Vor einigen Monaten habe ich das Beat-Tape "Trapped in the ‘90s" des werten Ill Tal hier vorgestellt und es kurz daraufhin in glänzender Unprofessionalität versehentlich gelöscht. Das ist (nicht nur wegen der wunderbar-unaufdringlichen Beats und des noch viel besseren Covers) ärgerlich, aber be-sharet nun dem Oldenburger Beatmaker-Kollektiv Derock & Keina heute das Glück, die allerersten (bzw. zweiten, allerersten) Lieferanten einer Instrumental-Ausgabe auf LMTR zu sein. Zu den Fakten: Während man Derock wahlweise aus dem Dunstkreis von Gabreal kennen oder auch in Verbindung mit Chicagoer Verschwörungstheoretiker-Rap von D.N.A. bringen kann, ergab auch eine intensivere Recherche keine weiteren Infos zu Keina. Allerdings weckt das vorliegende Machwerk der Herren "The Movie Scenes: Loopz, Demos & Sketches" mitnichten Assoziationen eines klassischen Erstlings. Bereits von der ersten Sekunde merkt man, das hier alles so sitzt, wie es zu sitzen hat. Die rund 30-40 Skizzen (ich habe nicht nachgezählt!) stützen sich in der Regel auf die Produktionsweisen einer klassischer 90s-Hiphop-Sozalisation, was sich allerdings altbackender liest, als es tatsächlich klingt. Natürlich werden hier keine Hihats getriplet oder Dancefloors anvisiert und die Synthies dienen meistens eher einer Akzentuierung im eigentlich Sampleloop, doch ergibt sich die umfangreiche Auswahl aus Cloud-, Trueschool- und Jazz-Hop als angenehm abwechslungsreiche Angelegenheit. Aufgrund der fehlenden Tracklist, keinerlei Pressinfos und auch dem Verzicht auf Titel und einer (von DJ-) gemixten Albumstruktur, steht man zwar vor der musikalischen Lasswell-Formel aus Wer (?) macht hier eigentlich Wann (?) Was (?) mit Welchen Mitteln (?), doch zeichnen sich gelungene Teamarbeiten ja genau durch so ein Verschmelzen der Beteiligten aus. Zudem kommt der Free-Download im WAV.-Format, was zwar in Kombination mit einer eher schwachen Internetverbindung, ein wenig Geduld erfordert, aber einer anschließenden re-arrangierenden oder vokal-performativen Weiterverarbeitung keineswegs entgegenwirkt ( - der Klangqualität schadet es nun auch nicht unbedingt). Bei satten 52 Minuten instrumentalem Kleinkunsthandwerk, kann man das beiläufige "Harlem Shake"-Videos teilen zumindest für diese kleine Zeitfenster lohnenswert unterlassen und nebenbei noch die Bonusbeats abzugreifen. Boombappt, wirbelt Staub auf, hat Luft.