EVEN THE SMALLEST PERSON
Kapitel 2
„Und kannst du dir vorstellen. Es gibt nicht einmal ein zweites Frühstück.“, erklärte der jüngste Hobbit der jungen Frau. Juniper zog die Augenbrauen überrascht hoch. Pippin verstand ihren Blick jedoch falsch und nickte bestimmend. „Ja, das dachte ich auch. Das kann doch gar nicht sein.“ Er gestikulierte mit seinen Armen. „Aber wir sind nun einmal auf einer wichtigen Reise.“
Juniper lächelte über seine Dramatik und sah zu Frodo hinüber, der in Gedanken versunken da saß. Auf den Schultern des Hobbits lastete tatsächlich eine schwere Bürde; man konnte ihm regelrecht ansehen, wie er darunter zu zerbrechen drohte.
„Juniper.“
Bei bei der Erwähnung ihres Namens sah das junge Mächen neugierig zu dem schlanken Elb auf. „Ihr sagtet, ihr wisset nicht wie ihr hier her gelangt seid, doch ihr könnt euch doch sicher noch an eure Heimat erinnern, nicht wahr?“ Er ging um das Feuer herum und setzte sich neben Pippin, der den Platz neben den Neuankömmling beschlagnahmt hatte.
Juniper nickte. „Ja, ich erinnere mich noch an meine Heimat. Wieso?“
„Dann könnt ihr uns doch sicher von diesem Ort erzählen, nicht wahr?“
Juniper verzog ihren Mund zu einem schiefen Lächeln. „Nun ja, es ist zum Teil ganz anders als hier. Eigentlich ist alles anders, wenn ich darüber nachdenke.“ Sie verzog ihren Mund nachdenklich. „Ich meine“, begann sie, „wir haben auch Landstriche, die genauso aussehen wie hier in Hulsten, doch unsere Städte sehen anders aus. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll. Sie sind sehr groß.“ Versuchte sie zu erklären und begann mit ihren Armen nun ebenso zu gestikulieren, wie zuvor der Hobbit. „Und es leben nur Menschen dort. Soweit ich weiß, gibt es weder Elben noch Zwerge bei uns. Außer vielleicht in Märchen und Mythen.“
„Es leben nur Menschen in eurer Heimat?“ Sam sah sie groß an. „Die Elben sind sicher schon vor langer Zeit dort weg gezogen, so wie bei uns.“, sagte er nachdenklich und warf dabei Legolas einen Blick zu.
Juniper biss sich nervös auf die Unterlippe. „Na ja, das weiß ich nicht. Ich habe … noch nie Elben gesehen, vielleicht gab es mal wirklich welche bei uns… ich weiß es nicht.“
„Es hört sich fast so an, als würdet ihr in einer ganz anderen Welt leben.“, Aragorn zog an seiner Pfeife, er hatte den Worten der jungen Frau gelauscht und sah sie ebenso neugierig an wie die anderen.
„Es…“, begann Juniper wieder und stockte, sie wusste nicht, was sie sagen sollte. „Es ist einfach ganz anders. Ich denke, man kann gut sagen, dass ich aus einer ganz anderen Welt komme. Genauso wenig wie es wohl je Elben oder Zwerge bei uns gab…“
„Und Hobbits?“, rief Pippin dazwischen und Juniper schmunzelte.
„Hör auf sie zu unterbrechen, Pip.“, wies ihn sein älterer Cousin zurecht und der Hobbit verzog schmollend seinen Mund.
„Aber wenn sie doch immer die Hobbits vergisst.“
„Nein, Pippin, Hobbits gab es wohl auch nie bei uns.“, Juniper lächelte ihn entschuldigend an. „Aber es gibt auch keine Orks… oder gab. Ich meine, vielleicht ist an den Erzählungen mehr dran, vielleicht sind es nicht nur Märchen, die man uns erzählt hat, sondern sie beruhen auf wahren Begebenheiten. Ich weiß es wirklich nicht.“, sagte sie und schüttelte den Kopf.
Gandalf musterte sie dabei nur sehr aufmerksam, sagte jedoch nichts.
„Und laufen dort alle so rum wie du?“, fragte Pippin nach. „Und wie ist es mit Pfeifen? Raucht ihr auch Pfeife? Oder…“
„Pippin.“, fuhr Merry ihn wieder an. „Lass sie doch mal nach Luft schnappen.“
„Ja, ja, unser Hobbit!“, lachte Gimli in seinen langen dicken Bart. „Kann einfach von nichts genug bekommen. Aber mich würde das ja auch alles interessieren!“, fügte er hinzu und sah erwartungsvoll zu der jungen Frau hinüber.
„Nicht alle laufen so rum wie ich. In jedem Land ist es ein wenig anders. Es sind verschiedene Kulturen. So wie bei euch auch. Und ja, wir rauchen auch Pfeife, wobei die meisten eigentlich Zigaretten rauchen.“
„Was sind Zigaretten?“
Juniper sah zu Pippin und hatte sich bis zu diesem Moment nie vorstellen können, dass jemand tatsächlich einmal eine solche Frage stellen könnte.
„Es ist Tabak, der in einem Blatt eingerollt ist. Und meistens ist vorne ein Filter dran.“ Sie zeigte mit ihren Händen wie groß eine solche Zigarette in den meisten Fällen war.
„Bei euch scheint alles so anders zu sein.“, Legolas sah sie sehr aufmerksam an. „Eine fremde Welt. Es muss großartig dort sein.“
Juniper schüttelte vehement den Kopf. „Nein. Ganz im Gegenteil.“, sagte sie ablehnend. „Wir Menschen haben unseren Planeten zerstört. Wir beschmutzen alles und töten nicht nur uns gegenseitig. Wir…“ Sie hielt im Satz inne, als sie bemerkte, wie die anderen sie groß ansahen.
„Euren Planeten?“, Borormir schüttelte verständnislos den Kopf. „Ihr redet so, als würdet ihr euer eigenes Volk hassen.“
Juniper schlug wieder die Augen nieder. Eigentlich tat sie es auch, jedes Mal wenn sie sah, wie wieder ein schöner Flecken Landschaft bebaut und zerstört wurde. Jedes Mal, wenn sie sah wie viele Menschen in Kriegen ums Leben kamen und wie schlecht andere Lebewesen behandelt wurden.
„Nicht alle sind so…“, sagte sie deswegen leise.
„Es gibt immer schwarze Schafe.“, mischte sich nun Gandalf ein. „In jedem Volk. Ihr solltet es nicht hassen, nur weil ein paar unter ihnen nicht wissen wie weit man gehen darf.“
Juniper blickte zu dem grauen Zauberer hinüber. Gandalf wusste nichts darüber. Mittelerde war ganz anders, man konnte es nicht vergleichen, dachte sie.
„Doch das Ganze lässt immer noch die Frage offen, wie sie hier her gekommen ist!“, fuhr Boromir auf. „Vielleicht erzählt sie uns auch nur selbst Märchen, möchte uns an der Nase herumführen, uns dem Feind ausliefern.“
„Es ist genug, Boromir.“, Gandalf sah den großen Mann scharf an. „Wir haben gesagt, dass wir ihr vertrauen und sie mitnehmen. Du hast dich damit abzufinden.“
Boromir knirschte mit den Zähnen, ihm gefiel es nicht, dass jeder das Mädchen anhimmelte, ohne zu hinterfragen, wer sie wirklich war.
„Ihr seht blass aus.“, bemerkte der Elb und verlangsamte seinen Schritt. „Geht es euch nicht gut.“
Juniper versuchte zu lächeln. „Mir ist nur etwas übel. Das wird schon wieder.“, erwiderte sie und spürte daraufhin sofort wieder ein Rumoren in der Magengegend. Kurz nachdem sie das Lager zusammengeräumt hatten und wieder aufgebrochen waren, hatte es angefangen. Die junge Frau schämte sich jedoch zu sehr um nach einer kurzen Pause zu fragen.
„Vielleicht möchtet ihr euch ausruhen?“, begann Legolas ein weiteres Mal und nun drehten sich auch Merry und Pippin zu ihr um.
„Nein… nein, ist schon…“, begann die junge Frau, doch im nächsten Moment beugte sie sich über das Gebüsch zu ihrer linken Seite und erbrach sich. Keuchend rang das Mädchen nach Luft, als der nächste Schwall folgte und ihre Knie immer weicher wurden.
Juniper POV
Legolas griff nach meiner Hüfte und hielt mich fest.
„Gandalf, wir müssen kurz rasten.“, rief er dem Zauberer an der Spitze zu, dann strich er meine langen Haare zurück, während ich weiter würgte.
Gandalf eilte mit Frodo an der Seite zu uns zurück. Merry und Pippin standen hinter Legolas und Pippin wurde selbst auch immer weißer um die Nase.
Der Zauberer schob den Hobbit harsch weg und blieb neben Legolas stehen.
„Habt ihr irgendwelche Früchte von den Büschen hier gegessen?“, fragte mich Gandalf.
„Nein!“, brachte ich noch heraus, bevor mich ein weiterer Würgereiz durchschüttelte.
„Kommt, Legolas, helft mir, wir können dort hinten unter dem Baum kurz rasten.“ Ich spürte wie der Elb mich vorsichtig stützte und von dem Gebüsch wegleitete.
Mein Kopf drehte sich ebenso schnell wie mein Magen und bevor mich Legolas auf einen kleinen Grasfleck niederlassen konnte, musste ich mich ein weiteres Mal übergeben.
Blass und erschöpft ließ ich mich zurück in das Gras fallen. Ich zog zitternd meine Beine an den Körper und schloss schwer atmend die Augenlider.
„Wir können nicht rasten.“, fuhr Boromir nun auf. „Das kann alles nur ein Trick sein.“
„Ja“, keuchte ich, „mein perfider Plan.“ Ich unterdrückte einen weiteren Würgereiz. „Ich übergebe mich… genau hier und dann kommen lauter Orks und überfallen uns.“, ich lachte kläglich, krümmte mich aber im nächsten Moment wieder, als mein Magen sich abermals Mal umdrehte.
„Das ist doch Unsinn.“, entgegnete Legolas. „Ich werde mich hier umsehen. Ich bin mir sicher, ich habe vorhin Heilkräuter entdeckt, die ihr gegen die Übelkeit helfen könnten.“
„Ja, bitte, tut das, Legolas.“, stimmte Gandalf ihm zu und der Elb eilte mit schnellen Schritten davon.
„Wir müssen trotzdem weiter.“, fing Boromir wieder an, wurde jedoch diesmal von Aragorn unterbrochen.
„Juniper kann in diesem Zustand unmöglich weiter. Auf diese Stunde kommt es nicht an.“
„Ist euch eigentlich nicht klar, dass dieses Mädchen euch nur hintergeht. Sie will doch nur den Ring.“
„Oh ja, ich will nur den Ring.“, krächzte ich von meiner Stelle auf dem Boden. „Ich konnte euch noch nie leiden. Ihr seid doch bloß noch hier, weil ihr selbst hofft den Ring zu bekommen.“ Hätten sie meinen Worten mehr Bedeutung beigemessen, hätten sie sie vermutlich hinterfragt. Doch aufgrund meiner momentanen Situation wurde ihnen nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt.
„Es genügt.“, sagte Gandalf bestimmend.
„Dieses Mädchen ist eine Gefahr für uns alle. Vielleicht wäre es besser sie hier zu lassen.“
„Du bist ein Bastard.“, fauchte ich und spürte wie ein weiterer bitterer Geschmack in meiner Kehle nach oben stieg.
„Pass auf was du sagst, Weib!“, sagte Boromir mit erhobener Stimme und mache einen Schritt auf mich zu.
„Jetzt reicht es.“ Aragorn stellte sich dem Kämpfer in den Weg. „Es ist mir gleich, ob ihr euch leiden könnt oder nicht. Wenn ihr kein vernünftiges Wort wechseln könnt, dann schweigt ihr besser.“
„Wahrscheinlich hat sie das Essen nicht vertragen, nicht wahr Gandalf.“, Frodo sah zu seinem Freund auf und der Zauberer nickte sachte.
„Ja, ich nehme an, dass sie es einfach noch nicht gewohnt ist.“
Pippin blinzelte bei diesen Worten verwirrt. „Heisst das etwa, dass sie andere Dinge isst?“
„Vermutlich soll es das heissen, Pip“, antwortete Merry.
„Und was?“
Ich stöhnte nur bei diesen Worten, die Erinnerung an Essen ließ meinen leeren Magen nur wieder rumoren.
„Vielleicht ist es besser, wenn wir über etwas anderes reden.“, mutmaßte Frodo und setzte sich neben Sam auf den Boden.
„Aragorn, auf ein Wort.“, wandte sie Gandalf nun an den Waldläufer. „Nutzen wir diese kurze Gelegenheit.“
Aragorn nickte und ging mit dem Zauberer etwas abseits um ein paar Worte zu wechseln. Ich konnte nur erahnen um was es sich wohl handelte.
Kapitel 3












