Es gibt diese Momente, da wird mir bewusst, dass es diese eine Sache gibt, in der ich hoffnungsloser Romantiker bin. Fußball ist diese Sache. Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich mich über eine engagierte Leistung so sehr freue, wie über einen Sieg. Ich will meinen Verein, die Dame meines Herzens, nicht verlieren. Lumpi, war ein Teil des Charakters dieser Dame. Beinahe soweit ich denken kann. Mein ganzes fußballerisches Leben, war Lumpi bei Fortuna Düsseldorf. Zur nächsten Saison ist diese Zeit vorbei. Das Undenkbare, das Unaussprechliche, aber dennoch unausweichliche ist passiert. Lumpi, ein Stück Charakter des Vereins, verlässt Fortuna. In diesem Moment ist es schwer Gedanken in Worte zu fassen, aber ich will es für mich versuchen.
Für mich ist mein Herzensverein ein Verein, dessen größte Momente irgendwie immer Niederlagen sind. Die 3:2-Niederlage gegen die Bayern in der Bundesligasaison oder die Niederlage gegen den HSV in der ersten Runde des DFB-Pokals 2009. Das sind meine großen Fortuna-Momente. In beiden Momenten spielte Andreas “Lumpi” Lambertz eine gewichtige Rolle. Das für mich, wie in einem Fiebertraum wahrgenommene 1:2 von Lumpi gegen Manuel Neuer. Eine kurzfristige Führung gegen die später so genannten Triple-Bayern. Ich habe das Spiel damals vor meinem Laptop geguckt und bin in meiner Wohnung vor Freude auf und ab gesprungen. “Ausgerechnet Lumpi!”, dachte ich damals. Fortuna hat das Spiel knapp verloren, aber man hat den Bayern einen Kampf geliefert. Das konnten in der Saison nicht viele von sich behaupten.
Als nächstes das Ausgleichstor gegen den HSV im DFB-Pokal. Ich saß vor dem TV an einem schönen Sommerabend, wollte ich genießen, dass Fortuna mal wieder im Fernsehen zu sehen ist und hoffte darauf, dass mein Verein sich nicht blamiert. Er tat es nicht, im Gegenteil, man lieferte eine anständigePartie ab. Aber das Tor von Lumpi war etwas besonderes. In der letzten Minute der Nachspielzeit füßelt er irgendwie den Ball ins Tor und schickt alle Anhänger von Fortuna in unendliche Glückseligkeit. Das sind zwei Momente, die ich mit Lumpi verknüpfe, sowie mit meiner Fortuna.
Was ihn besonders macht, ist dass er über einzelne Momente hinausgeht. Lumpi ist kein Posterboy. Lumpi wurde nie zu größeren Marketingzwecken eingesetzt. Lumpi war der Verein. Jahrelang musste man keine Marketingagentur der Welt fragen, wer die Identifikationsfigur des Vereins war. Die Antwort war klar und eindeutig. Der ewige Lumpi! Vielleicht eine lebende Legende. Viele unterstellen ihm ein schlechtes Spiel mit dem Ball, fehlende Übersicht und mangelnde Technik. Vielleicht ist das wahr. Aber eine Sache hat Lumpi allen Profis in diesem Land voraus - Herz! Kein Spieler spielte mit so viel Herz. Wenn er auch schlechte Momente hatte, konnte man bei ihm immer darauf bauen, dass er dem Ball und dem Mann hinterherlief. Immer gewillt zu jedem Augenblick des Spiels alles zu geben, was in ihm steckt. Das ist etwas, was ich vielen Spielern, besonders diese Saison, abspreche. Lumpi dagegen niemals. Kampf wohnt Lumpi einfach inne.
Der Abgang deutet sich schon eine längere Zeit an und es spricht für Lumpis Charakter die Füße stillgehalten zu haben und nicht irgendwie an die Presse gegangen zu sein. Charakter - wieder so eine Sache, die ich mit Lumpi verbinde. Und so geht nicht nur eine Identifikationsfigur weg von meiner Fortuna - Nein. Es geht ein Teil des Vereins - ein Teil seiner Seele. Es geht ein wenig Herz, ein wenig Kampf und ein wenig Charakter!
Heute ist für mich ein trauriger Tag, weil er mit der Angst verbunden ist, diesen Verein in seinen Grundfesten zu verlieren. Vielleicht übertreibe ich in diesem Augenblick, aber die Frage um Lumpi ist in Teilen eine Frage um den Verein. Wollen wir einen professionell geführten, auf bedingungslosen Erfolg getrimmten Verein? Oder wollen wir Herz, Kampf, Charakter und bedingungslose Liebe für diesen Verein? Ich denke, ich habe meine Antwort gegeben.