Afrikas Kampf um seine Kunst
Die Debatte um die Rückgabe von Europäern geraubter Kunst aus Afrika ist nicht neu. Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy zeigt in ihrem neuen Buch "Afrikas Kampf um seine Kunst - Geschicht eeiner postkolonialen Niederlage", dass vieles schon einmal gesagt wurde, aber trotzdem wenig geschah.
Schon seit 50 Jahren verlange Nigeria die Rückgabe der geraubten Benin-Bronzen. Nun bis vor kurzen wurde die Rückgabeforderung, die erstmals in den 1960er Jahren formuliert wurde, kategorisch von den deutschen Verantwortlichen zurückgewiesen. Mehr noch: "Bleimantel des Schweigens" nennt Bénédicte Savoy die Taktik westlicher Museumsleiter, mit der diese die erste Debatte um Restitution geraubter Kulturgüter nicht nur beendeten, sondern sogar aus dem kulturellen Gedächtnis tilgen konnten. Denn die Grundeinsicht Savoys nach einem intensiven Studium der Zeitgeschichte zwischen 1965 und 1985 lautet: „Fast jedes Gespräch, das wir heute über die Restitution von Kulturgütern nach Afrika führen, fand vor 40 Jahren schon einmal statt.“
Savoy sagt selbst: In dem Buch fordere ich Sachen, die in den 70er und 80er Jahren alle schon einmal gefordert worden sind, also unter anderem die Veröffentlichung von Inventaren. Die Tatsache, dass man wissen muss, wenn man in Afrika sitzt, was in Berlin oder in Stuttgart oder in Hamburg aufbewahrt wird. Solange das nicht bekannt ist, ist das unfair.
Savoys geschichtswissenschaftlichen Studie weißt eine beeindruckende Materialfülle auf, welche aber streckenweise auf Kosten ihrer Lesbarkeit geht. Lohnend ist die Lektüre aber allemal. Zum Beispiel eröffnet sie die Einsicht, dass es in der Bundesrepublik einen handfesten Konflikt zwischen Museumsmachern und dem Außenministerium gab, das sich durch Restitutionen eine Verbesserung der diplomatischen Beziehungen zu den afrikanischen Ländern erhoffte.
Benedicte Savoys umfassende Studie ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Postkolonialismus-Debatte, die durch Emanuel Macrons Initiative zur Restitution afrikanischer Kulturgüter ebenso einen Schub erfahren hat wie durch die anhaltende Diskussion um das Berliner Humboldtforum. Die Rückgabe von Kunstobjekten, argumentiert Benedicte Savoy überzeugend, kann der Katalysator sein für die Herstellung gerechterer Beziehungen zu ehemaligen Kolonien in Afrika und eine neue Ordnung humaner Globalisierung.
Bénédicte Savoy. Afrikas Kampf um seine Kunst. Erschienen bei C.H. Beck Verlag. 256 Seiten, mit 16 Abbildungen. ISBN: 978-3-406-76696-1. € 24 [D] inkl. MwSt.














