Combine in yourself the dove and the serpent, not as a monster but as a prodigy.
Balthasar Gracian | Aphorism 243
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Balthasar Gracian | Aphorism 243
029 · Handorakel · Rechtschaffenheit
029 · Handorakel · Rechtschaffenheit · Balthasar Gracian
Wir sollten immer versuchen rechtschaffene Menschen zu sein und uns stets auf die Seite der Wahrheit begeben. Wer mit solchen Vorsätzen lebt, dass ihn weder falsche Leidenschaften der Massen, noch die des jeweiligen Zeitgeistes vom rechten Weg abbringen, wird die Grenzen des Rechts nicht überschreiten. Aber wer ist das schon ganz, ganz rechtschaffend? Mitnichten alle! Zwar rühmen sich viele auf der Seite von Recht und Gesetz zu stehen, doch verfolgen sie in Wirklichkeit nur ihre eigenen Interessen, Ideologien oder persönliche Angelegenheiten des Vorteils wegen und billigen anders Denkenden keine Daumenbreite das gleiche Recht zu. Zudem denken diese Menschen auch meistens noch, diejenigen unermüdlich mit Wort und Tat bekämpfen zu müssen, die nicht ihrer Meinung sind. Andere wiederum beschreiten zwar auch nach Außen hin den Weg der Rechtschaffenheit, aber das auch nur ansatzweise und nur bis zu einem bestimmten Punkt, der gerade noch ungefährlich ist und keinen Schritt weiter. Als Ausrede für ihre Abkehr dient ihnen oftmals die sogenannte vermeintliche Falschheit der anderen oder auch nur eine verkommene Gesellschaft oder falsche Politik. Der rechtschaffene Mensch aber sieht jede Verstellung für falsch und für Verrat an und hält an seinen wahrheitssuchenden Grund- und Vorsätzen fest. Stets ist er dort zu finden, wo sich auch die Wahrheit befindet. Fällt einmal doch ein rechtschaffener Mensch von seiner Partei ab, dann nicht aus Wankelmut oder fehlender Überzeugung, sondern weil sich nicht er selbst sondern die Partei von der Wahrheit, dem Recht oder dem Gesetz entfernt hat. 029 · Handorakel · Rechtschaffenheit · Balthasar Gracian · Wahrheit Read the full article
028 · Handorakel · In nichts gemein
028 · Handorakel · In nichts gemein · Balthasar Gracian · Weisheit
In nichts gemein: Erstlich, auch nicht im Geschmack. Oh des großen Weisen, den es niederschlug, dass seine Sache der Menge gefiel! Ein griechischer Redner fragte einst, als das Volk ihm Beifall zurief, betroffen seine Freunde: »Habe ich etwas Verkehrtes gesagt?« Gemeiner Beifall in Fülle gibt dem Verständigen nämlich kein Genügen. Manche sind nämlich solche Chamäleons der Popularität, dass sie ihren Genuss nicht in den sanften Anhauch Apollos, sondern in den Atem des großen Haufens setzen. Zweitens, nicht im Verstande: man finde kein Genügen an den Wundern des Pöbels, dessen Unwissenheit ihn nicht über das Erstaunen hinauskommen lässt: während die allgemeine Dummheit bewundert, deckt der Verstand des Einzelnen den Trug auf. 028 · Handorakel · In nichts gemein · Balthasar Gracian · Weisheit Read the full article
027 · Handorakel · Intensive und Extensive
027 · Handorakel · Intensive und Extensive · Balthasar Gracian
Vollkommenheit besteht nicht in der Quantität, sondern in der Qualität. Sie zeigt sich nicht im Extensiven, sondern im Intensiven. Vortreffliches ist stets wenig und selten. Masse und Menge einer Sache hingegen wird eher geringschätzig betrachtet. Unten Menschen sind Riesen oftmals auch nur Zwerge. Diese schätzen zum Beispiel Bücher mehr nach ihrer Dicke als nach ihrem Inhalt. Es scheint bei ihnen auch, als wenn sie mehr ihre körperliche Kraft als ihre geistigen Fähigkeiten üben wollten. Extensives allein führt nie über eine gewisse Mittelmäßigkeit hinaus. Daher ist es ein Leiden universell denkender Menschen, dass sie, um in allem zu Hause zu sein, es nirgends sind. Alles Intensive, woraus jegliche Vortrefflichkeit entspringt, ist eine erhabene Gattung. 027 · Handorakel · Intensive und Extensive · Balthasar Gracian · Vollkommenheit Read the full article
026 · Handorakel · Suggestion
026 · Handorakel · Suggestion · Balthasar Gracian · Weisheit
Es ist eine Kunst, die Daumenschraube eines jeden zu finden und dessen Willen in Bewegung setzen zu können. Es gehört aber auch viel Geschick dazu. Um das Ganze verwirklichen zu können, muss man wissen, wie und wo einem anderen beizukommen ist. Es gibt nämlich keinen Willen, der nicht einen eigentümlichen Hang hätte, welcher nach der Mannigfaltigkeit des Geschmacks aber auch sehr verschieden sein kann. Alle Menschen sind irgendwie Götzendiener, die einen mehr, die anderen weniger, einige der Ehre, andere des Interesses, die meisten aber des Vergnügens wegen. Der Kunstgriff besteht nun darin, dass man diesen Götzen des Menschen ausfindig macht, um mittels desselben die Person selbst bestimmen zu können. Hat man dies in Erfahrung gebracht, so ist es, als hätte man den Schlüssel zu seinem Willen bekommen. Zu Beginn muss man auf die Erste Ursache, oder das »primum movens« im Menschen, zurück gehen, welches aber nicht immer das Höchste seiner Natur, sondern meistens das Niedrigste in ihm ist. Leider gibt es mehr schlechte als wohlgeordnete Gemüter in dieser Welt. Sodann hat man sein Gemüt zu bearbeiten, ihm durch ein Wort oder deren mehrere den Anstoß zu geben, um endlich durch seine Lieblingsneigung dann zum Ziel zu gelangen. Auf diese Weise ist fast jeder freie Wille irgendwie schachmatt zu setzen. 026 · Handorakel · Suggestion · Balthasar Gracian · Weisheit · Daumenschrauben Read the full article
025 · Handorakel · Winke verstehen
025 Handorakel · Winke verstehen · Balthasar Gracian · Rede
Einst war es die Kunst aller Künste, richtig reden zu können. Heute reicht das aber bei weitem nicht mehr aus. Erraten muss man heutzutage können, und zwar richtig, um jeglicher Täuschung zu entgehen. Wer sich leicht tut im Denken, wird auch mit Leichtigkeit jede Absicht erkennen, die sich hinter einer Angelegenheit verbirgt. Wer sich hingegen keine echte Mühe macht zu verstehen, wird weder das eine noch das andere richtig erkennen und nur zum Leid für sich selbst und für andere beitragen. Es gibt Schatzgräber der Herzen und Luchse der Absichten. Und anstatt Wahrheit, an welcher uns ja am allermeisten gelegen ist, zu erhalten, werden wir vom Gegenüber über eine Angelegenheit oft in Form einer wohl verpackten Lüge unterrichtet, oder wir erhalten gezielt einseitige Informationen, die wiederum auch nur die halbe Wahrheit beinhalten. Nur der aufmerksame Mensch, der sich immer und immer wieder die Mühe macht, auch über Hintergründe und Absichten nachzudenken, wird imstande sein, Täuschungen zu entgehen. Welche Winke uns auch erreichen mögen, immer stecken irgendwelche Absichten dahinter, gute oder böse. 025 · Handorakel · Winke verstehen · Balthasar Gracian · Rede Read the full article
023 · Handorakel · Ohne Makel sein
023 · Handorakel · Ohne Makel sein · Balthasar Gracian
Ohne Makel zu sein ist eine unerlässliche Bedingung zur Vollkommenheit. Es gibt nur wenige Menschen, die ohne irgendein Gebrechen sind. Viele leiden mehr oder weniger an physischen, psychischen oder auch an moralischen Gebrechen. Wie einfach aber könnte dieses oder jenes Gebrechen ganz leicht geheilt werden. Aber viele Menschen wollen das offensichtlich nicht. Sie ziehen es unverständlicherweise vor, mit Makeln zu leben. Mit Bedauern kann nur all zu oft festgestellt werden, dass Fehler, und sind es auch nur kleine, zwar oft keck aussehen und mitunter auch großartig überspielt werden, sich dem Ganzen dann doch nicht als nützlich erweisen. Ein Sprichwort sagt: »Sogar eine kleine Wolke ist imstande, die ganze Sonne zu verdunkeln.« So geschieht es mitunter, dass uns unsere kleinen Fehler von misswollenden Menschen, und die scheinen ja ein besonderes Auge dafür zu haben, immer und immer wieder vorgehalten werden, nicht nur um unser Ansehen zu schmälern, sondern uns auch zu demütigen. Von größter Geschicklichkeit wäre es daher, unsere kleinen Makel einfach in Zierden verwandeln zu können. Ähnlich der Art, wie Cäsar sein physisches Gebrechen (Kahlköpfigkeit) mit einem Lorbeerkranz zu bedecken wusste. 023 · Handorakel · Ohne Makel sein · Balthasar Gracian · Weisheit Read the full article