Mittagspause
Nach den Prüfungen (6 Klausuren + mündliche Pathologieprüfung) die teils gut, teils nicht so gut gelaufen sind, gehts für mich gleich weiter. Ich habe Gestern meine Famulatur (ärztisch für Praktikum im Studium) bei einem Hausarzt angefangen und will euch im laufe dieser Zeit immer mal wieder davon berichten, mit was sich so ein Hausarzt alles beschäftigt, auch wenn er das nicht immer ganz freiwillig tut.
Teil III der “Bösen Chemie” ist nicht vergessen und kommt demnächst.
Diese Famulaturberichte werde ich eher knapp und knackig halten, ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß daran sie zu lesen.
Tag 1: Ich wurde sehr nett empfangen, man hatte mir sogar extra einen abschließbaren Schrank in einem der Behandlungszimmer freigeräumt, damit ich dort meine Sachen ablegen konnte. Der Ablauf ist im ganzen recht einfach. Die medizinischen Fachangestellten (=Arzthelferinnen) empfangen die Patienten, bringen diese sobald sie dran sind in ein Behandlungszimmer und öffnen schon einmal am Computer die entsprechende Krankenakte. Der Arzt mit mir im Schlepptau, geht dann, wenn er mit einem Patienten soweit erst einmal fertig ist, direkt rüber in das nächste Behandlungszimmer, wo der nächste Patient schon wartet. Die erste Frage lautet immer gleich: “Darf ich heute zu zweit kommen?” Denn anders als in der Klinik, muss man wegen dem besonderen Vertrauensverhältnis zwischen Hausarzt und seinem Patienten, sehr darauf achten, die Privatsphäre des Patienten zu wahren. Meistens haben die Patiente damit aber überhaupt kein Problem. Die, die damit Schwierigkeiten haben sind meistens die eher jungen und “unerfahrenen” Patienten, denen z.B. irgendwas am Hintern juckt. Zweite Frage dann immer: “Wie geht es Ihnen?” Vom Patientengut sieht man hier vieles. Routineuntersuchungen, bei denen man nichts schlimmes feststellt. Von kleinen Wehwechen bis zu langwierigen Krankheitsverläufen bei schweren chronischen Erkrankungen. Reiseimpfungen, Fädenziehen nach einer OP, Folgerezepte und so weiter. Hier mal kurz ein paar herausgegriffen: Eine Patientin mit sogenanntem CUP-Syndrom. Das bedeutet, sie hat irgendwo einen Krebs, der schon metastasiert ist (=gestreut hat), man weiß aber nicht, wo dieser Tumor genau sitzt, weil er z.B. viel zu klein ist oder doch schon von alleine untergegangen ist. Sie hatte schon einige Chemotherapie-Zyklen hinter sich und wollte nun zu einem Spezialisten irgendwo in Deutschland gehen. Dafür benötigte sie aber noch einige Unterlagen über ihren Krankheitsverlauf. Wenn man einen guten Hausarzt/Hausärztin hat und man die Befunde bei anderen Ärztinnen und Ärzten immer dort hin schicken lässt oder selber mitbringt, ist das genau der richtige Ansprechpartner, für einen solchen Gesamtüberblick. Ein Patient mit einem seltenen Curschmann-Steinert-Syndrom, einer erblichen Muskelerkrankung kam zu einer Routineuntersuchung. Interessant für mich: Ich hatte bis dato noch nie von diesem Krankheitsbild gehört. Jetzt, da ich einen Patienten der diese Erkrankung hat gesehen habe, wird es mir aber leichter sein, sie zu erkennen. Man vergisst vieles einfach schwerer, wenn man mal ein Bild dazu im Kopf hat. Als drittes Beispiel eine Patientin mit einer Schwellung am Hals die seit zwei Wochen immer mehr schmerzt. Sie wusste zwar dass es eine art Zyste ist und dass sie nächste Woche einen OP-Termin hätte. Dass diese Zyste aber eine Zyste der Schilddrüse war und dass die anstehende Operation, gar kein großer Eingriff war, sah ich erst, nachdem ich mir die Briefe von den Radiologen angesehen hatte. Die Zyste soll nur punktiert werden. Sie wird also mit einer Nadel angepiekst und der Inhalt rausgesaugt. Nach zwei bis drei Wochen erfolgt dann eine Kontrolle, ob die Zyste wieder voll läuft. Da hatte man wohl die Patientin nicht richtig informiert oder Sie hatte nicht richtig zugehört. Aber auch dafür ist ein Hausarzt da.
Soviel bis dahin, ich hoffe es bringt euch was.
Grüßle und bleibt gesund!
Mark
















