14.Juli: Wie die Hintern zweier Huren die Welt veränderten!
Oder wie Face-News die Französische Revolution auslösten, die später ihre Kinder fraß
14. Juli 1789. Um dieses Datum ranken sich zahlreiche Legenden. Die hartnäckigste ist sicherlich der Glaube an ein unterdrücktes Volk, dass ihren tyrannischen König stürze, um sich anschließend befreit und beflügelt in eine klassenlose Gesellschaft zu begeben. Im wahrsten Sinne des Wortes „Frank und frei.“ In Wahrheit war der König längst entmachtet und hatte nach englischem und vor allem amerikanischen Vorbild ein Parlament mit den Regierungsgeschäften beauftragt. Treibende Kraft und mächtigster Mann dieser demokratischen Aufbruch-Phase war Marquis de la Fayette. Er hatte als General die militärisch unerfahrenen amerikanischen Freiwilligenverbände im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zum Sieg geführt und war eng mit Georges Washington befreundet. Zurück nach Frankreich und frenetisch gefeiert hatte der Freimaurer, Aufklärer und Reformer nur ein Ziel: Aus Frankreich ein zweites Amerika auf europäischem Boden zu machen. Damit rannte er überall, sogar am Hofe offene Türen ein. Denn das sogenannte „Ancien Regime“ das erschreckende Ähnlichkeit mit dem Merkel-Allparteien-Regime hat, sehnte sich nach Abschaffung. Wie in Deutschland 2018 wurde das Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhundert bereits nachhaltig von Juristen regiert, die entweder aus dem niedrigen Adel oder aus bürgerlichen Kreisen stammten
Einige dieser Juristen – und hier beginnt wohl eine der pikantesten Anekdoten der Weltgeschichtete - hatte einen dekadenten Adligen, den berüchtigten Marquis de Sade, in der Bastille, den Stadtgefängnis von Paris einsperren lassen. Der Grund klingt auch nach heutigen Rechtverständnis plausibel: Der perverse Graf, immerhin Mitglied dies Hochadels war bereits in den 70ziger Jahren des 18. Jahrhunderts nach diversen Orgien mit Prostituierten ins Visier strafrechtlicher Ermittlungen geraten. Als er 1768 eine Kurtisane namens Rose Keller auspeitschte und schwer misshandelte kam er nur nach Zahlung eines großen Schmerzensgeldes, sozusagen „auf Bewährung“ wieder auf freien Fuß. 1772 wurden ihm die Hintern zweier Prostituierten aus Marseille zum Verhängnis. Der Graf hatte sie – ähnlich wie man aus Hollywoodkreisen hört – mit Drogen gefügig gemacht und anschließend zum Analsex gezwungen. 1777 wurde er verhaftet, zunächst in Vincennes und später in der Bastille untergebracht, wo er sein bekanntes und von Pasolini verfilmtes Hauptwerk „die 120 Tage von Sodom“ schrieb.
Dem Grafen ging es nach damaligen Verhältnissen bestens, erst recht als er von den sich draußen zusammenbrauenden gesellschaftlichen Umwälzungen erfuhr. Inzwischen war aus dem dekadenten Hochadligen ein radikaler Linker geworden und er half mit, das Gerücht zu streuen, in der Bastille säßen „politische Gefangene“. Welch ein Irrtum! Die Zellen in dem gewaltigen Komplex waren so gut wie leer. Die Revolutionäre, die nach einem kurzen Widerstand das Gebäude stürmten, befreiten vier Urkundenfälscher, zwei Geisteskranke und Frankreichs prominentesten Sittenstrolch. Der auch heute noch von linken Eliten in Künstlerkreisen verherrlichte Perverse war fast am Ziel:
„Sie töten hier Menschen!“,
soll er gerufen haben, ehe ihn der johlende Pariser Mob befreite. Doch selbst am Tag der Revolution war Frankreich noch ein halbwegs funktionierender Rechtstaat und so wurde die „Sicherheitsverwahrung“ in Psychiatrie umgewandelt. Erst als die radikalen Juristen 1790 die Macht ergriffen konnte der Graf – inzwischen von seiner Frau geschieden – freie Luft atmen. Und hier beginnt das zweite Kapitel der französischen Revolution, die wie alle Revolutionen ihre Kinder frisst. Dazu gehört auch Sade, der sich einerseits einem utopischen Sozialismus verschrieb, anderseits auf seine Annehmlichkeit und Luxus als Adliger nicht verzichten wollte. Er machte als „Salonkommunist“ zwischen 1790 und 1794 sogar ein wenig Kariere, wurde – wie absonderlich – sogar Richter und Präsident des „Section de Piques“ ehe er während der Schreckensherrschaft in Ungnade fiel. Unter dem neuen Regime „Directoire“ wurde er völlig mittellos, eh ihn die Diktatur Napoleons vollkommen zermalmte und vor allem seine Werke vernichtete.
Er starb 1814, vierundsiebzigjährig in der Irrenanstalt Charenton Saint Maurice und hätte fast noch die napoleonische Ära überlebt, die im gleichen Jahr zu Ende ging. Somit ist Marquis de Sade fast eine Symbolfigur der Französischen Revolution. Ausgelöst von einem Adel, der sich selbst abschaffen wollte, getragen von Juristen, Sowohl bei der Französischen Revolution – der Abschaffung des Adelsregimes – als auch bei der Abschaffung Deutschlands spielen Juristen eine Schlüsselrolle. Sie sind viel mächtiger als Politiker, denn sie sind nicht abhängig von der Wählergunst.
Im Grunde genommen sind sie ein Staat im Staate und haben damit konsequenterweise auch den Adel nach der Französischen Revolution als Machtfaktor abgelöst. Der Höhepunkt ihrer Macht gipfelt im berüchtigten „Wohlfahrtsausschuss“, deren führende Mitglieder Danton, Robespierre, Saint- Just, de Séchelles und Couthon durchweg aus Juristen bestanden.
Diese selbstherrlichen Diktatoren im Talar bescherten Frankreich mit der „Schreckensherrschaft“ eines der dunkelsten Kapitel seiner Geschichte.
Eine ähnliche Entwicklung – die Machtverschiebung von der demokratischen Politik hin zur „Paragrafendiktatur“ – ist auch im modernen Europa zu beobachten. Juristen verhindern die Abschiebung krimineller Ausländer. Wie im Fall des Leinwächters von Osama Bin Laden. Fordern vernünftige Politiker (teilweise durch öffentlichen Druck) harte Strafen für den Sexmob von Köln, verurteilen Richter die Täter nur zu kleinen Bewährungsstrafen.
Ein Dschihadist und Kriegsverbrecher bekommt zwei Jahre Knast, ebenso ein islamistischer Bombenbauer. Und so könnte man die Reihe von Skandalurteilen endlos fortsetzen. Die Justiz hat immer das letzte Wort.
In Paris führte sie 1793 das Land geradewegs in die Militärdiktatur Napoleons. Menschen, die keine Rechtssicherheit mehr haben, die mit ansehen müssen, wie ihr politischer Wille geradezu verhöhnt wird, greifen irgendwann zu Maßnahmen, die jenseits aller Rechtsstaatlichkeit liegen.
Die Menschen sind bei diesem üblen Spiel wie Sade Opfer und zugleich Täter. Sade war Sittenstrolch und später Richter. Revoluzzer und zugleich reicher Lebemann. Ähnlich schizophrene und kaputte Typen bestimmen auch heute wieder vermehrt die Tagespolitik. Doch anders wie damals werden die Früchte dieser kranken Politik nicht mehr eine landesinterne Machtverschiebung einläuten, sondern eine feindliche Übernahme durch fremde Kulturen, die bereits jetzt als Parallelgesellschaften große Macht und Einfluss haben. Unterstützt von dekadenten Typen aus dem gleichen Holz wie Sade, der das grausame und böse verlockend fand und seinen Protagonisten zur macht verhalf. Mit Face-News wie „Sie töten hier Menschen“