Wenn man sich bei dem, was man tut, an der Quantität orientiert, also an den Zahlen, hat man unweigerlich für das, was man tut, einen gefährlichen Maßstab eingeführt: den der messbaren Resonanz von anderen.
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Relevanz ist ja eine relative Angelegenheit. Sie ist keine objektive Eigenschaft einer Information, sondern ergibt sich erst aus der Wechselbeziehung zwischen einer Information und den Interessen und Wünschen anderer: Was für mich relevant ist, muss für jemand anderen nicht auch relevant sein.
Wahre Relevanz bemisst sich also nicht an Zahlen, sondern an der Passgenauigkeit dieses Scharniers: Ein Blogpost, der zwei Leute zum Umdenken anregt, ist objektiv „relevanter“ als einer, der zwanzigtausend in ihrer Meinung bestätigt.
Reichweite in Quantität zu messen ist 20. Jahrhundert. (…)
Heute ist das anders. Was für mich wichtig ist, wird mich finden. Auch wenn ich möglicherweise die einzige Person auf dieser Welt bin, für die das wichtig ist.
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Das Wichtige am Bloggen ist nicht die quantitative Verbreitung, sondern diese Qualität: Ich muss meine Ideen und Gedanken bloggen, denn nur so können diejenigen, für die das eventuell relevant ist, sie auch finden (das geht nämlich nicht, wenn ich es in meinem Kopf oder auf meiner Festplatte lasse). Deshalb bemühe ich mich auch, diesen Prozess des „Scharnierfindens“ zu befördern: Ich verlinke, ich vernetze, ich mische mich in Debatten ein, ich formuliere (hoffentlich) halbwegs verständlich etcetera. Aber erhöhen will ich damit nicht die Klickzahlen, sondern die „Scharnierfindungswahrscheinlichkeit“.