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Old Mill, Barry
The Best of all Battles to Fight
Carnoustie - A Town Of Golf
Wir hier bei TNGG haben uns eigentlich zum Ziel gesetzt nur Originalinhalte zu posten.
Dieses Mal konnten wir jedoch nicht umhin, ein ganz besonderes Fundstück zu teilen. „Carnoustie – A Town Of Golf“ ist ein fantastisches Juwel filmischer Erzählkunst, eine Fernsehantiquität vom feinsten.
Der Dokumentarfilm, vielleicht besser als filmischer Essay zu bezeichnen, stammt aus dem Jahre 1968 und ist eine Produktion der damaligen Grampian TV, die später ein Teil des schottischen Fernsehsenders STV wurde.
Das Script aus der Feder des Autors Patric Dickenson wurde mit musikalischer Untermalung von Alex Sutherland vom Regisseur Andrew Holmes verfilmt.
Er führt den Zuschauer zurück in eine Zeit, in der das Golfspielen auf einem Platz der Open-Rota noch erschwinglich war und in der noch einzelne Herren ganz selbstverständlich Plus fours zum Spiel anzogen. Damen spielten in knielangen Röcken und trugen Kopftücher, nicht aus religiösen Gründen, sondern weil sie schlicht einen praktischen Schutz gegen den ewig reißenden Wind an der Ostküste boten.
Junge Männer trugen gemusterte Pullover von Großmuttern gestrickt und schwarze Hosen im modischen James Bond Look, eng geschnitten und etwas zu kurz. Neben Pudelmützen in allen Formen und Farben, sehen wir Herren in flatcaps und Porkpie Hüten auf den Links, die gemessen an heute nachgerade rau und ungepflegt daher kommen. Die Schuhe waren im Vergleich elegant und einfach. Weitweg von der Turnschuh-Raumschiff-Mode unserer Zeit.
In ruhigen Bildern der Kameramänner Malcolm Campbell und David Drinkwater wird die Atmosphäre der späten 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in der kleinen, vom Golfspiel geprägten Stadt Carnoustie („...not golf mad, but golf sane!“) eingefangen und poetisch überhöht.
Die Farbe der Aufnahmen, meist bei grauem Himmel gefilmt, tendiert ins Monochrome. Mit beinahe existentialistischem Duktus geht der Text - vom Autor Dickenson selbst gesprochen - auf die Atmosphäre der Stadt und die Nuancen des dortigen Golfspiels ein.
Er beschwört die lange Geschichte der Links und erzählt von den großen Golfern, die Carnoustie hervorgebracht hat.
Passagen der Stille und der präzisen Beobachtung wechseln sich ab. Untermalt und konterkariert von der begleitenden Flöten- und Saxophonmusik eines eher schrägen, teils beat-getriebenen Soundtracks.
Ohne ein einziges mal einem golftypischen Kitsch zu verfallen, gelingt es den Machern, knapp 30 Minuten lang Einblicke in die Seele des Golfs und seiner Spieler zu werfen. Und trotz nicht weniger Vergleiche mit griechischen Tragödien und antiker Mythologie, bleibt die Erzählung stets leicht mit einer nicht zu überhörenden Prise Ironie gewürzt.
Besonders erwähnenswert sind die Aussagen der Interviewpartner über den berühmt berüchtigten Wasserlauf Barry Burn, der gerade auf den letzten Bahnen des als „Car-nasty“ von Amateuren und Pros gleichermaßen gefürchteten und bewunderten Platzes ins Spiel kommt.
Wenn diese Männer lachend über den Burn sprechen, ist es als redeten sie über ein lebendiges Wesen. Wie eine Inkarnation des Bösen, die nur darauf lauert, den Spieler ins Verderben zu locken, sei der Burn „terrifying“, ein „Monster“ und schlicht „terrible“.
Es klingt, als besäße das mauerbewehrte Flüsschen einen gefährlichen Charakter, der sich von Tag zu Tag ändert.
Als könne sich das Gewässer dem Spieler entgegenstellen, wie ein lebender, aktiver Gegner. Golf wird hier zum Kampf: Nicht nur gegen sich selbst, sondern gegen eine wehrhafte und animierte Natur. Eine kriegerische Auseinandersetzung.
In diesem Zusammenhang ist es auch nur selbstverständlich und folgt sowohl einer dramaturgischen, wie auch historischen Logik, dass der Film eine nicht unerhebliche Zeit damit verbringt, die Parallelität zwischen unserem Spiel und den ebenfalls seit Ewigkeiten auf dem dortigen Linksland stattfindenden militärischen Schießübungen aufzuzeigen.
Eine Art rasender Stillstand verbindet beide Tätigkeiten. Quasi aus dem Stand wird ein Projektil mit immenser Geschwindigkeit auf ein Ziel abgefeuert. In beiden Fällen muss dieses Ziel mit möglichst geringem Aufwand erreicht werden. Und es geht auch in letzter Konsequenz natürlich stets darum, den Gegner auszuschalten.
Krieg und Golf, zumindest Matchplay als Urform des Sports, ähneln sich dann doch mehr, als wir pazifistisch veranlagte Golfer vielleicht wahrhaben mögen. Ähnliche Wurzeln haben beide auf jeden Fall. Man erinnere sich in diesem Kontext auch an die frühen Golf-Jackets einiger Traditionsvereine, deren rote Farbe der damaligen Uniformmode entlehnt war.
Wer je in Carnoustie gespielt hat, wird das laute Krachen der nebenan abgefeuerten Scharfschützengewehre und die Maschinengewehrsalven, die die Stille zerreißen, immer in Erinnerung behalten.
Der Soundtrack eines der brutaleren Golfplätze der Welt ist historisch gewachsen und wohl gewählt.
Daran zumindest hat sich in den 50 Jahren seit Produktion des Films kaum etwas verändert.
„Carnoustie – A Town Of Golf“ ist ein heutzutage fast undenkbares Stück Fernsehen. Anspruchsvoll und langsam, philosophisch und dennoch unterhaltsam.
Er ist zudem ein historisches Dokument der ständigen Veränderungen, die auf unser Spiel einwirken und ein Blick in eine Vergangenheit, die so nicht mehr existiert. Gleichzeitig beschreibt er präzise vieles von dem, was auch heute noch für Golf von eminenter Bedeutung ist.
Wir wünschen gute Unterhaltung mit dieser wunderbaren Perle.