Schundroman, Migration und die Frage nach Dystopie oder Utopie
Es war Donnerstag, der 12. November, als ich hochmotiviert zur Buchmesse schritt. Ich wollte einfach nur in die Welt der Bücher und Literatur eintauchen und den Universitäts- und Alltagsstress hinter mir lassen. Der Presse-Stand war schnell gefunden und meine Eintrittskarte schnell ausgestellt, doch das erste Problem lies nicht lange auf sich warten: als Literaturstudentin ist es nämlich normal 5 kg Bücher in seiner Handtasche mitzuschleppen. Vom Security-Personal aufgefordert, trottete ich also zu der Garderobe und versuchte einzelne Bücher abzugeben. Die Garderobendame nahm es mit Humor und gab mir einen einzelnen Garderobenschein mit der Aufschrift: „5x Bücher der Universität Wien“. Anscheinend musste ich jedes Klischee einer Literaturstudentin erfüllen.
Kaum getrübt von anfänglichen Problemen fasste ich mir ein Herz und erkundete alle Messestände plus das Programm. Beim gemütlichen, aber trotzdem motivierten, Dahin-schlendern fiel mir gleich die ORF Bühne auf, denn jeder Sessel, jeder freie Platz, war besetzt. Gleich im Programm nachgesehen, wusste ich, jetzt kommt eine ORF Größe: Tarek Leitner. Ich blieb und war schon sehr gespannt auf sein Buch namens „Wo leben wir denn?“ und erwartete eine kritische Auseinandersetzung mit dem Leben der Zukunft. Falsch gedacht. Leitner kam und anstatt über sein Buch zu sprechen, verlor er sich im Flüchtlingsthema. Ich möchte dies nicht negativ bewerten, aber ich fühle mich von diesen Themen aus Tageszeitungen und genereller Berichterstattung sehr überschüttet und dachte, fälschlicherweise, Bücher seien das beste Hilfsmittel dagegen. Leider nicht auf der Buch Wien. Also schnell weiter.
Vorbei an der Bühne Forum. Da bleib ich stehen. Da bin ich sicher. Jedoch als ich auf den Titel und Autor schaute, wurde mir bewusst, dass selbst die Buch Wien kaum andere Themen aufweist, als die aktuelle Tagespresse: Hans Winkler, Herausforderung Migration.
Also schleppte ich mich wieder weiter und gelangte zur FM4 Bühne. Ein bekanntes Gesicht. Endlich ein bekanntes Buch! Thomas Raab und seine „Netzwerk- Orange“. Endlich eine Lesung, die meinen Geschmack traf. Zukunftsthemen gepaart mit Phantasie und Ironie. Nachdem Raab einige Stellen las, fragte ihn die Moderatorin, ob die zukünftige, futuristische Welt in seinem Roman Dystopie oder Utopie sei. Das Publikum lauschte und jeder war gespannt auf seine Antwort. „Ich weiß es nicht.“ Ich musste schmunzeln, endlich ein Autor der Ehrlichkeit bewies und uns damit vor den Kopf stößt. Seine Gegenfrage, ob die heutige Welt Utopie oder Dystopie sei, blieb, wie ich es erwartet hatte, mit Stille unbeantwortet, da man bzw ich diese Frage nicht beantworten kann. Vielleicht ist es eine Mischung aus Beidem.
Als die Lesung endete, zog ich nochmals durch die einzelnen Verlagsstände und stieß auf einen, für mich unbekannten, Verlag: Original Schundroman Wien. Das war neu für mich. Ein Verlag, der keinen Anspruch auf Literarizität stellte und nur zur Unterhaltung diente. Die Bücher des Schuldroman Verlages erscheinen alle 2 Monate und nennen sich „Yppies“. Verfasst von einer Autorin mit einem Pseudonym: Bibi Mahony. Mein Interesse war geweckt.
Diese „Yppies“ werden als literarische Soap Opera bezeichnet und ich finde diesen Begriff sehr passend. Endlich Romane, die sich nicht um ernste Themen drehen und es auch nicht sein wollen. Ich, als Literaturstudentin, bin umgeben von „guter Literatur“ sowie den Klassikern. Da braucht man ab und zu mal eine witzige Pause, trotz allem mit dem Anspruch auf grammatikalische Korrektheit. Die ersten zwei Bände habe ich mir sofort mit nach Hause genommen und war froh, etwas Neues für mich entdeckt zu haben.
Literatur ist ja bekanntlich vielfältig.
Ein Artikel von Lisa Mücke













