Brosowski: Endlich
Tse, Endzeitboy. Eintagsfliege. Aber doch nicht. Hier ist nämlich die höchst science-fictionistisch anmutende und durch und durch durche vierte Folge des blauen Wesens, das auszog die Welt zu schauen.

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Brosowski: Endlich
Tse, Endzeitboy. Eintagsfliege. Aber doch nicht. Hier ist nämlich die höchst science-fictionistisch anmutende und durch und durch durche vierte Folge des blauen Wesens, das auszog die Welt zu schauen.
The EndzeitBoy Episode I
BrosowskiTRASH Paket #27
Guten Tag.
16.09.2015. Eigentlich wollte Brosowski passend zum allgemeinen Shitstorm gegen die eklatant ekelhafte Endzeitsendung Stadlshow ein kleines Videoessay darbieten. Es sollte Blumen geben und kleine Acessoires mit UVP, jeder sollte sich ein lieblos eingerichtetes
Stadlsshow-Studio daheim basteln können, Trash für die Massen. Beim Versuch dann, die Katalogkatastrophe der ARD zu konsumieren und eingehend zu betrachten, geschah es dann. Brosowski verlor kollektiv den Verstand. So grauenvoll die Darbietung der Künstler, so erbärmlich die Close Ups der vermeintlich glücklichen Zuschauerkadaver, so ohne jedes Gefühl hingeklatscht die Kulisse. Wir sehnten uns zurück nach Halli Galli und Tutti Frutti, nach Farben und Freude am Detail.
Heute nun, am 17.09., die erschütternd verstörenden Reste dessen, was manch Zyniker wohl Entertainment nennen mag und was von Brosowskis rarer Hirnmasse übrig blieb. Wir wollten doch einfach nur ein fancy Dekovideo machen...
BrosowskiTRASH Paket #26
Bonjorning!
Die Nummer 26 ist etwas bedeutsames. Denn sie verrät uns heute, dass wir die Dürrezeit überstanden haben. Und nicht nur das. Wir sind jetzt gerade in den fettesten Jahren unserer Schaffenszeit. Deswegen präsentieren wir heute:
Eine feine Retrospektive, in der wir drei Jahre SchleFaZ feiern dürfen
Einen extrem langen Aufsatz über Quentin Dupieux und seine wundervolle Cinematographie
Einen Abstecher ins Schreibwarengeschäft mit dem besten Gimmick für Büro und freie Autoren
Einen Hinweis auf den ekligsten YouTube-Channel der Welt
Um sich nicht lange in den Krümeln des Frühstücksbrötchens zu verheddern, starten wir nun sofort! Ab jetzt! Unverzüglich! Viel Spaß!
Der Kackstreifen und das Fernsehen, das für ihn gemacht wurde
Alles beginnt also 1988 und 1999. Natürlich auch 1962 und 1965, aber vor allem 1988 und 1999. Und dann nochmal seit dem 26. Juli 2013. Soviel zur Chronologie. Dahinter steckt eine simple Idee, mal mehr, mal weniger angesagt. Jetzt gerade eher mehr, die Zeit schien reif. Worum es eigentlich geht? Um das Vermeiden zu großer Verstandes- und Vernunftsanstrengungen während des Konsums einschlägiger B- bis D-Filmmaterialien oder auch betreutes Fernsehen. 1988 in den USA geboren, konzeptuell dem Sitcom-Lacher entlehnt, bekommt man im Mystery Science Theatre 3000 nicht nur süffisant sadistisch Streifen serviert, bei denen im Vorspann schon Finger- und Fußnägel rollenderweise den Rückwärtsgang einlegen, auch eine etwaige Kommentierung und wohlverdiente Zerfetzung (und sei es auch nur so zur inneren Katharsis) ist im Lieferumfang enthalten. Der Glotzer an und für sich spart sich so jegliche Denkarbeit und auch jegliche Gesellschaft, die Kommunikation verläuft strikt zwischen Bildschirm und Sinnesorgan; popkulturelle Hints, Erklärung von Anspielungen und profan plumpe Persiflage finden zeitgleich im Film und im Gehirn des vereinzelten Publikums statt, mehrere optional zu bedienende Ebenen eines Films (und auch noch eines schlechten, also viel zu finden, viel zu lachen) werden in einem Aufwasch abgearbeitet.
Soviel zum ersten Hintergrundplotstrang dieses kurzen Beitrags.
Der zweite findet 1997 statt, heißt The Asylum und kann als die Legebatterie kalkulierter Kackstreifen gelten. Mit The Asylum, seinen bizarren B-Monstern und ihrer Plattform im spätabendlichen Programm eines deutschen Nieschensenders, sowie der generellen Steigerung viraler Anteilnahme der popkulturellen Welt an sich selber wächst auch das mediale Interesse an auf Celluloid gebannten Vergehen gegen die Ästhetik. Sand Sharks, Avalanche Sharks, Sharktopus, Krieg der Welten 3, Titanic 2- Die Rückkehr, Mega Piranha, Abraham Lincoln vs. Zombies usw., etc., scheinen sich zum guten Ton des informierten und ambitionierten Filmfans hochgeschlafen zu haben.
So. Hintergründe kurz angesprochen. Jetzt also zum Punkt (endlich). Schlefaz. Die schlechtestesn Filme aller Zeiten, präsentiert von Oliver Kalkofe und Peter Rütten, lassen für den deutschen Nieschensender Tele5 seit Sommer 2013 den Geist eines MST3K wieder aufleben; der Gedanke, den klassischen, aber auch den kalkulierten Kackstreifen seines sorgenlosen Schattendaseins im Nachtprogramm gemäß des medialen Interessenaufschwungs zu entheben (s. Hintergundplotstrang 2), ihn zu betreuen, die Traumata aufzuarbeiten und so selbst der letzten Ansammlung schlecht abgefilmter Dialogverbrechen mit gesundem Menschenverstand, einem feinen Sinn für das absolut Absurde und einer großen Kiste Nach-uns-die-Sinnflut-Humors zu begegnen, klingt nicht nur verlockend; er funktioniert auch noch. Das Sendeprinzip stellt sich dabei denkbar einfach dar: In kleinen Häppchen wird ungeschönt ein Filmversuch, sei es japanischer Monsterhorror der 60er, deutsches Bahnhofskino der 70er, Scifiquatsch der 80er oder Asylumausgeburten des noch jungen Jahrtausends, präsentiert um dann, von Werbepause zu Werbepause (Fernsehen, Freunde, Fernsehen) von einem besserwisserisch beseelten B-Film Bewunderer und seinem ewigen Antagonisten, dem nie endend nörgelnden Narzisten zerhackt zu werden. Einzelne Szenen werden hervorgehoben, spontane Eingebungen kommentierenderweise als Inserts direkt ins Material integriert, zu jedem Streifen gibt es einen explizit zugeschnittenen Cocktail für ein Trinkspiel, soviel zu den Ebenen aus Hintergrundplotstrang 1. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, dieses Textchen hier kulminieren, uns allem vor inceptionistischer Freude die Hand an die filmverbeulte Stirn fahren und letztendlich alle Hintergundplotstränge zueinander finden zu lassen, transmorphen sich die Hauptakteure von Schlefaz gekonnt als Statisten die neueste, sogar vom bourgeoisen Feuilleton nicht unbeachteten Veröffentlichung aus dem Hause Asylum: Sharknado 3.
Das ist einerseits Liebeserklärung an die Materie selbst, anderererseits, und deswegen steht das jetzt hier auch alles so, wie es hier steht, das absolute Maximum einer Ebenenmultiplikation, auf der man von Trashfilmen sprechen kann. Also doch nicht nur schales Bier und zwei müde Lacher pro Kackstreifen (das Wort ist als Lautmalerei zu gut, um es nur zweimal in einem Aufsatz wie diesem zu verwenden), müssen wir doch hier beachten, das erstens Trash nicht mehr nur gewollt und nicht gekonnt, sondern sogar kalkuliert wird, zweitens man über dieses Filmmaterial nicht nur popkulturell relevant und medienwirksam spricht, sondern sich drittens als eigentlich kommentierendes Gewissen in das kalkulierte Material einarbeitet, um es dann viertens wiederzukäuen und mit einer Tonne Selbstironie noch einmal als kommentierendes Gewissen popkulturell relevant und medienwirksam zu sezieren. Well played, Peter Rütten, well played, Oliver Kalkofe, überwell played, Tele5.
Und wem das noch nicht reicht, dem sei der Film Kung Pow an dieser Stelle und auch an allen anderen Stellen zu Füßen gelegt, da wird zwar nicht kommentiert, allerdings dank modernster Magieskills aus einem herkömmlich schwachen Kung Fu-Streifen ein komplett neuer Film entworfen, mit komplett neuem Protagonisten, komplett neuer Handlung und einer komplett überzogenen Synchronisation, die in der reichhaltigen Tradition keines geringeren als Rainer Brandt steht. Danke für die Aufmerksamkeit und bitte auch die Links beachten, sonst kann ich Ihnen die auch faxen.
Bild: ©Tele 5
Quentin Dupieux und das Kino, das für ihn gemacht wurde
« il n'y a rien de plus beau dans l'art que de ne pas réfléchir » "Es gibt nichts schöneres in der Kunst, als nicht nachzudenken"
- Quentin Dupieux aka. Mr. Oizo
Jeden Moment könnte ein Raumschiff landen. Mitten auf der Straße.
Diese Idee kann einen möglicherweise ein ganzes Leben lang begleiten. Vor allem, wenn man das Kino des Quentin Dupieux kennt.
Ein relativ einsamer Zeitgenosse, wenn es darum geht, ihm das Wasser zu reichen. Wohl kaum ein Filmemacher unserer Zeit führt so viel Einzigartigkeit in seine Zelluloid-Streifen ein wie er. So schwer es einem fällt, seine Machenschaften zu verstehen, genau so schwer kann man sie je vergessen.
Wir beginnen nun unsere kleine Retrospektive und Hochlobung auf eines der größten Genies mit einer schlicht einfachen Erklärung des Menschen Quentin Dupieux, sofern uns das anhand mangelnder Informationen möglich ist.
Geboren als Sohn in einer Stadt. 1974 in Paris. Der francophile Quentin legte sich sein Pseudonym Mr. Oizo zu und warf sich in das Meer der Musikindustrie. Nicht unerfolgreich erfand er die Puppe Flat Eric, die zu seinem Power-Hit Flat Beat für Levi's in die Werbekammer sprang. Sein hart aggressiver (teilweise analoger) Electro-Sound entsteht laut Eigenaussage Dupieux' "totalement au hasard", was etwa so viel bedeuten soll wie "völlig wahllos". Mit der gescheffelten Kohle dank Flat Beat und Eric wagte Dupieux den Schritt zum Film. Unter seinem bürgerlichen Namen. 2001. Was er machen wollte? Keinen Film. Bei NONFILM tritt Dupieux' philosophischer und gesellschaftskritischer Streifzug durch das Erlebnis Film, auf den später noch weiter eingegangen wird, erstmals auf.
NONFILM
Kurz zusammengefasst geht es um einen Mann, der ungefragt auf der Straße Teil eines Filmprojektes wird. Dabei ist alles, was passiert Teil des Films. Keiner blickt durch, worum es geht, wer der Regisseur ist und was das Skript zu bedeuten hat. Ein komplettes Ensemble Unbeholfener. Die Lage eskaliert irgendwann und bei einer Gewaltszene werden große Teile des Filmteams ermordet. Von nun an wird der Film ohne Kamera und Ton weitergedreht. Die letzt verbliebenden nehmen nach und nach Abstand von den Visionen eines Regisseurs, den es nicht gibt. Der Protagonist vom Anfang schmeißt das Handtuch, Teamkollegen folgen ihm. Ein Film, der niemals zu sehen sein wird, weil er ohne Kamera gedreht wird.
Dieses ganze Spektakel betrachten wir durch die 16mm-Kamera, die von Dupieux immer gerne sehr nah und schräg und von unten am Menschen geführt wird. Der Look ist sexy. Der Inhalt völlig überfordernd aber belustigend.
Der Kommentar des Machers zu seinem Film:
"NONFILM is unwatchable.
NONFILM is my first attempt to make a movie (failed).
NONFILM is the essence of the 'NO REASON'.
NONFILM is RUBBER's handicapped brother.
NONFILM is a wild animal.
NONFILM contains only ONE joke.
NONFILM has been shot with Flat Eric's money.
NONFILM is great if you know how to watch it. TRY."
Die Empfehlung des Hauses Brosowski: Den Film selbst ins Koreanische synchronisieren. Das könnte der richtige Weg sein.
Was dann sechs Jahre später von Studiocanal auf den französischen Markt geworfen wird, passt nicht vollkommen zu dem Quentin Dupieux, den wir heute vom jährlichen Fantasy Filmfest kennen. Es scheint, wir haben einen lustigen, aber kommerziell anmutenden Unterhaltungsstreifen. Wohl leichter zu verstehen als NONFILM und weniger künstlerischer gedreht als sein Folgewerk, dafür aber nicht weniger absurd. Die mangelnden Französisch-Kenntnisse der Brosowskis sei der Dank geschuldet, dass wir die Handlung, geschweige denn die Dialoge, nicht richtig handhaben können. Vielleicht ist der Film Steak doch höher als wir nun annehmen. Aber unterhaltsam. Gut gespielt vom uns unbekannten französischen Komikerduo Éric & Ramzy, werden wir Éric Judor bei Wrong Cops wieder erkennen.
STEAK
Also irgendwie geht es um High-School-Guys, die völlig abstinent leben. Es geht um Gesichtsverschönerungen und Waffenbesitz. Um Männlichkeit, Verantwortung und das Leben generell.
Wie schon beschrieben hält sich der Film nicht lang an aufregenden Kamerabildern auf, sondern gibt ein marktreifes Bild für Röhrenfernseher ab. Zu begründen wäre es damit, dass Dupieux hier primär nur in der Funktion von Regisseur, Autor und Musiker stand. Den Schnitt etwa übernahm jemand anderes.
Wer den Film in kompletter Länge erfahren möchte, bitte hier einchecken.
Nun folgt ein Meilensprung. Für alle Beteiligten. Mit Rubber schießt sich Dupieux ins Meister-Level. Spielt auf Festivals und wird gelobt. Die Scheinintelligenz von NONFILM findet hier seine perfektionierte Fortsetzung.
RUBBER
Der erste und einzige Killerreifen-Film der Historie. Helle, blasse, aber intensive Bilder liefert uns Quentin Dupieux als ultimativer Filmemacher. Buch, Kamera, Schnitt und Regie. Dazu dann ein faszinierender und emotionaler Soundtrack von Mr. Oizo und Gaspard Augé. Robert, der Reifen, übt Rache an der Welt, weil seine Familie verbrannt wurde. Das fällt ihm relativ einfach durch psychokinetische Mächte, die das angefeindete Objekt zur Explosion einladen. Klingt nach einem unfassbar geistreichen Trash-Horror-Film. Aber wir lassen uns vom ersten Eindruck nicht beirren. Die Rahmenhandlung um die rührende Geschichte des nun einsamen Reifens und der Polizei, die versucht, ihm das Handwerk zu legen, sind die Zuschauer, die mitten in der Steppe das Geschehen mit Ferngläsern beobachten. Also, quasi wir. Nur, dass wir uns selber sehen. Dupieux schafft es mal wieder, wie auch bei NONFILM mehrere Ebenen von Filmwirklichkeit und Wirklichkeit in ein Bild zu packen. Dupieux spielt mit der Nicht-Wirklichkeit von Film, indem er den Film zur Realität werden lässt, womit die Realität unwirklich wird. Nicht nur an diesem Satz haben wir Stunden gesessen, sondern auch an der Begeisterung für den Film. Quentin Dupieux baut immer gleichsam eine Ode an das Medium Film wie auch eine Kritk am Filmemachen.
Originalität und Schwachsinnigkeit gemeinsam in einer Wanne mit den schönsten Blumen.
Ab hier bleibt der Meister seines Fachs Quentin Dupieux sowohl seinem Bildstil, als auch seinem Schriftstil treu. Hippes, Helles, Weichgezeichnetes. Eine Ästhetik, die sich wunderbar in das heutige Verständnis von Schönem Wohnen einschmiegt. Mit Wrong trifft er genau das sogar noch besser.
WRONG
Eine herzzereißende Geschichte, die schon so manch anderen Filmemacher inspiriert haben soll, wird uns mal wieder in babypuderweich perfektem Filmbild präsentiert. Dolphs Geschichte über die Suche nach seinem entführten Hund und den unheimlichen Mächten des Meister Chang schaffte es teilweise sogar in den deutschen Kinovertrieb. Mit harmlosen Aufnahmen durchschnittlicher Menschen und ihren kleinen Problemchen, mit Gesprächen über das Wetter und die Welt und dann ist eine Palme plötzlich eine Tanne. Dolphs Gärtner stirbt vor laufender Kamera an einer Herzattacke und kommt am nächsten Tag zur Arbeit, die Ereignisse überschlagen sich.
Einen kurzen Cameo von Dolph und seinem Hund, sowie der Charakter des Cops verbinden Wrong und das Folgewerk Wrong Cops.
WRONG COPS
Eine heldenhafte Komödie. Im Vergleich zum Intelligenz anmaßenden bisherigen Opus von Dupieux mag man vielleicht von der Flachheit der Witze nicht überzeugt sein. Oder gerade deswegen? Der größte Spaß, den man im Kino wohl haben kann sind die Filme von Quentin Dupieux. Ganz egal, ob scheinphilosopisch oder unterhaltsam vulgär. In Wrong Cops geht es um die diskutierfähigen Vorgehensweisen von Polizisten einer unbekannten amerikanischen Stadt. Dass die Bilder perfekt sind, müssen wir hier nicht noch mal betonen. Sie sind es! Auch der Soundtrack von Mr. Oizo alleine. Dass das erlebte Kino-Aventure uns selber bestärkte, Filme zu produzieren, dürfen wir aber wohl in einem Nebensatz erwähnen. Jawohl. Quentin Dupieux leistet einen großen Teil dazu bei, eine Motivation für's Filmemachen herzustellen. Warum? Weil er immer wieder zeigt, wie man großartige Filme machen kann. Dabei ist es nicht zwangsläufig wichtig, worum es geht, wie flach die Handlung auch sei. Solange alles zusammenpasst und einen bleibenden Eindruck hinterlässt, primär natürlich dank Verwirrungen und das Vermischen von Realitäten, hat jeder Film eine mögliche Daseinsberechtigung auf der Leinwand.
Zum ersten Mal, legen wir hier aber wert auf die wirklich sensationell spielenden Schauspieler. Gerade Eric Wareheim, in den Staaten als Komiker bekannt, verblüfft nicht nur durch eine ideale Physiognomie, sondern ebenfalls durch bahnbrechend billiges Spiel. Deshalb freuten wir uns umso mehr über seinen Auftritt im neuesten Meisterwerk des französischen Künstlers Réalité.
RÉALITÉ
Der Kameramann Jason will einen eigenen Film machen. Seine Idee ist unwahrscheinlich billig und oberflächlich: Die Fernseher der Welt machen alle Menschen erst durch ihre elektrostatischen Wellen dumm und dann bringen sie sie um, indem ihre Köpfe explodieren.
Jason darf den Film verwirklichen, aber nur, wenn er den perfekten Schmerzlaut der sterbenden Menschen findet. Parallel zur Suche gibt es ein kleines Mädchen, was den Jagd- und Erziehungsgewohnheiten seiner Eltern nicht traut. Genauso wenig seinen Augen, als es den Schuldirektor (der unvergessliche Eric Wareheim, hier ist er!) in Frauenklamotten auf einem Militär-Jeep sieht. Für diesen, ist das nur ein Traum, keine Realität.
Das kleine Mädchen wird die ganze Zeit vom Regisseur Zog gefilmt. Dieser widerum führt diesen Film im Auftrag von Jasons Produzent durch. Zu dessen Unzufriedenheit, denn Zog lässt die Rolle lieber laufen und inszeniert nicht. Mal wieder überschlagen sich die Ereignisse und alle Einzelgeschichten verbinden sich zu einem triumphalen Höhepunkt, wenn Jason schreit: „This movie doesn’t really exist!“
Im Vergleich zu Wrong Cops ist Dupieux wieder auf philosophischer Hochgeschwindigkeit. Man hört jedoch statt Mr. Oizo fast ausschließlich am Stück Philip Glass' Music with changing Parts. Das alles flasht. Denn cinematographisch und auch textlich ist Quentin Dupieux ein reinstes Genie. Wir verbeugen uns und schreien laut: Wir sind unwürdig!
Wir wollen nicht behaupten, dass Dupieux ernsthafte Themen kritisch hinterfragen will und zum Nachdenken anmuten möchte. Auf gar keinen Fall. Aber für den Moment des Schauens dürfen wir einfach mal Genießen, und erleben, warum wir eigentlich so gerne ins Kino gehen. Durch unzurechnungsfähige Verwirrungen und abstrahierte Handlungen seiner Charaktere wird man reingesogen. Egal, ob man versteht, worum es geht. Die zweifelsohne perfekte Bildsprache hat nur einen Nachteil. Daheim auf dem eigenen Bildschirm verliert sie ihre Wirkung um ein Großes. Um so trauriger, dass Dupieux’ Filme kaum in einen regulären Kinovertrieb gelangen. Denn das Kino, so wollen wir aber behaupten, ist von ihm für ihn gemacht worden.
Bilder und Videos: ©Quentin Dupieux; ©Realitism Films
Gimmick
Jawohl, die altbekannte Beilage zum Magazin ist auch wieder mit dabei. Heute gibt es etwas ganz Besonderes für freie Drehbuchautoren und hippe Kreative. Den ultimativen vierfarbigen Kugelschreiber. Gefunden im letzten Film von Quentin Dupieux (im Falle einer Zusatzinformation zu ihm selbst, siehe oben):
Ihn gibt es nicht nur im standardmäßig wunderschönen Hellblau, sondern auch in weiteren (Pastell-)Tönen. Nahezu perfekt für die Öffentlichkeit.
Dr. Pimple Popper
Als Absacker dann noch ein kleines Schmankerl aus dem World Wide Web. Immer mehr Pickel-Ausdrück-Fetischisten bekenne sich mittlerweile ihrer Obsession. Und weil man aus Scheiße immer Gold machen kann, hat sich eine Dermatologin aus den USA den ganz großen Spaß mit unschuldigen YouTube-Glotzern gemacht. Unter dem Pseudonym Dr. Pimple Popper hat Dr. Sandra Lee mittlerweile eine Reichweite von über einer Viertel-Million. Das ist eklig. Jeder, dem bei diesen Videos nicht schlecht wird, ist noch unnormaler als der Mensch an sich schon.
Für den ultimativen Kick bitte hier klicken. Danke.
Das war’s für heute. Wir verabschieden und freuen uns, Ihnen in Zukunft nun wieder eine vollwertige Ware ohne 80% Rabatt servieren zu dürfen. Auf ein Baldiges!
Ihre Brosowskis
BrosowskiTRASH Paket #24
Saufen im TV? Brosowski sagt ja und klärt auf.
Nachdem der alternde Altmeister Hugo Egon Balder eine zweite Runde von DKKN über die Theke bringen darf, ist es an der Zeit, ein wenig auf Spurensuche zu gehen: Betrunken Belustigungsbewegtbilder gab es doch schonmal? Und zwar noch geschmackloser und vor allem noch besoffener. Vollkommen schmerzfrei führt der Einäugige unter den besoffenen Blinden durch einen absoluten Starcast aus Helge Schneider und dem beinahe noch unbefleckten Stefan Raab. Und Bettina Böttinger. Die kriegt allerdings die volle Lutsche an blindgeschossenen Kalauern und fieser Frauenfeindlichkeit á la Karl Kletschauge ab, also bildet euch selbst eine Meinung dieses absoluten Brosowski ÜberTIPPs. Spass und Liebe.
BrosowskiTRASH Paket #23
Hallo. Hallo. Hallo.
Mit dem letzten Rest unserer gesammelten Versandeskraft präsentieren wir, ganz feinsinnig, das wohl kompakteste Wunder von Chicago.
Was als harmloser Versuch einer Limousinen fahrenden Italo-Amerikanerin in den zarten 90er Jahren karaokesk begann, nahm dann Ende der 00er seinen verheerend viralen Verlauf und schließlich, 2011, kam sie back. Nach einem weiteren Album 2014 und einer lustigen Compilation fiel sie dann Brosowski in die Hände und Herzen. Die Rede kann und darf nur von einer sein. Jan Terri.
Das Zerbrechliche ihrer Stimme, das ständige Scheitern am Pophimmel, die 5 Meter, die ihre Hits neben der Spur stattfinden. Wie Butter schmelzen wir dahin, verlieren uns in ihrer bemerkenswerten Nase und blonden Mähne. Ihr Rhythmusgefühl, ihre sanfte und reif-intellektuelle Metaphorik, ihr Sexappeal und ihre Musikvideos sind über jeden Zweifel erhaben, „u keep knockin on my door, but u can´t come in“. Doch Jan Terri, bei uns comest du immer in. Deswegen heute auf der Acidverzehrliste: Jan Terri - eine Clipologie. Und um auch dem schnöden Kostverweigerer ein warm werden mit den sphärischen Klängen und der exorbitanten Nase zu vereinfachen, hier eine Videobotschaft von uns für euch. Also zuerst Videobotschaft, dann Clipologie. Verstanden? Gut. Los.
Und zum Abschluss noch jemand, der sie eingeladen hat. Und sie ist gekommen. Und hat Spass gehabt. Neid. Und zwar HIER.
BrosowskiTRASH Paket #11
Hey! Hallo! Statt großer Begrüßung heute direkt zwischen Tür und Angel schon die erste Empfehlung: INSECTULA! ist praktisch ab jetzt auf verschiedensten Medien zu haben!
Die in diesem Jahr fertiggestellte Hommage an den klassischen Eco-Horror der 70er verspricht Psychotronika vom Feinsten, angeklebte Bärte, den obligatorischen Igor und natürlich auf Haushöhe angeschwollene Insekten.
Neues gibt es außerdem aus dem Hause Hoff: Nach der Supermegacomebacksingle True Survivor, die gleichzeitig Titelsong des hoffentlich Ende Mai (also jetzt gleich ganz bald) erscheinenden schwedischen 80s-Trash-Martial-Arts-Police-Kurzstreifens KUNG FURY und der nicht unwesentlichen Rolle in Sharknado 3, bekommt Mauerfall-Dave jetzt eine eigene Comedy-Serie im britischen TV; wahnsinniger Weise geht es laut Eigenaussage des Hauptdarstellers dabei um Folgendes: „Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein großer, manchmal verpeilter Typ namens David Hasselhoff, der nach Großbritannien zieht und denkt, er könnte die Welt retten, alle noch stehenden Mauern rund um den Globus einreißen“, was ihm natürlich nicht gelingt, deswegen das Humorpotenzial von Hoff The Record. Wir sind gespannt.
#brosowskiTIPP spezial
Und jetzt? Heute will es gar nicht enden mit den enthusiastischsten Tipps, Tricks und Empfehlungen, deswegen hier noch zwei sehr sehr heiße #brosowskiTIPPs aus den Tiefen der Medienhölle Television.
Nach dem Zwangsgenuss etlicher Folgen Sag´s nicht der Braut, bei denen die Frage ‚Kommunikation, wozu?’ durchaus ihre Berechtigung findet, offenbarten sich in den Tiefen der anfänglichen 90er zwei Spielshows, denen wir hier kurz und knapp in Wort und Bild Tribut zollen wollen.
Was will uns zum Beispiel dieser Mann hier sagen?
In fancy Tüll gehüllt ist dieser eine der Altvorderen Schlüsselmeister der Budget sprengenden internationale Erfolgsshow Fort Boyard. Dahinter verbirgt sich eine Rätsel-Action-Schatzsuch-Sendung, in welcher der geneigte Kandidat nach dem durchlaufen etlicher Stationen die Chance bekommt, den Schatz des französischen Forts zu heben; allerdings werden irgendwann (kein Spass!) echte Tiger losgelassen (so wegen psychologschem Druck und so). Absolut empfehlenswert und im Gegensatz zu der eher kruden und sehr trash-, humor- und ideenlosen Wiederaufnahme mit Z-Promis und bis zur unkenntlichen Langeweile veränderten Regeln von 2011 eine 1000%ige Kultfaktorgarantie, die einzige verfügbare Folge hier in ganzer Länge. Hier, hier und hier.
Einen ganzen Meter kultiger geht es 1993 zu, dem Betrachter liefert der junge Sender Sat1 seine Version von Donnerlippchen, allerdings ohne Jürgen von der Lippe, dafür mit Taschentrickzauberer Detlef Simon, der reizenden Amazone Ms. Biggs, die auch mal Mann war und Goliath, dem obligatorischen Kleinwüchsigen im bizarren 90er-Entertainment. Wichtig natürlich hier, dass keines der Spiele überhaupt gewonnen werden kann, zusätzlich dürfen sich Ehepaare gegenseitig in die Pfanne hauen und insegsamt könnte man aus einer Sendung Halli Galli ca. 10 gewiefte Formate basteln; der Spassfaktor ist also hoch wie nie und steht in direkter Linie mit Größen wie Alles nichts oder?.
Damit sind wir durch für heute, bitte schauen Sie sich die angemahnten Dinge hier gut an und bleiben Sie pixelig wie das Fernsehen von früher.




