Ich mag die Bücher von Juli Zeh. Sie sind unterschiedlich in ihrer Komplexität und der Themenwahl, aber alle zeigen, wie präzise sie die Gesellschaft und ihre Individuen beobachtet und beschreibt. „Corpus delicti“ kenne ich noch nicht. Viele sagen, es ähnle der „Hochhausspringerin“ von Julia von Lucadou... ich bin gespannt. (Nach dem Ende der Lektüre: abgesehen von der klinisch reinen & voll überwachten Gesellschaft, der sich ein Mitglied zu entziehen versucht, haben die beiden Bücher nicht soo viel gemeinsam).
Die Textsorte ist nicht ganz klar - der Untertitel lautet „ein Prozess“. Das Erscheinungsbild ist das eines Romans & dennoch liest es sich wie ein Theaterstück mit integrierten Regieanweisungen (Vgl. Z. 19-21 auf S. 24). Zeitungsartikel kommen auch vor.
Was passiert mit dem Leser/der Leserin, wenn Sci-Fi aus dem Jahr 2009, projiziert ins Jahr 2050, bereits 2020/21 nicht mehr so unwahrscheinlich wirkt?
Faust, Homo Faber, Herr K., Katharina Blum, Anklänge an Odysseus... dauernd erinnern einen einzelne Textpassagen an die Themen & Figuren, die sich in Werken aus Jahrhunderten immer wieder finden. Auf den Punkt gebracht, in die Zukunft projiziert: „Das Mittelalter ist keine Epoche. Mittelalter ist der Name der menschlichen Natur.“ (S. 235)