Warum sagen manche Iraner:innen zur Begrüßung immer zuerst „Wie geht es dir?“ statt einfach „Hallo“?
Das wirkt für viele im ersten Moment ungewohnt. Bei uns in Deutschland ist „Hallo“ oder „Guten Tag“ oft kurz und neutral. „Wie geht es dir?“ kommt eher danach – und manchmal auch nur, wenn man es wirklich wissen möchte.
Im Iran ist das anders.
Dort gehört „Wie geht es dir?“ ganz selbstverständlich zur Begrüßung dazu. Es ist kein zusätzlicher Satz, sondern ein fester Bestandteil des ersten Kontakts. Man sagt oft „Salam“ (Hallo) und direkt im Anschluss „Chetori?“ – also „Wie geht es dir?“.
Das bedeutet aber nicht, dass eine ausführliche Antwort erwartet wird.
Meist reicht ein einfaches:
„Gut, danke – und dir?“
Und damit ist die Begrüßung schon vollständig.
Der Hintergrund liegt in der Kultur. Im Iran spielt zwischenmenschliche Aufmerksamkeit eine große Rolle. Höflichkeit bedeutet dort nicht nur korrekt zu grüßen, sondern auch zu zeigen:
Ich nehme dich wahr.
Ich interessiere mich für dich.
Du bist mir nicht egal.
Dieses Verhalten ist Teil einer kulturellen Höflichkeitsform, die stark auf Respekt und Beziehung ausgerichtet ist.
Für deutsche Ohren klingt das manchmal persönlicher oder direkter, als es gemeint ist. Tatsächlich ist es aber einfach die normale, höfliche Art „Hallo“ zu sagen – nur etwas wärmer und zugewandter formuliert.
Kurz gesagt:
„Wie geht es dir?“ ist im Iran kein tiefes Nachfragen, sondern ganz einfach ein freundlicher Einstieg in die Begegnung.
Und vielleicht auch ein kleiner Hinweis darauf, wie unterschiedlich Nähe und Höflichkeit in verschiedenen Kulturen gelebt werden.










