Wir sagenâs mal einfach, wieâs ist: Man muss keine Feministin sein, um verstehen zu können, warum MĂ€nner wie Harvey Weinstein respektlose Arschlöcher sind, die Frauen (oder andere MĂ€nner) tagein, tagaus in unzumutbare Situationen bringen â und die wahren Gentlemen da drauĂen obendrein noch richtig schlecht dastehen lassen. Der öffentliche Diskurs darĂŒber, welche Einflussnahme â physisch oder psychisch â einem Mitmenschen gegenĂŒber angebracht ist oder nicht, ist heute so laut wie noch nie: Das haben wir vielen mutigen Stimmen zu verdanken. All die Silence Breakers mit ihren ernĂŒchternden Wahrheiten, fĂŒr die sie so lange keine passende Plattform gefunden haben, hat das TIME-Magazin gerade im Kollektiv als Person of the Year 2017gewĂŒrdigt. Hinzu kommt die Macht von Social Media und den Geschichten hinter Hashtags, die in Sekundenschnelle um die Welt gehen können. So einen teilte am 15. Oktober die US-Schauspielerin Alyssa Milano via Twitter und aus #metoo wurde eine Bewegung von und fĂŒr Frauen, MĂ€nner und Jugendliche, die in ganz unterschiedlichen Formen mit sexueller BelĂ€stigung oder gar Vergewaltigung konfrontiert wurden. In jenem Moment, in dem dieser Text geschrieben wird, sind zwei Monate vergangen. Die Bilanz: rund 69.000 Replies, 25.000 Retweets, 60.000 Likes, fristlose Entlassungen einiger einflussreicher MĂ€nner und ein grenzenloses ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl, das unsere Gesellschaft beim Umdenken wirklich gut gebrauchen kann.
Sebastian Kurz
In Teilen von Ăsterreich war der 15. Oktober ein vergleichsweise lauer Sonntag im Herbst, zumindest solange, bis mit den ersten Hochrechnungen der Nationalratswahl ein starker Wind von rechts durch sieben von neun BundeslĂ€ndern zog. Die Sozialdemokraten rutschten ab und die GrĂŒnen flogen sogar raus, als sich 31,5 Prozent aller WĂ€hler fĂŒr Die neue Volkspartei von Sebastian Kurz entschieden und den 31-jĂ€hrigen Wiener damit zum jĂŒngsten Regierungschef Europas machten. Kurz zu Kurz: 2011 wurde der junge Volksparteiler zum StaatssekretĂ€r fĂŒr Integration, 2013 mit 27 Jahren zum jĂŒngsten AuĂenminister und danach mit jeder Debatte zur FlĂŒchtlingskrise eine Spur radikaler. Genau das Richtige fĂŒr die ĂVP, die mit ihren Themen schon seit Jahren nicht mehr so richtig ĂŒberzeugen konnte und einem polarisierenden Kurz gerne den Vorsitz ĂŒberlieĂ. Mittlerweile fĂŒhrt der seine eigene Liste an, tauchte diese vor der Wahl noch schnell in frisches, richtungsweisendes HellblauTĂŒrkis und soll nun gemeinsam mit HC Strache und den Freiheitlichen eine Regierung bilden. Die kippten zur Feier des Tages gleich mal das geplante, absolute Rauchverbot. FĂŒr die richtig guten Nachrichten sorgt also besser der Verfassungsgerichtshof: Denn auch, wenn der neue Kanzler es nicht unterschrieben hĂ€tte, setzt sich die Ehe fĂŒr alle ab 1. Januar 2019 nun auch in Ăsterreich durch.