Dienstag, 29. November
Um acht Uhr aufgestanden, Gustav Mahler gehört, zur Theaterwissenschaft. Kam schon wieder zu spät, es fängt ja schon um neun Uhr an. Habe mich schon auf Schönberg gefreut, aber er behandelte Franz Schreker, habe mich mit Alexa unterhalten. Herr Schneider war nicht da, mein Buch auch nicht. Zur UB, auf dem Weg zwei kleine Schokoladen gekauft, sie kosteten 10 Schilling. In der Universitätsbibliothek waren meine Bücher auch nicht, auch schon ausgeliehen. Wieder nach Hause. Eiernudeln gegessen. Im Postkasten war nichts, der liebe Jaschke scheint mein Manuskript wirklich zu lesen. Marguerite hat den Brief wahrscheinlich noch nicht bekommen.
Zur Musiksammlung, die Bestellnummer war falsch. Die Bibliothekarin war sehr freundlich. Morgen bekomme ich das Buch. Zu Herrn Schindler auf der Theaterwissenschaft, das Buch war nicht da, nach Hause. Bin einer Jugoslawin begegnet, die hatte kein Geld und kein Essen, ihr Mann ist tot undsoweiter. Ich zeigte ihr, dass ich auch kein Geld mehr habe, da war sie plötzlich nicht mehr so freundlich. Sie konnte ganz gut Deutsch und sagte Auf Wiedersehen. Noch dazu war sie auf einmal von einer Horde anderer jugoslawischer Frauen umringt. Jetzt gebe ich denen bestimmt nichts mehr. Bin Claudius wieder nicht begegnet. Ende November ist die Frist. Vielleicht treffe ich ihn, wenn dieses Tagebuch voll ist? Dann kann er lesen, was ich in seiner Abwesenheit getrieben habe. Zu Hause im THEATER HEUTE gelesen und die Dritte von Gustav Mahler gehört. Da rief mich Monika aus Innsbruck an und fragte, ob ich heute mit ihr ins Schauspielhaus gehe, in Heiner Müller: VERKOMMENES UFER MEDEAMATERIAL LANDSCHAFT MIT ARGONAUTEN. Sie hätte Karten. Habe mich sehr gefreut, weil ich diese Medea schon immer sehen wollte. Es ist im Schauspielhaus, das ist ja gleich neben der Romanistik in der Schlickgasse! Es war gut, aber noch immer nicht Artaud. Danach gingen wir zur Straßenbahn und da stieg ein dickekr Mann mit einer Frau mit langen, blonden Haaren in ein rotes Auto ein, der Mann hat ausgeschaut wie Claudius, die gleiche Brille. Aber ich hoffe immer noch, dass er es nicht war, die Haare etwas grau und Claudius kommt mir noch viel größer vor. Oh Gott, ich bin schon nicht mehr so stark. Ich könnte ihn gar nicht mehr lieben am Abend.
Monika hat mir erzählt, dass sie und Armin und noch ein paar Leute eine freie Theatergruppe gegründet haben. Sie proben LEONCE UND LENA. Ich habe ihr von der Nitsch-Aktion erzählt. Im Programm des Schauspielhauses habe ich gelesen, dass im April DIE HYPOCHONDER von Botho Strauß aufgeführt werden. Das freut mich. Ha! Monika wird es Armin sagen, der behauptet nämlich, DIE HYPOCHONDER seien nur ein dramaturgischer Scherz. Wir gingen noch ins VOTIV ESPRESSO in der Kolingasse, vorher fuhren wir mit der Straßenbahn und schimpften über Karajan, einmal drehte ich mich um, da saß hinter mir der Bandhauer und schaute mich pikiert an. Ist er ein Karajan-Fan? Er schaut immer noch so aus wie ein Musterschüler, karierte Mütze, beiger Staubmantel, etc. Mir wurde ganz schlecht, wahrscheinlich weil ich nichts gegessen habe. Nach Hause. Ins Bett.











