100 Tage im Amt
Sofort ins kalte Wasser gesprungen
Stadtvorstand Michael Mang ist als Beigeordneter heute 100 Tage im Amt
Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh
Sie waren wütend, sie waren viele, er hatte nur seinen Jugendamtsleiter im Rücken und ließ sich verprügeln. Verbal natürlich nur, aber ohne wirklich etwas dafür zu können. Doch das gehört eben manchmal zum Job, und Michael Mang weiß das. Er hat sich nicht gedrückt, sondern den demonstrierenden Erzieherinnen und den teils erbosten Eltern gestellt, hat mit ihnen diskutiert.
Dabei ist Michael Mang (SPD) erst heute 100 Tage als Beigeordneter der Stadt Neuwied im Amt. Turbulent war schon die Vorgeschichte mit Bürgerentscheid und knapper Abstimmung im Stadtrat, und so war es fast folgerichtig, dass die neue Nummer 3 der Verwaltung auch die inoffiziell übliche Schonfrist nicht bekam. Vor allem als Chef der großen Dezernate für Schule und Sport sowie Jugend und Soziales musste der 33-Jährige fast unverzüglich ins kalte Wasser springen und schwimmen.
Drei Ziele, so sagt er selbst, hatte er sich für seine Anfangszeit vorgenommen: Die Stadtverwaltung und ihre Perspektive kennenlernen, mit den Menschen im sozialen Bereich ins Gespräch kommen und das immer mehr drängende Thema Flüchtlinge angehen. Hinzu kam unerwartet der Kita-Streik. Ein Thema, das viele Menschen unmittelbar betrifft. Die Feuerprobe schlechthin. Er stellte sich ihr, wie viele sagen: mutig.
Und sie brachte für Michael Mang auch die erste wirklich wichtige Entscheidung: Er sperrt die Kita-Beschäftigten trotz Streik nicht aus. „Das hätte auch andere, kleine Angestellte getroffen, die es sich nicht leisten können“, begründet er es klassisch sozialdemokratisch und weist gleichzeitig darauf hin, dass man sich seiner Verantwortung natürlich bewusst sein müsse. „Aber wenn man sich in ein Thema inhaltlich einarbeitet hat und gemeinsam mit den Kollegen eine Lösung findet, muss man wegen einer Entscheidung keine schlaflose Nacht haben“, findet er.
Das zeigt auch, dass Mang Teamplayer sein will. Und so ist es ihm wichtig zu betonen, dass er sich in der Verwaltung fast schon überraschend positiv aufgenommen fühlt. „Es ist ja nun so, dass gerade die Abteilungsleiter alle älter sind als ich. Aber ich habe trotzdem keinerlei Vorbehalte gegen den ,Jungspund' gespürt“, freut er sich.
100 Tage, das waren auch 14 Wochenenden, von denen Mang eines frei hatte. Und sonst 40-Stunden-Woche? Nein, natürlich nicht. „Die hatte ich auch nicht erwartet und die wäre dem Amt auch nicht angemessen“, antwortet Mang im Gespräch mit der RZ.
Präsenz gezeigt hat er – vom Kindergartenfest bis zum Vereinsjubiläum – und dabei hat sich nach eigener Aussage auch sein Blick geweitet. „Ich war ja vorher schon in der Stadt unterwegs, aber ich habe sie jetzt noch einmal anders kennengelernt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass wir über 80 Sportarten haben“, erzählt er.
Von Veranstaltung zu Veranstaltung gehetzt ist er deswegen trotzdem nicht. Kurz vorbeischauen und schnell wieder weg, ist nicht seine Sache. „Ich will keine Grußonkelreden halten, sondern mich mit den Menschen unterhalten“, sagt er und kommentiert, dass das Repräsentieren für ihn eine neue, aber sehr bereichernde Aufgabe sei. Als Sachbearbeiter beim Kreis hatte er damit nichts zu tun, wie ihm ohnehin aufgefallen ist, dass die Stadt mit ihren Aufgaben „doch näher dran an den Bürgern“ ist. Die grundsätzlichen Abkäufe in einer Verwaltung zu kennen, hat dennoch geholfen.
Was wiederum nicht heißt, dass alles reibungslos läuft. „Bei der Beantwortung von Briefen tue ich mich manchmal schwer und brauche zu lange“, meint er selbstkritisch. Hinzu kommt, dass er technische Verbesserungsmöglichkeiten sieht. EDV war immer schon sein Steckenpferd, E-Government ist für ihn, auch wenn er das Wort selbst „schrecklich sperrig“ findet, die Zukunft. Er sagt aber auch: „Wir müssen die analoge Welt genauso beachten“. Nur wie bislang am Sonntagnachmittag für E-Mails ins Büro zu müssen, weil es mit dem Handy nicht geht, will er deswegen nicht.“ Datenschutz“, lautet die Begründung. Aber vielleicht hat sich im Stadtvorstand aber auch einfach niemand dafür interessiert. Mang will das so nicht sagen, meint nur mit einem leichten Grinsen: „Ich habe darum gebeten, es noch mal zu prüfen“ – und gibt dann auf RZ-Nachfrage zu: „Beim Kreis geht's.“
Äußerst positive Überraschung
Die Messlatte lag nicht sehr hoch. Im überlangen Vorspiel seiner Wahl ist über ihn viel geunkt und hinter seinem Rücken geredet worden. Bei einem 33-Jährigen, der zumindest vordergründig vor allem dank des Parteibuchs vor einem Karrieresprung steht, ist das nicht verwunderlich. Das mag es Michael Mang erleichtert haben, denn nach 100 Tagen ist festzustellen: Der neue Beigeordnete ist eine äußerst positive Überraschung. Er drückt sich nicht vor unangenehmen Aufgaben, er geht auf die Menschen zu, er ist viel unterwegs und gut informiert. Am auffälligsten ist es in der Stadtverwaltung selbst. Die vor Dienstantritt dort deutlich spürbare Skepsis hat Mang offensichtlich schon nach 100 Tagen komplett weggewischt. Wenn man mit Mitarbeitern im Rathaus spricht, hört man nur noch Positives. Verfrühter Jubel ist trotzdem nicht angesagt: Es waren bislang nur 100 Tage, keine acht Jahre.






