X: Was, meinen Sie, ist der größte Fehler, den man im Leben machen kann?
C: Hmm.. Sehen Sie, das ist nicht so einfach zu beantworten.. Ich halte wenig von allgemeinen Antworten, Lösungen etc., die für alle Menschen gültig sein sollen. Nicht, dass es das nicht geben kann, aber die Individualität des Einzelnen muss berücksichtigt werden und das macht Vieles wieder unbrauchbar..
Vielleicht wäre mein größter Fehler, zu leicht Vertrauen zu schenken, während es für den Nachbarn der größte Fehler sein kann, niemandem zu vertrauen..
Das berühmte richtige Maß.. ja.. aber auch das gilt nicht immer..
Deswegen möchte ich Ihre Frage ein wenig modifizieren: Welche Fehler zähle ich zu den größten?
Ich würde sagen, das Leben nicht zu leben zu wagen, ist einer der verheerendsten, größtmöglichen Fehler, die man im Leben machen kann.
X: Was meinen Sie, warum so etwas passieren kann?
C: Nun, meistens sind es Ängste natürlich. Ängste, die ihren Ursprung in der Kindheit, oft in der frühen Kindheit, haben. Nicht selten sogar in der vorsprachlichen Periode.
X: Sie meinen, als man also noch erst paar Monate alt war..
C: Ja, ganz genau. Das ist vielleicht mit ein Grund, warum man sich an die Erlebnisse von damals nicht mehr so leicht erinnern kann.
Auf diese Weise bleiben vielleicht die auslösenden Faktoren dem Bewusstsein verborgen.
Ein betroffener Mensch hat dann Angst vor dem Leben, ohne zu wissen, warum. Er hat einfach immer oder fast immer Angst, insbesondere bei seinen Interaktionen mit den Menschen und er versteht sich selbst nicht, er weiß nicht, warum er so eine kaum aushaltbare Angst hat.
X: Sie meinen, die Folge kann dann sein, dass so jemand Angst vor dem Leben hat.
C: Ja.. So ein Mensch muss dann immer auf der Hut sein.. Es ist eine immense Angst und Anspannung in ihm..
Er hat viellicht eine sehr große Angst, verletzt zu werden oder er hat eine riesige Angst vor dem, was in ihm selbst ist, von seinen Reaktionen auf andere Menschen usw..
X: Sie meinen z.b. wenn man ihn verletzt?
C: Ja.. Vielleicht hat er dann Angst vor der immensen Wut in ihm selbst, die ausbrechen könnte, wenn er verletzt wird oder auch Angst davor, vor anderen Menschen in Tränen auszubrechen, wie ein kleines Kind zu weinen.. Große Scham..
Die Ängste können sich aber auch auf andere Gefahren und Risiken im Leben ausdehnen, sowohl im Zwischenmenschlichen als auch im Leben überhaupt.
Das kann so weit gehen, dass der Mensch dann versucht, sich gegen alle möglichen Gefahren abzusichern, was natürlich unmöglich ist, da Leben und Sicherheit sich ja bekanntlich ausschließen - es gibt kein Leben in Sicherheit.
Wer Sicherheit sucht, wird das Leben opfern müssen, d.h. er verzichtet auf das Leben, aus Angst, eben dieses Leben zu verlieren.
Also er lebt nicht, um sich das Leben zumindest als eine Möglichkeit zu erhalten.
X: Das klingt irgendwie paradox!