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Akeem Vargas
GAL Sports trifft Akeem Vargas
GAL Sports: Ihr habt euch vergangene Woche den Heimvorteil für die erste Playoff-Runde gesichert. Wie wichtig ist euch dieser Vorteil?
Vargas: Ja, natürlich sehr wichtig. Ich glaube, wenn man sieht, dass wir zu Hause erst ein Spiel verloren haben, hat das einen hohen Stellenwert für uns. Nichtsdestotrotz wollen wir natürlich Dritter werden und nicht Vierter.
GAL Sports: Wer wäre denn dein persönlicher Lieblingsgegner fürs Viertelfinale?
Vargas: Ich denke, wir haben schon häufig gegen Bonn gespielt. Die Lust ist nicht sonderlich groß, doch ich glaube die liegen uns sehr und deshalb wären sie ein guter Viertelfinalgegner für uns. Aber auch Ulm oder Artland wären in Ordnung. Diese Teams haben wir auch schon geschlagen und wir konzentrieren uns eh mehr auf uns selbst als auf den Gegner.
GAL Sports: Jetzt findet das erste Viertelfinale in der Max-Schmeling-Halle statt und nicht wie sonst in der o2 World. Ist das eine Umstellung, da man nicht das gewöhnte Umfeld hat?
Vargas: Ja, wir hatten bis jetzt erst ein Spiel in der Schmeling-Halle. Ich glaube die Stimmung ist dort natürlich sehr gut, weil die Fans ein bisschen näher am Feld sind. Aber für uns Spieler wird das natürlich eine Umstellung sein. Die Körbe sind anders, die Halle ist anders. Mal gucken wie viele Einheiten wir vorher dort haben, um uns so gut wie möglich darauf vorzubereiten.
GAL Sports: Was erschwert denn die Umstellung? Merkt man sich in der o2 World einen Kratzer im Parkett, von dem man entsprechend wirft oder wie kann man sich das vorstellen?
Vargas: Nein ich glaube jeder hat da so seine Lieblingsecke oder Lieblingsspot und der ist eigentlich in jeder Halle gleich. Hauptsächlich sind die Körbe unterschiedlich. Das ist auch immer das Problem bei den Auswärtsspielen, mal sind die Körbe weicher, mal härter als zu Hause und daran muss man sich anpassen.
GAL Sports: Ihr habt fast die ganze Saison über immer zwei Spiele pro Woche gehabt. Kann das ebenfalls ein Vorteil sein, da in der Postseason auch mehrmals die Woche gespielt wird und der entsprechende Gegner diese Belastung nicht gewöhnt ist?
Vargas: Ja, ich denke in jedem Fall, dass das ein Vorteil ist. Wir sind die Belastung gewöhnt. Das wird keine große Umstellung für uns sein. In den letzten Wochen war es sogar eher ungewohnt nur ein Spiel zu haben. Deshalb ist es schön jetzt wieder im alten Rhythmus zu sein.
GAL Sports: Die Kehrseite davon ist, dass ihr schon sehr viele Partien absolviert habt. Bekommst du da langsam müde Beine gegen Ende der Saison oder bist du noch topfit?
Vargas: Natürlich ist man nicht so topfit wie am Anfang, aber ich denke wir sind alle gut in shape. Wir haben einen sehr guten Athletiktrainer, der uns gut darauf vorbereitet hat und wenn es in die Playoffs geht, dann kommt es eh zur schönsten Phase der Saison. Deshalb glaube ich nicht, dass dort viele müde sein werden.
GAL Sports: Du hast es ja bereits angesprochen. Ihr habt dieses Jahr schon gegen jedes Team der Beko-BBL gewonnen. Ist das vielleicht auch ein psychologischer Vorteil, zu wissen, dass man jedes Team schlagen kann?
Vargas: Ja, aber ich denke eher, dass sich andere Teams Gedanken machen müssen, ob sie uns schlagen können als ob wir sie, denn wir wollen immer gewinnen egal wer der Gegner ist und ich glaube wie gesagt, dass es schwierig ist für Teams nach Berlin zu kommen und zu wissen, dass hier so gut wie nichts zu holen ist. Aber auch wenn wir auswärts spielen, ist es schwer uns zu besiegen.
GAL Sports: Defensiv gehört ihr bekanntermaßen zu den besten Teams der Liga, wenn ihr nicht sogar die beste Verteidigung seid. Kann man in den Playoffs eine noch höhere Intensität erwarten?
Vargas: Ich hoffe doch sehr. Ich hoffe natürlich, dass die Stimmung den Funken noch etwas mehr überspringen lässt. Ich glaube, dass wir immer noch viele kleine Fehler machen in der Verteidigung. Also nicht immer alle fünf Spieler zusammen ausboxen oder nach dem Ball springen. Ich denke, dass sind Sachen, die müssen in den Playoffs auf jeden Fall passieren. Dann werden wir auch weiterhin defensiv die beste Mannschaft sein.
GAL Sports: Nun habt ihr alle vier Spiele ohne Topscorer David Logan gewonnen, kann man das mit der großen Ausgeglichenheit des Kaders begründen?
Vargas: Ich denke schon. Wir haben da ja mit Reggie und Vojdan zwei Leute auf dem Flügel, die immer sehr gut spielen, wenn David gerade nicht da ist. Aber auch Alex, ich und die Anderen geben ihren Teil ins Team mithinein. Ja, ich denke wir haben einen tiefen Kader, in dem jeder spielen kann und das beweisen wir immer wieder.
GAL Sports: Mal weg von den Playoffs. Wenn ein ganz normales Heimspiel ansteht, wie kann man sich dann deinen Tagesablauf vorstellen?
Vargas: Ich frühstücke immer ausgiebig morgens, bevor ich in die Halle gehe. Meistens komme ich eine halbe Stunde früher und treffe mich mit unserem serbischen Assistant-Coach Milenko Bogićević. Wir machen dann noch ein paar Wurfdrills, bevor der Rest der Mannschaft da ist. Shootaround und Walkthrough. Wir schauen noch etwas Video vom Gegner. Dann geht’s zum Mittagsessen, meistens mit Jonas, danach nochmal heim, wo ich noch ein bisschen Game-Film schaue. Im Besonderem die Spieler, die ich verteidigen werde, damit es nachher nützt zu wissen, was sie tun, wenn sie den Ball mal nicht in den Händen haben. Schließlich noch ein kleiner Nap und einen Snack und dann geht’s auch schon wieder in die Arena.
GAL Sports: Wie ist es denn so mit dem Training während der Saison? Probiert ihr noch neue Dinge aus oder geht es vor allem darum das bereits Gelernte zu perfektionieren?
Vargas: Ne, wir haben da schon viele Umstellungen. Wir gucken uns immer die Tapes von dem ersten Spiel an, dass wir gegen den jeweiligen Gegner hatten und analysieren, was hat gut funktioniert, was eher nicht. Mit Mikica, Mauro und Sasa haben wir drei Trainier, die da wirklich ins Detail gehen und sehr gut ausarbeiten, was wir verbessern müssen. Also wie wir vielleicht den Block oder einen Cut verändern müssen. Im Grunde sind es all die kleinen Dinge, die uns am Ende hoffentlich erfolgreicher abschließen lassen.
GAL Sports: Kommen wir etwas näher zu dir. Wo siehst du in Berlin denn den größten Unterschied zu deinen früheren Stationen?
Vargas: In erster Linie ist es natürlich die Größe. Tübingen war eine Studentenstadt, Göttingen zwar etwas größer aber auch eine Studentenstadt und in meiner Heimatstadt Heidelberg sieht es in diesem Bezug sehr ähnlich aus. Also ja, es ist wohl die Metropole Berlin, ich denke aber ich habe mich ganz gut daran gewöhnt.
GAL Sports: Für dich werden es in ein paar Wochen die ersten Playoffs in der Beko-BBL sein. Wie würdest du dieses Gefühl beschreiben?
Vargas: Es ist natürlich ein tolles Gefühl, aber ich denke, das ist nur ein kleiner Teil von dem ganzen Tollen, was ich bis jetzt mitnehmen durfte, seitdem ich bei Alba bin. International spielen, Pokal spielen und dann gleich gewinnen. Die Playoffs sind da natürlich nochmal ein Highlight.
GAL Sports: Letztes Jahr wurdest du bereits als Youngster des Jahres in der ProA ausgezeichnet. Diese Saison hast du nochmal einen großen Schritt nach vorne gemacht. Inwiefern rechnest du dir nun Chancen auf einen Platz in der Nationalmannschaft im Sommer aus?
Vargas: Letztes Jahr habe ich noch abgesagt, da ich nicht wie Jonas zur A2 und dann gleich zur A1 wollte, um mich dort zu präsentieren. Ich wollte meine individuelle Arbeit nicht vernachlässigen. Deshalb kam ich früher nach Berlin. Ich habe mit Frank (Menz) diese Saison schon häufiger gesprochen, er war ja auch schon öfter hier. Er meinte, es gefällt ihm, was ich bis jetzt mache, und dass wir uns demnächst mal zusammensetzen und das Ganze genauer bereden. Die A1-Nationalmannschaft ist, glaube ich, für jeden Spieler ein Thema, genauso auch für mich. Daher hoffe ich, dass die Einladung diesen Sommer kommt.
GAL Sports: Deine Karriere begann in Ehingen an der Urspringschule. Verfolgst du die Ergebnisse deiner alten NBBL-Truppe noch? Die sind auch nur noch einen Sieg vom Top4 und somit möglicherweise der sechsten Meisterschaft entfernt. Wie man so hört, soll das Zusammengehörigkeitsgefühl der Urspringer ja sehr stark sein.
Vargas: Ja, doch in jedem Fall. Ich habe ja auch ein Tattoo auf meinen Rippen, das das Internat angeht und dass die Jungs nun einen Sieg vom Top4 entfernt sind, ist schön aber für dieses Internat nichts Besonderes, denke ich, weil es eben sehr erfolgreich ist und es zählt für Urspring auch immer nur der Titel. So wird es auch dieses Jahr der Fall sein und ich drücke den Jungs in jedem Fall fest die Daumen, dass das klappt.
GAL Sports: Abschließend nochmal zu einer Aktion vom Spiel gegen Artland. Dort wurdest du von Njei unsportlich gefoult, wie es die Schiedsrichter entschieden haben. Nach seinem anschließenden Schubser wurde der Quakenbrücker disqualifiziert. Wie bewertest du die Situation und die Entscheidung der Referees?
Vargas: Mein Eindruck ist, dass ich zum Korb gehe und zwei Punkte machen will. Njei foult. Ich fand, das war ein hartes Foul und ich denke, was die Unparteiischen entscheiden, entscheiden sie halt. In diesem Fall geht das okay. Ob man das nun so hätte pfeifen müssen, weiß ich nicht. Ich hab mir das Tape davon nicht angeguckt. Was danach passiert ist, den Schubser habe ich selber gar nicht mehr mitbekommen, weil ich mit meinem Rücken und Ellbogen beschäftigt war, die einfach wehgetan haben. Ich hab gehört, dass Jan wohl versucht hat, mich dort zu beschützen, weil schon ein, zwei Spieler kamen. Ich denke, es ist nicht in Ordnung, dass Jan jedes Mal ein Technisches Foul kriegt. Es ist schon etwas auffällig, dass es für ihn immer ein T gibt, sobald er dort in der Nähe ist. Die restlichen Entscheidungen gehen meiner Meinung nach klar.
GAL Sports: Inzwischen ist aber, was deinen Körper angeht, wieder alles in Ordnung?
Vargas: Ja, der Rücken ist noch etwas geprellt, aber sonst ist alles okay.