Literaturwissenschaftlerinnen sollten keinen Gesangsunterricht nehmen, sie denken zu viel über die Texte nach. Amarilli mia bella von Giulio Caccini (1545-1618) ist meine neueste Hausaufgabe. Der Komponist war mir bisher unbekannt und wer den Text geschrieben hat, geht aus meinen Noten gar nicht hervor. Mir fiel beim Lesen wieder ein, dass ich als Jugendliche im Chor mal einen Kanon mit dem Titel Adieu, sweet Amaryllis gesungen habe. Unwillkürlich drängte sich mir nun die Frage auf, wer diese Amaryllis überhaupt ist. Das Lexikon der Antike enthält keinen Eintrag zu ihrem Namen, daher habe ich ein wenig das Internet durchwühlt. Laut Wikipedia gibt es in der achten von Vergils Eklogen (das sind Hirtengedichte) eine Amaryllis, die in Daphnis verliebt ist und ihn für sich gewinnen kann. Eine floristische Internetseite erzählt noch eine andere Geschichte über das Namensvorbild der Blume Amaryllis: Eine Nymphe des Namens soll sich in den Hirten Alteo verliebt haben, die anfänglich tragische Liebesgeschichte fand ein gutes Ende. Das passt auch zum Text von Caccinis Stück, da versichert der Sprecher der Angesprochenen, dass sie keinen Grund habe, an seinen Gefühlen zu zweifeln. Die Blume Amaryllis hat übrigens gerade Saison, insofern passt alles zusammen.


















