Die Benachrichtigung über ihre Gastfamilie ist für die meisten zukünftigen Austauschschüler eines der einschneidendsten Erlebnisse in der Vorbereitungszeit. Nun wird alles irgendwie realer und die Befürchtung, vielleicht keine Gastfamilie abzubekommen, weicht einer endlosen Erleichterung und vor allem: Neugier. Gerade Jugendliche, die sich wie Nora für das Public USA-Programm entschieden haben, erfahren mit der Gastfamilienplatzierung überhaupt erst, in welchen amerikanischen Bundesstaat es geht. Aus dem Beratungsgespräch mit der Austauschorganisation weiß man zwar, dass man höchstwahrscheinlich nicht in Metropolen wie L. A., New York City oder Miami platziert wird – schließlich geht es beim Schüleraustausch nicht um Urlaub, sondern darum, den ganz normalen American Way of Life kennenzulernen. Die meisten müssen deshalb erst einmal auf der Karte nachsehen, wo genau ihre Heimat auf Zeit liegt. Von Alamogardo in New Mexico, Long Creek in Oregon oder eben, wie in Noras Fall, Sebeka in Minnesota hat wahrscheinlich kaum einer je gehört. Doch solche Kleinstädte, Vororte und ländlichen Gegenden sind typische Orte, in denen Austauschschüler ihren High School-Aufenthalt verbringen. Auch die Gastfamilienkonstellationen sind manchmal für eine Überraschung gut. Nora hat sicherlich nicht schlecht gestaunt, als sie sah, dass neben den Gasteltern und der neunjährigen Gastschwester auch ein Hund, vier Pferde und sieben Katzen zur Familie gehören. Andere Austauschschüler, die zu Hause vielleicht das einzige Kind sind, lernen in den USA erstmals das Zusammenleben mit Geschwistern oder auch einem anderen internationalen Schüler kennen – wir reden dann von einem so genannten Double Placement. Auf diese Weise ergibt sich die Gelegenheit, nicht nur die amerikanische Kultur kennenzulernen, sondern zusätzlich etwas über südkoreanische Sitten zu erfahren, brasilianisches Essen zu probieren oder ein paar Brocken Norwegisch zu lernen. Egal, wie viele Geschwister und Haustiere es gibt, ob es sich um eine alleinerziehende Gastmutter oder ein älteres Ehepaar handelt – im Idealfall ist die Gastfamilie interessiert an ihrem Austauschschüler und hat Zeit und Lust auf viele gemeinsame Aktivitäten. Noras Gastfamilie nimmt sie mit zu Bullriding-Shows, mit dem Gastvater war sie Angeln und mit anderen Verwandten in einem Vergnügungspark. Und genau darum geht es beim Schüleraustausch: Sich auf die Aktivitäten einzulassen, mit denen die Leute vor Ort ihre Freizeit verbringen, um so die amerikanische Kultur hautnah zu erleben. Viele Jugendliche erleben im Gastland erstmals, wie ein ganzes Städtchen die lokale High School-Mannschaft im Football-Stadion anfeuert oder dass Kirchenaktivitäten ganz und gar nicht langweilig sein müssen. Hierfür muss man natürlich erst einmal offen für Neues zu sein und sich auf Dinge einzulassen, die einem vielleicht erst einmal komisch vorkommen. Die an das Stadtleben gewöhnte Nora konnte sich wahrscheinlich nicht so recht vorstellen, was sie beim Bullenreiten erwartet, und hatte dann eine Menge Spaß. Doch auch wenn die Gastfamilie weniger aktiv ist und unter gemeinsamer Aktivität eher Fernsehabende als Ausflüge versteht, sollte man nicht zu enttäuscht sein. Es ist wichtig, sich immer wieder klarzumachen, dass die Gasteltern weiterhin ihren beruflichen Verpflichtungen nachgehen müssen und keine hauptamtlichen Entertainer für Austauschschüler sind. Wer neben dem Schulalltag, Sport und Unternehmungen mit Freunden Lust auf mehr Aktivitäten hat, spitzt ganz einfach die Ohren. Eine Mitschülerin fährt mit ihren Eltern am Wochenende zum Shoppen in die nächstgrößere Stadt? Die Nachbarn veranstalten eine Halloweenparty und könnten noch Hilfe bei der Vorbereitung gebrauchen? Der Lieblingslehrer ist leidenschaftlicher Golfer? So lange die Gasteltern Bescheid wissen und nichts dagegen haben, lohnt es sich, einfach mal zu fragen, ob man mitmachen kann. Nora jedenfalls bringt sich aktiv in das Familienleben und die Schulgemeinschaft ein – beste Voraussetzungen für einen gelungenen Schüleraustausch in den USA. Wir von ec.se wünschen Nora für ihre verbleibende Zeit in Amerika alles Gute und viele unvergessliche Erlebnisse! ☺ Die Bonner Schüleraustauschorganisation ec.se (www.highschoolberater.de) berät, vermittelt und betreut Jugendliche und ihre Familien, die sich für einen High School-Aufenthalt in den USA, in Kanada, Australien oder Neuseeland entscheiden. Zum Angebot von ec.se zählen öffentliche und private Schulen sowie renommierte Internate/Boarding Schools.