Herzenssache Goslar: Lattemann-Meyer
Diese Frau ist erfrischend, erfrischend jung im Kopf. Und dabei doch mit so viel Lebenserfahrung ausgestattet.
Eine große Frau und doch nur - ich denke 165 cm - lang.
Ich schätze Frau Lattemann sehr.
Und zwar nicht nur, weil sie meine Vor-, Vor-, Vorgängerin im Amt als Oberbürgermeisterin der Stadt Goslar war.
2x war sie ehrenamtliche Oberbürgermeisterin der Stadt, und zwar von 1983 bis 1986 und dann noch einmal, von 1991 bis 1996.
Hier mal ein Überblick zu den Oberbürgermeistern seit 1980 (Quelle Wikipedia):
· 1981–1983: Herbert Werner (CDU)
· 1983–1986: Marta Lattemann (CDU)
· 1986–1988: Helmut Sander (SPD)
· 1988–1991: Jürgen Paul (SPD)
· 1991–1996: Marta Lattemann-Meyer (CDU)
· 1996–2001: Otmar Hesse, ehrenamtlich (SPD)
· 2001–2006: Otmar Hesse (SPD)
· 2006–2011: Henning Binnewies (SPD)
· seit 2011: Oliver Junk (CDU)
Ich schätze Frau Lattemann-Meyer aber auch deshalb, weil sie mir in den vergangenen Jahren stets eine gute und kluge Ratgeberin war und auch weiterhin bleiben wird.
Vor einigen Wochen habe ich mir gerne wieder die Zeit genommen und habe Frau Lattemann-Meyer in Ihrem Hotel – genauer gesagt in Ihrem Wohnzimmer im Hotel - in Hahnenklee besucht.
Einfach mal wieder plaudern - das war meine Idee.
Und ich hatte mich vorbereitet, hatte alte Zeitungsberichte dabei. Damit habe ich Frau Lattemann-Meyer konfrontiert und aus meinem geplanten Besuch von “gut einer Stunde” im Wohnzimmer sind dann über drei Stunden geworden.
Es war schön, es war bereichernd, es hat mir wirklich sehr viel Freude gemacht. Vielen Dank Liebe Frau Lattemann-Meyer.
Befragt nach Ihrem Gesundheitszustand sagte sie zu mir:
„Die Klappe ist noch gesund! – das reicht!“
Seit 1964 betreibt sie ein Hotel in Hahnenklee, im Jahr 1987 hat sie ein zweites, großes Hotel, den „Hahnenkleer Hof“, dazu gekauft.
Aber Frau Lattemann war und ist nicht nur erfolgreiche Unternehmerin in Hahnenklee, sie war auch immer politisch interessiert und engagiert. Und als Frau war das war vor 40 Jahren nun wirklich nicht so selbstverständlich wie heute.......
Ihre ehrenamtliche politische Arbeit hat sie in Hahnenklee begonnen, im Ortsrat.
Aber schon kurze Zeit später, 1975, rückte sie in den Rat der Stadt Goslar nach.
1983 dann der Karrieresprung. Sie wurde Oberbürgermeisterin.
Der damalige Oberbürgermeister der Stadt Goslar, OB Herbert Werner, war im Amt verstorben.
„Mein politischer Lehrmeister!“ erzählt mir Frau Lattemann.
Und auf Vorschlag von Uwe Schwenke de Wall setzte sich Frau Lattemann in einer Kampfabstimmung in der Fraktion durch und wurde durch die CDU Fraktion nominiert. Fraktionsinterne Gegenkandidaten waren damals – so wird es mir jedenfalls aus anderen Quellen überliefert - Werner Specht und Annelies Tschupke .
Gewählt wurde der Oberbürgermeister damals im Rat, nicht durch die Bevölkerung.
Hintergrund: In Niedersachsen gab es bis in das Jahr 2000 die sog. Norddeutsche Ratsverfassung.
Oberster Repräsentant der Stadt Goslar war der Oberbürgermeister, allerdings ehrenamtlich. Verwaltungschef war der Oberstadtdirektor, ein Wahlbeamter. Beide Positionen wurden durch Ratsentscheidungen besetzt.
Im Jahr 2000 wurde sodann auch in Niedersachsen die sog. Süddeutsche Ratsverfassung eingeführt, die inzwischen in der Bundesrepublik Deutschland vorherrschend ist. Oberster Repräsentant und Verwaltungschef ist der Oberbürgermeister, direkt gewählt durch die Bevölkerung.
Otmar Hesse war 2001 dann der erste direkt durch die Bevölkerung gewählte hauptamtliche Oberbürgermeister der Stadt Goslar.
Zurück ins Jahr 1983. Frau Lattemann wurde durch den Rat gewählt.
Das war damals schon eine Sensation im politischen Niedersachsen.
Frau Lattemann war schnell bekannt in Hannover, auch überregional in den Medien vertreten. In der BUNTEN und der SZ habe ich Artikel gefunden.
Artikel aus der SZ und der BUNTEN
Ihr politischer Freund wurde in den 1980er Jahren der damalige CDU Generalsekretär Hasselmann: „Die Lattemann weiß am Abend noch das, was sie am Morgen gesagt hat!“ soll er gesagt haben.
„Was war besonders spannend ?“ habe ich Frau Lattemann bei meinem Besuch gefragt.
„Die Schließung des Erzbergwerks Rammelsberg war ganz sicher die bewegenste, schmerzlichste Erfahrung in meinem politischen Leben.“ erinnert sich Frau Lattemann-Meyer und verweist auf den ökumenischen Gottesdienst auf der Pfalzwiese mit über 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „2.700 Arbeitsplätze waren durch die Schließung betroffen!“ erzählt sie mir.
Frau Lattemann-Meyer wurde dann im Herbst 1986 durch Helmut Sander abgelöst, da die CDU ihre Mehrheit im Rat der Stadt Goslar verloren hatte.
Aber 1991 konnte sie das Oberbürgermeisteramt erneut erobern. In der Sitzung des Rates vom 05.11.1991 wurde sie gewählt.
Ganz sicher hätte sie sich gefreut und viel Freude daran gehabt, dass Oberbürgermeisteramt auch nach 1996 weiter auszuführen, aber das Berufsleben und Privatleben war ihr wichtiger.
“Mein Ehemann war damals gesundheitlich angeschlagen, ein großes Hotel in Hahnenklee war zu führen!” so erzählt sie mir.
Deshalb entschied sie sich, nicht wieder für den Rat zu kandidieren.
Aber Frau Lattemann-Meyer ist ein Mensch, der genauso gerne nach vorne blickt. Wie geht es weiter mit dem Tourismus im Harz, in Hahnenklee?
„Es geht voran in Hahnenklee und es geht weiter. Und gewiss leben wir in Hahnenklee auch in Zukunft von unseren Gästen. Wie soll man denn auch sonst leben in Hahnenklee und Bockswiese? Ja, der Ostharz ist uns touristisch davongezogen.“ sagt sie. “Aber ist es denn ein Wunder? Im Westharz ist die Zonenrandförderung ausgelaufen. Gleichzeitig wurde in Sachsen-Anhalt eine erhebliche Förderung für touristische Projekte durch die Landesregierung in Magdeburg auf den Weg gebracht.”
Heute ist auch das vorbei. Die Förderungen sind ähnlich, im Ostharz kommt die eine oder andere touristische Infrastruktur auch in die Jahre. “Der Westharz holt auf. Und Hahnenklee muss weiterleben und wird es auch!” sagt sie.
“Wie sieht Hahnenklee in 10 Jahren aus?” habe ich Frau Lattemann-Meyer gefragt.
Sie sieht die Luft, die Natur, als zentrales Thema. „Aber wir müssen wieder stärker als intakter und gepflegter Ort wahrgenommen werden!“ mahnt sie mich.
Und sie erklärt mir, dass sich der Tourismus gewandelt hat. Und darauf müssen sich eben auch die Gastgeber einstellen: „14 Tage Urlaub macht heute keiner mehr. Nur noch die Menschen zwischen 60 und 85!“ so Frau Lattemann, aber: „Immer mehr junge Menschen kommen in den Harz. Oft, aber eben kürzer. Und die Kaufkraft ist entscheidend. Wir brauchen die, die zum Abendessen auch eine Flasche Wein kaufen!“
So sehe ich das auch, liebe Frau Lattemann-Meyer, jeder Euro, der in Hahnenklee und Bockswiese investiert wird, ist ein wertvoller Euro, weil er Nachfolgeinvestitionen motiviert.
Kaufkraft muss in den Ort - das ist der Schlüssel für die Neuansiedlung eines Nahversorgers, der Schlüssel für die Ansiedlung von Handel, der Schlüssel für die Erweiterung von Gastronomie.
Und noch ein Wort: Da wird zu oft kritisiert in Hahnenklee (als ob die Kritik von außerhalb nicht schon ausreichen würde); der eine kritisiert die Entwicklung auf dem Bocksberg; ein anderer findet die Wanderer langweilig (weil die angeblich uralt sind und kein Geld in der Tasche hätten - stimmt beides nicht!). Ich habe eine deutliche Meinung: Lasst doch einfach jeden das machen, was er an Freizeiterlebnis und Urlaubserlebnis in Hahnenklee erleben möchte. Ist es nicht gut, dass die Interessen auseinandergehen? Die Wanderwege haben genauso die Berechtigung, wie die Entwicklung auf dem Bocksberg auch.
Und genau diese Haltung sollten auch alle Verantwortlichen in Hahnenklee jetzt einnehmen, wenn wir an die Entwicklung von Kurhaus/Kurmittelhaus und den Kuttelbacher-Teich gehen wollen. Bitte nicht gleich (wieder) zerreden und Risiken sehen! Zuerst die Chancen betrachten.
“Hahnenklee braucht Entwicklung!” - bin ich mir mit Frau Lattemann-Meyer einig.















