Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht! Oder auch Wahlkampf in Bernau.
Das Wort Demokratie kommt aus dem Griechischem und bedeutet „Herrschaft des Volkes“. Der Grundgedanke der Erfinder: Das Volk versammelt sich auf dem Marktplatz und entscheidet direkt über politische Themen. Bei den heutigen Bevölkerungszahlen ist diese Praxis wohl nur schwer umsetzbar. Deshalb wählt das Volk in regelmäßigen Abständen auf Zeit Vertreter_innen, die bei Abstimmungen die Meinung des Volkes repräsentieren soll – also die Repräsentanten des Volkes. Solche Wahlen stehen auch im aktuellen Jahr wieder an. Auf verschiedenen Ebenen werden die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen Ihre Repräsentant_innen zu wählen. Während des sogenannten Wahlkampfes versuchen Politikerinnen und Politiker das Volk davon zu überzeugen, dass nur sie die Interessen am besten vertreten können und nur sie wirklich wissen, was die Meinung des Volkes ist. Das Wort Kampf kommt wiederum aus dem Leiteinischen und meint „eine Auseinandersetzung zweier oder mehrerer rivalisierender Parteien bezeichnet, deren Ziel es ist, einen Vorteil zu erreichen oder für das Gegenüber einen Nachteil herbeizuführen.“ (Wikipedia – auch wenn keine wissenschaftliche Quelle) Auch im aktuellen Wahlkampf gibt es mehrere Partein. Dazu gehören die AfD, BfB, BvB/Freie Wähler, CDU, die Grünen, die Linken, NPD (leider), die Partei, die Piraten und die SPD. Da laut der Definition nur Parteien einen Vorteil erlangen können, die an der der Auseinandersetzung beteiligt sind, steht der Verlierer schon fest: das Volk.
Na gut, einige dieser genannten Parteien versuchen die Bürgerinnen und Bürger mit an der Auseinandersetzung zu beteiligen und schreiben sie einfach mit auf die Liste oder befragen sie dort wo sie die meiste Zeit verbringen: bei Facebook. Wieder andere versuchen mit alkoholischen Getränken und Finger Food zu überzeugen und in persönlichen Gesprächen das Volk nach den Belangen zu fragen. Wurde durch diese repräsentativen Umfragen nun die Meinung der Bürgerinnnen und Bürger empirisch untersucht, werden die Ergebnisse in so genannte Wahlprogramme geschrieben. Da sich niemand in einer 100-seitigen wissenschaftlichen Forschungsarbeit über die Herangehensweise und die Ergebnisse informieren möchte, werden die Ergebnisse auf kleine Wortgruppen zusammengefasst und auf Wahlplakate gedruckt. Hier sind unterschiedliche Herangehensweisen zu beochbaten. Einige versuchen sich an Photoshop, wieder andere versuchen besonders authentisch zu sein und benutzen Schnappschüsse aus dem Alltag die nicht gestellt sind und dann gibt es noch die, die sich sagen „Never change a runnig system“ – Wir gestelten unsere Plakate einfach so wie vor 20 Jahren. Dass seit Wochen junge Menschen für den Klimaschutz demonstrieren, scheint dabei wohl niemanden zu interessieren. Denn das Volk bekommt von den anstehenden Wahlen nur mit, wenn an wirklich jeder Laterne Wahlplakate ausgehangen werden. Einigen Parteien liegt hier die Barrierefreiheit besonders am Herzen. Denn die Plakate werden über die komplette Höhe der Laternen verteilt. So haben Kleinwüchsige, Menschen im Rollstuhl und auch Riesen (die einen großen Teil der Bevölkerung ausmachen) die Chance, die Forschungsergebnisse zu lesen.
Doch was ist es denn, was die Bürgerinnen und Bürger so beschäftigt? Der 10-min S-Bahn Takt (manchen ist das Verkehrsmittel auch egal – Hauptsache 10min Takt), ein Schwimmbad (nur Spaß darf man dort nicht haben), Bürgerbeteiligung (am besten dort, wo die Leute sich aufhalten – „vor ihrem Smartphone“), bezahlbaren Wohnraum (aber nicht zu viel) oder auch freies WLAN für alle. Zum Glück haben die Parteien ihre Forschungsergebnisse untereinander geteilt und es steht fest – egal wen Frau oder Mann wählt, danach leben die Bernauerinnen und Bernauer in einem Paradies, wo alles genauso ist wie sie es sich vorgestellt haben.
Im Land Brandenburg können wir besonders stolz darauf sein, dass auch junge Erwachsene zur Wahl gehen können und ihrer Vertreter_innen benennen dürfen. Denn schließlich wurden auch sie bei der empirischen Untersuchung berücksichtigt – oder vielleicht doch nicht? Auf die Liste darf man sie nicht schreiben (da zu jung) und auf Facebook erreicht man sie auch nicht (da sind nur noch die Eltern), auf Instagram sind nur die wenigsten Parteien (und die haben es nicht verstanden) und auf TikTok ist niemand zu finden. Egal – dann müssen sie sich halt mit den Wünschen der Erwachsenen zufrieden stellen. Die wissen es schließlich eh am besten. Da ist es auch sinnlos auf die Fragen zu antworten, die der Landesjugendring mühevoll zusammen mit den Erstwähler_innen erarbeitet hat. „Wir denken uns einfach noch schnell was aus“, dachten sich einige. Uploadfilter will bestimmt niemand haben. Dafür interessieren sich junge Menschen nicht für den Datenschutz. Deshalb können wir ihnen auch einfach personalisierte WALwerbung schicken und sie freundlich darauf aufmerksam machen, dass sie zu den Erstwähler_innen gehören. Nur für den Fall, dass das Wahlbüro der Stadt vergessen hat sie zu erinnern.
Am Ende ist dieser Wahlkampf nicht anderes als ein Schwanz(bzw. Brüste-)vergleich und es ist fast (nur Parteien die mit A oder N beginnen sollte man nicht wählen) egal wen man wählt. Nach der Wahl ist vor der Wahl und alles ist wie immer. Doch es ist nicht egal OB man wählen geht. Denn "Mit dem Wählen ist es wie mit dem Zähneputzen: beides dauert drei Minuten. Aber wenn man nichts macht, wird alles braun." (Burkhard Lischka)