne ihn noch nie gesehen zu haben und wie vermittle ich überhaupt Gefühle?
Durch den fluoreszierenden Umschlag wird das Thema der Digitalität in Print wieder aufgegriffen. Er leuchtet, wie ein Handydisplay. Der phosphoreszierende Buchrücken verblasst nach einiger Zeit wieder, ähnlich wie sich ein Handydisplay herunterdimmt. Weiter abstrahiert verblasst er genauso schnell, wie Gefühle zu Bekanntschaften aus dem Internet es können.
Sina Rockensüß, geboren 1990 in Fritzlar, beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit den Verhaltensweisen der heutigen Gesellschaft und bearbeitet sie in Alltagsgeschichten. Dabei erörtert sie psychologische Hintergründe und geht auf humoristische Art und Weise mit Krisenthemen um. In ihrem Meisterschülerjahr an der Kunsthochschule Kasssel der Klasse „Redaktionelles Gestalten“, möchte sich die Künstlerin weiter mit der Frage beschäftigen: „Welche Rolle spielt Individualität im digitalen Raum?“ und der immer wiederkehrenden Problematik: „Wie können und müssen wir uns digital verständlicher ausdrücken?“
Das Buch ist aktuell auf der Suche nach einem Verlag. Contact me!
It’s evolving. @EXAMEN2020
More soon.
® Fiona Körner & Sina Rockensüß
Plakatideen zum Rundgang 2020 Kunsthochschule Kassel
– klasse redaktionelles gestalten
Gibt’s auch als Jutebeutel
securitycats
Erste Gemeinden feiern wieder Gottesdienste / Corona stellt Landärztin vor Herausforderungen / Weitergedreht: Kassels umstrittener Obelisk / Der Neue bei der hessenschau
Im Januar aufgezeichnet und letzten Sonntag gesendet: Ein kleiner Beitrag zum Obelisken-Buch in der hessenschau. (Minute 10:40) Auch wenn meine große Aufregung meine Aussprache etwas behindert hat "(...) soviel Fantasie damit haben.", ist es ein sehr schöner Beitrag geworden. Vielen Dank hessenschau
I was a stranger and you took me where? – 200 seitige Publikation über Aufbau, Abbau und Wiederaufbau des documenta-Kunstwerks von Olu Oguibe