“In fünf Jahren wird keiner mehr rappen” - Kommentar zu RAF Camora
In einem Interview mit BR-Puls, das am 27.01.17 veröffentlicht wurde, sagte RAF Camora:
“In fünf Jahren wird keiner mehr rappen, sondern jeder wird nur noch singend rappen. Kein Sprechgesang, nur noch Autotune.”
(Das Interview ist hier verlinkt.)
Warum ich mich dazu jetzt speziell äußere ist ganz einfach. Ich habe großen Respekt vor RAF, sei es nun in seiner Rolle als Produzent oder Rapper. Allerdings muss ich sagen, dass ich schon von den ganzen Palmen aus Plastik-Sachen nicht richtig abgeholt wurde.
Klar sind die Songs gut produziert, gehen super ins Ohr und haben diesen Erfolg wohl verdient.
Deswegen muss ich auch sagen, dass es mir mit diesem Kommentar nicht darum geht RAF, Bonez, Palmen aus Plastik, Trap oder Cloud Rap schlecht zu reden.
Auf RAF bezogen feier ich jedoch persönlich keinen Song von Palmen aus Plastik so sehr, wie ich beispielsweise Schwarze Sonne gefeiert habe und immer noch feier. Zwar ist der Beat im Vergleich nicht so komplex und geht nicht so sehr nach vorne. Jedoch hat dieser Song einfach eine tolle Thematik, bringt durch die Features von Prinz Pi und Vega eine tolle Kombination aus Künstlern zusammen und ist voller Gesellschaftskritik. Mit dieser Konzept-Umsetzung kann ich persönlich einfach mehr anfangen.
Doch warum erzähle ich jetzt davon, weswegen ich beispielsweise diesen Song besser finde? Ganz einfach, weil dieser Song relativ wenig von dem aufweißt, was RAF für deutschen Rap prophezeit. Weniger Autotune, weniger gesungene Passagen, mehr “richtiger Sprechgesang”, als bei Palmen aus Plastik.
Und auch 2016/17 gab es so einige tolle Releases, die gezeigt haben, dass im deutschen Rap viel mehr geht, als nur 808-Drums, Synthesizer und Dancehall-Beats. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist der Produzent Dexter, der nicht nur den 2011 erschienen Song Blut sehen (Die Vergessenen Pt.2) für Casper, sondern auch 2016 in Zusammenarbeit mit Fatoni das Album Yo, Picasso! produziert hat. Ganz viele seiner Boom-Bap- Beats sind aus Samples gebaut und man kann schon fast hören, wie viel Herzblut darin steckt.
Ein weiterer Künstler, welcher wohl noch relativ am Anfang seiner Karriere steht, aber dennoch nicht auf den Trap-Hype-Train aufspringt, ist Credibil. Klar findet man auch auf seinem Debüt-Album Renæssance die ein oder andere gesungene Passage, doch er macht ziemlich guten “klassischen” Rap. Alleine die Tatsache, dass genau dieser Rapper sich gerade seinen Ruf macht, zeigt doch, dass man auch ohne Trap-Musik zu machen Erfolg im Deutschrap haben kann.
Klar könnte ich jetzt ewig aufzählen, welche guten Gegenbeispiele es für eine solche Aussage gibt. Ich könnte mich von Goldroger’s Album AVRAKADAVRA, welches von Dienst&Schulter produziert wurde, über Keno’s Paradajiz Lost, bis hin zu alt eingesessenen Rappern wie Audio88&Yassin, die mit Hallelujah mal wieder ein wunderbares Album hervorgebracht haben, durch die Szene arbeiten. Doch ich denke ihr begreift worauf ich hinaus will.
Ich möchte gar nicht behaupten, dass an seiner Aussage nicht auch etwas dran ist. Die ganze Trap-Richtung wird sich voraussichtlich noch mehr in die Cloud Rap Richtung bewegen. Das ist wohl einfach der Tatsache zu verschulden, dass mittlerweile jeder zweite denkt, er müsse Trap machen.
Doch was man nicht vergessen darf ist, dass durch den ganzen Hype, den Deutschrap in den letzten Jahren erfahren hat, es wohl eher zu erwarten ist, dass er sich in Zukunft wohl noch mehr in weitere und klarer definierte Sub-Genres aufteilen wird. Es kann gut sein, dass der Sound, den RAF und Bonez MC mit Palmen aus Plastik vorgelegt haben, eine Blaupause für vieles für den zukünftigen, deutschen Rap-Mainstream bilden. Aber auch hier gibt es einige Leute, die dort (hoffentlich) nicht mitlaufen werden. Denn ich persönlich möchte nicht hören wie K.I.Z. umdenken und plötzlich Cloud Rap machen. Oder kehren wir näher zum Ausgangspunkt zurück.. Bin ich alleine mit der Meinung, dass die Stimme von RAF’s altem Weggefährten Chakuza nicht unbedingt für Autotune geeignet ist und durch ihren eigenen Klang glänzt?
Wenn ich mich fünf Jahre in die Zukunft versetze, so hoffe ich darauf, dass es mehr guten Cloudrap aus dem deutschsprachigen Bereich gibt. Doch genauso hoffe ich auf guten Trueschool-oder Battlerap, auf Studenten-oder Hipsterrap, auf Gangster-und Politikrap...
Ich hoffe auf eine große Vielfalt in der Zukrunftder Szene.
Wie ist eure Meinung zu dem Thema? Wie seht ihr die Zukunft von Deutschrap?
„Pop kann nicht nicht politisch sein: Zu diesem Thema gibt Die-Sterne-Sänger Frank Spilker einen Workshop beim Panama Plus Festival. Wir haben mit ihm über Popmusik gesprochen und gefragt, ob er noch hinter allen seinen Songs steht.“
Frank Spilker im Interview - br puls - Matthias Hacker
„Ich fand einfach nur ganz viele Sachen scheiße“