23.09.2021
Unser Keller wird von der Umbrella Corporation getrocknet.
Ich kontrolliere im Keller die Heizung. Die Kreisläufe brauchen ab und zu etwas zusätzliches Wasser, um auf Betriebsdruck zu kommen.
Dazu ist einen halben Meter neben dem Auffüllventil des Heizkreislaufs ein Wasserhahn an der Wand angebracht. Man kann beide mit einem dort bereit liegenden Schlauch verbinden, beide öffnen, und – es passiert diesmal nichts.
Ich schließe den Wasserhahn nochmal und öffne ihn wieder, ah, Wasser kommt. Nach wenigen Sekunden ist der erforderliche Druck erreicht, ich drehe beide Ventile wieder zu und entferne den Schlauch. Da er eine Verbindung zwischen einer Trinkwasserleitung und einer Leitung mit eher siffigem Heizungswasser herstellt, darf er nicht dauerhaft montiert sein.
Am nächsten Morgen stehen im gesamten Keller 5 cm Wasser. Aus dem Wasserhahn neben der Heizung plätschert es. Da das alles unterhalb des Niveaus des Abwasserkanals liegt, ist natürlich kein Waschbecken unter dem Hahn montiert. Ich wate zur Heizung und drehe den Hahn ab, diesmal so fest, wie ich einen auf die Wand geschraubten Wasserhahn eigentlich nie anfassen möchte.
Anscheinend war Dreck im Wasserhahn (Sand, Kalk, was so alles in einer Wasserleitung daher kommt) und hat zuerst den Hahn verstopft. Beim Schließen hatte sich wohl Dreck unter der Dichtung abgesetzt, der dann über Nacht vom Wasserdruck rausgespült wurde – plitsch platsch.
Ich wecke N., die erst später zur Arbeit muss, und wir retten die dreieinhalb Dinge aus dem Keller, die nicht auf Füßen stehen oder sich in wasserdichten Boxen befinden. Ich melde mich vom Homeoffice ab. Es ist 7:40 Uhr, bis ich beim Baumarkt bin, hat der auch geöffnet.
Ich kaufe die erste Klarwasserpumpe von einem Markenhersteller, die ich finde (ca. 90 €), und fahre nach Hause. Mit etwas Basteln montiere ich einen Anschluss für Gartenschläuche an die Pumpe, leite einen Schlauch von der Pumpe ins Gästeklo im Erdgeschoss und mit etwas Anlauf pumpt sie. Rund 90 Minuten später ist das Wasser raus und alles eher ein Fall für den Wischlappen.
Glaubt man zumindest als Laie.
Ich rufe unseren Versicherungsmakler an. Am besten sollte mal ein Fachmann für Bautrocknung drauf gucken, vielleicht sogar auf Versicherungskosten? Der Versicherungsmakler überlegt kurz und geht davon aus, dass es sich um einen versicherten Schaden handelt. Zwei Stunden später ruft ein Gebäudetrocknungsdienst an, am Montag kann ein Techniker vorbeikommen und “mal gucken”.
Der Keller ist inzwischen “trocken”, soll heißen: Die Fliesen. Der offene Estrich in der Waschküche ist noch feucht. Die untersten Mauersteine der Wände auch. Am Montag zerstreut der Bautrocknungstechniker meine Hoffnung, dass die Fliesen irgendwas verhindert hätten.
Estrich wird schwimmend verlegt, um Trittschall zu dämpfen. Dafür wird auf das Fundament und ringsum an den Wänden eine Dämmung (Styropor in unserem Fall) verlegt und der Estrich so gegossen, dass er keinen Kontakt mit Wänden oder Fundament hat. Das ist so Standard. Dadurch ist aber ringsum ein Schlitz zwischen Estrich und Wand, durch den das Wasser problemlos alle Hohlräume füllen konnte.
Der Mann von der Trocknungsfirma entfernt im großen Raum 5 und im kleinen Treppenhaus eine Fliese, bohrt virtuos ca. 5 cm dicke Löcher durch den Estrich, ohne dabei einen der Schläuche der Fußbodenheizung auch nur zu zerkratzen.
In einigen der Löcher steht noch Wasser.
Er baut einige Geräte auf, die mit dicken Schläuchen verbunden sind. Die Schläuche enden in einem Schlauchsystem, von dem in jedem der Löcher im Boden ein Schlauch endet. Schaltet man das Licht aus, fühlt man sich wie in der Halle der Umbrella Corporation in Resident Evil, wo die Container mit den Zombies stehen.
Der linke Stapel enthält (von unten nach oben) einen Wasserabscheider und eine Turbine. Die Turbine saugt Luft aus den Löchern im Boden an, der Wasserabscheider sorgt dafür, dass dabei angesaugtes Wasser nicht in die Turbine gelangt. Durch den Luftstrom wird aber auch die Feuchtigkeit aus dem Boden gezogen.
Im rechten Stapel läuft die von der Turbine ausgestoßene Luft zuerst durch einen HEPA-Filter, der Schwebstoffe entfernt, und dann durch einen Schalldämpfer.
Die Luft wird dann im Nebenraum ausgeblasen, dort steht auch ein Luftentfeuchter, der das aus der Luft entnommene Wasser in einen 20-Liter-Kanister befördert.
Ganz oben steht im rechten Stapel eine Box mit mehreren Steckdosen und einem Stromzähler. All diese Geräte verbrauchen sehr viel Strom und müssen 14-28 Tage ununterbrochen laufen. Alleine der Luftentfeuchter hat einen Verbrauch von rund 20 kW/h am Tag, was in drei Wochen mit 420 kW/h deutlich mehr als 10% unseres Jahresstromverbrauchs ausmacht.
Aber auch die Stromkosten werden von der Versicherung übernommen, daher der Zähler.
Wir haben jetzt den 19. Oktober, in ein paar Tagen soll die ganze Technik abgebaut werden. Der Kanister am Luftentfeuchter muss momentan nur einmal die Woche entleert werden (zu Beginn alle drei Tage) und das Hygrometer im Keller zeigt Luftfeuchtigkeit zwischen 35 und 37% an (anfangs über 60).
Wir werden weder die Abwärme noch das Rauschen der Maschinen vermissen.
Das Gute daran: Wir haben den Keller aufgeräumt und uns geschworen, zukünftig nichts mehr “erstmal” in den Keller zu räumen.
(Volker König)













