„One Battle after another“ ist nicht nur ein Film, „One Battle after another“ ist eine Erfahrung. Paul Thomas Anderson erschafft mit allen Mitteln der Filmkunst einen atemlosen Trip, der die Zuschauenden von Anfang an in die Sitze presst und sie nicht mehr zur Ruhe kommen lässt, woran der unfassbar treibende intensive Score einen nicht unwesentlichen Anteil hat.
Aber worum geht es nun in diesem neuen Werk des Meisterregisseurs? Ein Teil der Qualität dieses Kunstwerkes besteht genau darin, dass man über diese Frage ausgiebig streiten kann. Von vielen Besprechungen bereits zum Film der Stunde hochgejazzt, scheint einigen jedoch zu entgehen, dass Anderson uns hier ein trojanisches Pferd unterjubelt. „One Battle after another“ ist gespickt mit linken Mythen, die aber, wie alle Mythen, durchaus mit Vorsicht genossen werden müssen. Vielleicht ist „One Battle after another“ der richtige amerikanische Film für unsere Zeit, er ist aber nicht unbedingt ein Film über unsere Zeit. Es gibt sie, diese sehr realen Momente, etwas wenn Anderson uns migrantische Kinder in einem Käfig zeigt, die mit einer zusammengeknüllten Silberdecke Ball spielen, und dennoch werden diese nur wie beiläufig gestreift, denn hier geht es nicht wirklich um die Realität. Es geht nicht um Trumps Amerika, auch wenn kaum ein anderer Film so viel Projektionsfläche für dieses Thema bietet. Vielmehr illustriert Andersons Film die Unmacht der Kunst überhaupt noch eine plausible Geschichte über eine Gesellschaft zu erzählen, die nur noch in Mustern der Verschwörungstheorie ausdrückbar zu sein scheint. Ähnlich wie Ari Aster in "Eddington" von rechts scheitert nun auch Paul Thomas Anderson von links an dieser Mammutaufgabe und muss scheitern. Er scheint sich dessen aber sehr wohl bewusst zu sein, indem er den Aufruhr, den er durch seine filmische Welle geschaffen hat, sich an der allerletzten Szene brechen lässt. Diese ist nur etwa zwei Minuten lang und wirkt zunächst Anderson-untypisch wie eine typische Hollywood-Disruption zu einem Happy End hin. Schnell entpuppt sich dieses aber als Wolf im Schafspelz, denn wenn man diesen Sturm von einem Film erst einmal sacken lässt, wird schnell klar, dass sein Potential zur Utopie impotent ist und der Regisseur hier vielmehr eine subtile Absage an die linken Träumer inszeniert, da hier auf die aller simpelste Weise deutlich wird, dass die alles andere als liberale digitale Technik am Ende über uns alle obsiegt. "One Battle after Another" ist definitiv einer der wichtigsten Filme des Jahres.