Der Mond schwamm auf der spiegelglatten, pechschwarzen Oberfläche des Teichs und die Sterne umkränzten ihn wie dereinst die Dornenkrone das blutige Haupt Jesu. Schon früh in meinem Leben hatte ich versucht, die Nacht in ihrem Theismus zu verstehen, das Dunkel des Himmels nicht als bloße Abstinenz von Licht zu werten und die Sonnenauf- und -untergänge als farbliche Interpretation des Höllensturzes. Kurzum, ich hatte die Bibel studiert, um in ihren Worten eine Daseinsberechtigung zu finden, doch kam einzig zu dem Ergebnis, dass sie sich bereits in ihren Anfängen ad absurdum führte.
„Da wurden ihrer beiden Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren“, heißt es im ersten Buch Mose, und während der Mensch glaubt, von Erkenntnis zu lesen, bleibt er blind. Denn in diesen wenigen kurzen Worten verzehrt Gott sich selbst. Der Garten Eden ist auf nicht mehr als eine Metapher zu reduzieren, die an irrtümlicher Interpretation krankt. Die Augen öffnen heißt nicht, auf Umwegen den Rückweg zum Paradies zu finden. Die Augen öffnen heißt, zu erkennen, dass das Paradies nicht existiert. Gott hat nicht den Menschen geschaffen, der Mensch schuf Gott. Und auf der Suche nach dem Paradies haben wir uns zwischen den Zeilen verlaufen.










