DomÀnencontroller migrieren, aber richtig
Einen DomÀnencontroller zu migrieren ist in vielen Umgebungen mehr als nur ein Servertausch. SpÀtestens wenn Name und IP-Adresse des bisherigen DC weiterverwendet werden sollen, hÀngen DNS, NTP, LDAP, Replikation und oft auch Drittanwendungen mit daran. Wer hier ohne Plan vorgeht, riskiert verwaiste DNS-EintrÀge, fehlerhafte Replikation oder Probleme bei der Authentifizierung.
Der einfachste Weg ist, einen neuen DomĂ€nencontroller mit einem neuen Namen und einer neuen IP-Adresse zu installieren. AnschlieĂend werden bei Bedarf die FSMO-Rollen verschoben und der alte DC sauber heruntergestuft. Technisch ist das oft schnell umgesetzt. In der Praxis gehen jedoch die wenigsten Unternehmen diesen Weg.
Der Grund ist einfach: HÀufig sollen Name und vor allem die IP-Adresse des bisherigen DomÀnencontrollers weiterverwendet werden. Das ist grundsÀtzlich möglich, bringt aber einige Fallstricke mit sich. Die eigentliche Frage lautet daher nicht nur, wie man einen DomÀnencontroller migriert, sondern wie man dies sauber, sicher und ohne FolgeschÀden umsetzt.
Warum der kompliziertere Weg oft der richtige ist
FĂŒr viele Unternehmen ist der aufwendigere Weg in Wahrheit der sinnvollere. DomĂ€nencontroller werden in der Praxis nicht nur von Windows-Systemen genutzt. Oft sind ihre Dienste fest mit einer IP-Adresse oder einem Namen in anderen Systemen hinterlegt.
Typische Beispiele aus der Praxis sind:
- DNS-Server fĂŒr Systeme mit fester IP-Adresse - NTP-Server fĂŒr Nicht-Windows-Systeme - LDAP- oder LDAPs-Server fĂŒr die Authentifizierung von Druckern, Zeiterfassungen, Telefonanlagen, Linux-Servern, VMware und anderen Anwendungen
Wenn alle Systeme ausschlieĂlich per DHCP arbeiten wĂŒrden, könnte man viele AbhĂ€ngigkeiten einfach ĂŒber eine Anpassung im DHCP-Server lösen. In realen Umgebungen ist das aber oft nicht möglich oder bringt mehr Nachteile mit sich, als den DomĂ€nencontroller gezielt auszutauschen und Name oder IP-Adresse wiederzuverwenden.
Was vor der Migration eines DomÀnencontrollers beachtet werden muss
Vor der Migration gelten einige grundlegende Regeln. Die wichtigste zuerst: FĂŒr dieses Vorgehen benötigen Sie mehr als einen DomĂ€nencontroller. Die FSMO-Rollen mĂŒssen vorĂŒbergehend auf einen Server verschoben werden, der nicht gerade migriert wird. Wenn Sie mehrere DomĂ€nencontroller nacheinander austauschen möchten, sollte zwischen den einzelnen Schritten â abhĂ€ngig von der KomplexitĂ€t der Umgebung â ausreichend Zeit fĂŒr Replikation und PrĂŒfung eingeplant werden.
Bei zwei DCs an einem einzelnen AD-Standort kann man in vielen FĂ€llen einen DomĂ€nencontroller am Vormittag und den zweiten am Nachmittag migrieren. In Umgebungen mit mehreren AD-Standorten, zusĂ€tzlichen DomĂ€nen oder Vertrauensstellungen steigt die KomplexitĂ€t deutlich. Auch dort ist eine DurchfĂŒhrung innerhalb eines Tages möglich, allerdings nur dann, wenn nach jedem Schritt die Replikation geprĂŒft und bei Bedarf manuell angestoĂen wird.
PrĂŒfen Sie Active Directory und die gesamte Umgebung
Vor mehr als zehn Jahren habe ich mir ein eigenes Skript geschrieben, das die AD-Umgebung auswertet und seitdem kontinuierlich erweitert wurde. Wer einen Blick darauf werfen möchte, findet es hier: Get-ADInfo.ps1 auf GitHub. Das Skript listet unter anderem auch die GUIDs der DomĂ€nencontroller fĂŒr die Replikation sowie die GUID- beziehungsweise InvocationId-basierten DNS-Namen auf.
Wichtig sind vor allem die Informationen darĂŒber, welche DomĂ€nencontroller existieren, wer welche FSMO-Rollen hĂ€lt, welche Vertrauensstellungen vorhanden sind und welche Replikationsverbindungen ĂŒber AD-Standortgrenzen hinweg bestehen. Besonders wichtig sind dabei die Replikationszeiten. Werden Ănderungen nicht sauber repliziert, kann es passieren, dass der neue Server an anderen Standorten nicht korrekt mit bestehenden DomĂ€nencontrollern repliziert. Im schlimmsten Fall wird dadurch die Replikation zwischen Standorten oder sogar zwischen vertrauten DomĂ€nen und Gesamtstrukturen unterbrochen.
Bevor Sie mit der eigentlichen Migration beginnen, sollte zuerst geprĂŒft werden, ob die Umgebung grundsĂ€tzlich sauber arbeitet. Dazu sollten Sie die folgenden Punkte auf allen DomĂ€nencontrollern kontrollieren:
- PrĂŒfen Sie die Funktion der Sysvol-Replikation ĂŒber DFS-R. Wenn Sie noch FRS verwenden, sollten Sie zuerst auf DFS-R migrieren. FRS ist bereits seit Windows Server 2008 veraltet und wird seit Windows Server 2016 nicht mehr unterstĂŒtzt. - FĂŒhren Sie idealerweise fĂŒr jeden DC einen Propagation-Test ĂŒber die DFS-Verwaltungskonsole durch. Der kann fĂŒr das SysVol leider nicht ĂŒber die PowerShell ausgefĂŒhrt werden. - ZusĂ€tzlich kann ein Backlog-Test, beispielsweise mit meinem Skript Get-DFSRBacklog.ps1, weitere Hinweise liefern. - PrĂŒfen Sie die AD-Replikation. - FĂŒr eine generelle PrĂŒfung fĂŒhren Sie repadmin /replsum in einer administrativen Eingabeaufforderung aus. Der Befehl wertet die Replikationsverbindungen aus und liefert eine Zusammenfassung.
- FĂŒr eine DetailprĂŒfung eignet sich repadmin /showrepl auf dem jeweiligen DomĂ€nencontroller. - PrĂŒfen Sie alle DomĂ€nencontroller mit DCDIAG. - FĂŒhren Sie dazu DcDiag.exe in einer administrativen Eingabeaufforderung aus. - PrĂŒfen Sie das Netzwerk und alle benötigten Ports. - Ich nutze dafĂŒr Check-Network.ps1. Das Skript prĂŒft unter anderem, ob alle fĂŒr Active Directory erforderlichen Ports zu den anderen DomĂ€nencontrollern erreichbar sind. Auch die MTU kann dabei kontrolliert werden. - Der Hintergrund ist praxisnah: Ich hatte einmal ĂŒber drei Firewalls hinweg ein Problem mit UDP-Fragmentierung auf der mittleren Firewall. Betroffen waren Kerberos-Pakete, die in bestimmten Situationen zu groĂ fĂŒr TCP wurden. Ohne Zugriff auf die Firewall-Logs habe ich ĂŒber eine Woche gebraucht, um die Ursache zu finden. Daraus entstand damals der CMD-VorgĂ€nger dieses Skripts. - PrĂŒfen Sie die eingetragenen DNS-Server. Auf jedem DomĂ€nencontroller sollte als bevorzugter DNS-Server immer ein anderer DC eingetragen sein. Idealerweise verwenden Sie IPv4. Link-Local-IPv6-Adressen, die mit FE80: beginnen, sollten hier nicht verwendet werden â es sei denn, Sie haben nur ein einziges Netzwerksegment und das wird sich auch kĂŒnftig nicht Ă€ndern.
Besonderheiten bei mehreren Standorten und Vertrauensstellungen
In Active-Directory-Umgebungen mit mehreren AD-Standorten und/oder Vertrauensstellungen gelten zusĂ€tzliche Anforderungen. Bevor Sie Replikationsverbindungen manuell Ă€ndern, sollten Sie zuerst prĂŒfen, ob der Knowledge Consistency Checker (KCC) aktiv ist. Das ist standardmĂ€Ăig der Fall. Der KCC prĂŒft in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden die Replikation und erstellt bei Bedarf automatisch neue Replikationsverbindungen.
Wichtig ist dabei: Das geschieht nicht sofort. Ănderungen an der Topologie mĂŒssen zunĂ€chst selbst repliziert werden. Deshalb ist bei Ănderungen wie dem Entfernen und HinzufĂŒgen von DomĂ€nencontrollern Geduld erforderlich. GrundsĂ€tzlich sollte der KCC seine Arbeit machen dĂŒrfen, sofern keine sehr speziellen Anforderungen in der Netzwerkarchitektur dagegensprechen. Solche SonderfĂ€lle sind in der Praxis selten.
- PrĂŒfen Sie bei mehreren Standorten, ob auf dem zu entfernenden DomĂ€nencontroller manuelle Replikationsverbindungen eingetragen sind. - Wenn dies der Fall ist, mĂŒssen diese Verbindungen in beide Richtungen angepasst und die erfolgreiche Replikation anschlieĂend geprĂŒft werden. - Wenn nötig, kann die Replikation mit repadmin beschleunigt werden. - PrĂŒfen Sie Ănderungen an der Topologie immer auf DomĂ€nencontrollern an beiden betroffenen AD-Standorten. - Aktualisieren Sie die Konsolenansicht regelmĂ€Ăig, da gerade Active Directory-Standorte und -Dienste gerne veraltete, zwischengespeicherte Informationen anzeigt.
Herabstufen des alten DomÀnencontrollers
Wenn alle PrĂŒfungen erfolgreich waren, kann mit der eigentlichen Migration begonnen werden. Wichtig ist dabei vor allem eines: nichts ĂŒberstĂŒrzen. DomĂ€nencontroller sind das Gehirn des Active Directory. Wenn Sie die vorgeschlagenen VorprĂŒfungen noch nicht durchgefĂŒhrt haben, holen Sie das nach. Viele Probleme, die spĂ€ter aufwendig analysiert werden mĂŒssen, lassen sich an dieser Stelle bereits verhindern.
Stufen Sie den auszutauschenden DomĂ€nencontroller sauber herunter. KĂŒrzen Sie keine Neustarts ab, denn diese sind in diesem Ablauf sinnvoll und notwendig. Nach der Herabstufung zum Mitgliedsserver sollte der Server nicht einfach aus Active Directory gelöscht werden. Entfernen Sie ihn sauber aus der DomĂ€ne, indem Sie ihn in eine Arbeitsgruppe verschieben, und fĂŒhren Sie danach den Neustart durch. Erst wenn der Server in der Arbeitsgruppe gestartet wurde, sollte er endgĂŒltig gelöscht, abgeschaltet oder abgebaut werden.
PrĂŒfen Sie danach die folgenden Punkte sorgfĂ€ltig in dem AD-Standort, in dem der Server zuvor betrieben wurde. Wenn dort nur ein einzelner DC vorhanden war, prĂŒfen Sie diese Punkte auf dem PDC-Emulator.
- Wurden die Replikationsverbindungen des alten DomĂ€nencontrollers in Active Directory-Standorte und -Dienste entfernt? - Befindet sich das Computerkonto nicht mehr in der OU Domain Controllers? - Ist der alte DomĂ€nencontroller noch in der DNS-Zone _msdcs vorhanden? Das gilt auch fĂŒr GUID- beziehungsweise InvocationId-basierte DNS-Namen. PrĂŒfen Sie die komplette Zone einschlieĂlich der standortbezogenen EintrĂ€ge. Wenn Sie noch EintrĂ€ge finden, löschen Sie diese manuell â aber nur dann, wenn eindeutig klar ist, dass es sich um verwaiste EintrĂ€ge handelt.
Wenn Sie mehrere AD-Standorte oder Vertrauensstellungen haben, warten Sie danach, bis die Replikation des Active Directory abgeschlossen ist und der KCC gegebenenfalls die Replikationsverbindungen wiederhergestellt hat.
Passiert das nicht innerhalb der erwarteten Zeit, kann eine manuelle Wiederherstellung der Verbindungen erforderlich sein. Als Faustregel bietet sich an: Intersite-Replikationszeit Ă 2 + 1 Stunde. Das ist jedoch eine MaĂnahme zur Fehlerbehebung und keine AbkĂŒrzung fĂŒr ungeduldige Administratoren. Denken Sie daran, dass Intersite-Replikationsverbindungen immer auf einem DomĂ€nencontroller am jeweiligen AD-Standort eingerichtet werden mĂŒssen.
Wenn die Replikationsverbindungen wieder sauber aussehen, wiederholen Sie die bereits durchgefĂŒhrten PrĂŒfungen, um sicherzustellen, dass die Umgebung weiterhin konsistent ist.
Heraufstufen des neuen DomÀnencontrollers
Bevor der neue DomĂ€nencontroller heraufgestuft wird, sollten alle Netzwerkverbindungen noch einmal geprĂŒft werden. Am einfachsten geht das mit Check-Network.ps1.
Wenn alle PrĂŒfungen abgeschlossen sind, kann der neue DC heraufgestuft werden. Wichtig ist dabei, dass Name und IP-Adresse vorab korrekt vorbereitet wurden und der Server bereits in der DomĂ€ne Mitglied ist. Nach der Heraufstufung und den erforderlichen Neustarts sollten Sie mindestens die folgenden Punkte prĂŒfen:
- Sind SysVol und NetLogon freigegeben? Am einfachsten prĂŒfen Sie das mit Get-SmbShare. - Wurde das Computerobjekt in die OU Domain Controllers verschoben? - Wurde der Server dem richtigen AD-Standort zugeordnet? - Sind die DNS-EintrĂ€ge des neuen DC in _msdcs vorhanden? - Ist DCDIAG ohne kritische Fehler? - Funktioniert die DFS-R-Replikation? - Funktioniert die AD-Replikation? - Sind die DNS-Server korrekt eingetragen? Als bevorzugter DNS muss ein anderer DC eingetragen sein. Der eigene Server sollte höchstens ergĂ€nzend eingetragen werden. Andernfalls sind Replikationsprobleme praktisch vorprogrammiert.
Im Anschluss sollten alle Dienste und Systeme geprĂŒft werden, die bisher den alten DomĂ€nencontroller verwendet haben. Dazu gehören insbesondere DNS, NTP, LDAP, LDAPs sowie Anwendungen mit fest konfigurierten Zielsystemen.
Und wer das gerne nochmal als Plan haben möchte, bitte sehr.
Ablaufplan DomÀnencontroller migrieren, aber richtig
Troubleshooting
DFS-Replikation funktioniert nicht richtigWenn es Probleme mit der DFS-R-Replikation gibt, sichern Sie zuerst auf allen betroffenen DomĂ€nencontrollern den SysVol-Ordner. PrĂŒfen Sie anschlieĂend, ob unter âPoliciesâ Ordner vorhanden sind, die auf dem PDC-Emulator fehlen. Bevor Sie Dateien kopieren, sollten Sie unbedingt kontrollieren, ob die zugehörigen Gruppenrichtlinien auf dem PDC-Emulator ĂŒberhaupt noch existieren. Die IDs lassen sich mit dem PowerShell-Befehl âGet-GPO -All | Format-Table -Property DisplayName,Id -AutoSizeâ ermitteln. Sichern Sie im Zweifel auch die SysVol-Ordner der anderen DomĂ€nencontroller. Beachten Sie auĂerdem, dass bei gestörter Replikation einzelne Server Ă€ltere Versionen von Gruppenrichtlinien enthalten können. Wird die Replikation spĂ€ter repariert oder wechseln diese Server den DomĂ€nencontroller, kann sich das Verhalten der Systeme Ă€ndern. Wenn alles geprĂŒft und gesichert wurde, kann eine autorisierende DFS-R-Wiederherstellung durchgefĂŒhrt werden, idealerweise mit dem PDC-Emulator als Quelle. PrĂŒfen Sie danach das Ereignisprotokoll und testen Sie die normale DFS-R-Replikation erneut.Was tun bei verwaisten DNS-EintrĂ€gen alter DomĂ€nencontroller?Vor der Bereinigung sollten Sie zuerst die GUIDs beziehungsweise InvocationIds der DomĂ€nencontroller ermitteln. Get-ADInfo.ps1 zeigt diese Werte an. Im DNS sollten nur noch Alias-EintrĂ€ge beziehungsweise Registrierungen aktiver DomĂ€nencontroller vorhanden sein. PrĂŒfen Sie dabei auch EintrĂ€ge wie _kerberos, _ldap sowie weitere Dienstregistrierungen in den Unterzonen _tcp und _udp. Das gilt sowohl fĂŒr die eigentliche DNS-Zone als auch fĂŒr die AD-integrierte Zone _msdcs. Veraltete EintrĂ€ge sollten entfernt und anschlieĂend repliziert werden, damit alle DomĂ€nencontroller denselben Stand haben.Was tun bei fehlenden DNS-EintrĂ€gen des neuen DomĂ€nencontrollers?PrĂŒfen Sie zuerst, ob die Replikation aktuell und fehlerfrei ist. Möglicherweise wurde der fehlende Eintrag einfach noch nicht repliziert. Ist das nicht die Ursache, sollten die auf dem Server eingetragenen DNS-Server geprĂŒft werden. Als bevorzugter DNS sollte immer ein anderer DomĂ€nencontroller eingetragen sein. Der lokale Server sollte höchstens sekundĂ€r mit 127.0.0.1 oder einem vergleichbaren Eintrag verwendet werden. Wenn auch das nicht die Ursache ist, können Sie die DNS-Registrierung mit âipconfig /registerdnsâ als Administrator neu anstoĂen. Innerhalb von etwa 15 Minuten sollten die EintrĂ€ge erscheinen. Hinweise auf die Ursache finden sich hĂ€ufig im Ereignisprotokoll. Wenn weder Fehlermeldungen im Eventlog noch EintrĂ€ge in DNS erscheinen, kann auch eine spezielle Hub-Spoke-Konfiguration der Umgebung die Ursache sein.Probleme mit LDAP oder LDAPs nach der UmstellungGerade wenn fĂŒr DomĂ€nencontroller Zertifikate ausgestellt wurden, um LDAP per TLS abzusichern, kann es nach der Migration zu Problemen kommen. In vielen Umgebungen wurden bei der Einrichtung nicht die Zertifikate der Zertifizierungsstelle, sondern direkt die Zertifikate des bisherigen DomĂ€nencontrollers verteilt oder hinterlegt. Besonders bei selbstsignierten Zertifikaten ohne eigene Zertifizierungsstelle kann das nach einem Austausch zu zusĂ€tzlichem Aufwand fĂŒhren. In solchen FĂ€llen sollten Zertifikatskette, Vertrauensstellung und Zielnamen sorgfĂ€ltig geprĂŒft werden.Gruppenrichtlinien lassen sich nach der Migration nicht anwendenGelegentlich kommt es vor, dass Gruppenrichtlinien nach der Migration nicht mehr korrekt angewendet werden. Oft taucht dann eine GUID wie â{F312195E-3D9D-447A-A3F5-08DFFA24735E}â auf. Dabei handelt es sich um die GUID der Gruppenrichtlinienerweiterung, die das Problem verursacht. Ein typischer Kandidat in virtuellen Umgebungen ist die Erweiterung âVirtualizationBasedSecurityâ, also Device Guard und/oder Credential Guard. In solchen FĂ€llen sollte die betroffene Erweiterung identifiziert und die zugehörige Richtlinie gezielt geprĂŒft werden.
Fazit
Einen DomĂ€nencontroller zu migrieren ist kein Hexenwerk, aber auch keine Aufgabe fĂŒr AbkĂŒrzungen. Wer Name und IP-Adresse eines bestehenden DC wiederverwenden möchte, muss sauber arbeiten und vor allem die Umgebung vorab prĂŒfen. Replikation, DFS-R, DNS, Standorttopologie und abhĂ€ngige Dienste mĂŒssen vor und nach jedem Schritt kontrolliert werden.
Gerade in Umgebungen mit mehreren Standorten, Vertrauensstellungen oder fest konfigurierten Drittanwendungen zeigt sich, ob eine Migration geplant oder nur schnell durchgefĂŒhrt wurde. Wenn Sie die PrĂŒfungen konsequent durchfĂŒhren, Replikationszeiten berĂŒcksichtigen und den alten DomĂ€nencontroller wirklich sauber entfernen, lĂ€sst sich auch der kompliziertere Weg stabil und ohne böse Ăberraschungen umsetzen.
HÀufige Fragen zur Migration von DomÀnencontrollern
Kann ich bei der Migration eines DomĂ€nencontrollers Name und IP-Adresse wiederverwenden?Ja, das ist grundsĂ€tzlich möglich. Genau das ist in vielen produktiven Umgebungen sogar der wichtigste Grund fĂŒr eine geplante Migration. Vor der Wiederverwendung mĂŒssen jedoch Replikation, DNS, DFS-R, Freigaben und abhĂ€ngige Dienste sauber geprĂŒft werden.MĂŒssen die FSMO-Rollen vor der Migration verschoben werden?Ja. Die FSMO-Rollen sollten vorĂŒbergehend auf einen DomĂ€nencontroller verschoben werden, der nicht gerade migriert wird. Erst wenn die Umgebung stabil ist, sollte ĂŒber eine spĂ€tere RĂŒckverlagerung entschieden werden. Dazu kann mein Skript Move-FSMO.ps1 verwendet werden.Warum ist die AD-Replikation vor der Migration so wichtig?Wenn die Replikation bereits vor der Migration fehlerhaft ist, werden Ănderungen wie das Entfernen oder HinzufĂŒgen von DomĂ€nencontrollern nicht sauber in der Gesamtstruktur verteilt. Das fĂŒhrt hĂ€ufig zu DNS-Fehlern, verwaisten Objekten, defekten Gruppenrichtlinien oder unterbrochenen Standortverbindungen.Kann ich einen neuen DomĂ€nencontroller installieren, wenn SYSVOL noch mit FRS repliziert wird?Bei aktuellen Windows-Server-Versionen ist das nicht mehr vorgesehen. Vor der Heraufstufung neuer DomĂ€nencontroller sollte SYSVOL auf DFS-R migriert sein. Bestehende FRS-Umgebungen mĂŒssen daher zuerst bereinigt und migriert werden.















