Als Kompass und Karte weist das Smartphone den Weg in die Freiheit. Es hilft FlĂŒchtlingen aber auch, pĂŒnktlich gen Mekka zu beten â und sich Deutsch beizubringen.
âNeustadt bei Coburg in Oberfranken â wĂ€hrend die acht jungen Syrer im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses darauf warten, dass auf dem Herd das HĂ€hnchen fertig wird, liegen auf ihrem Abendbrottisch die wichtigsten Utensilien bereit: Besteck, Teller und acht Smartphones. StĂ€ndig klingelt, vibriert und pfeift es. In knappen Textnachrichten beschreiben die in Syrien gebliebenen Eltern, wie es heute in Damaskus steht. Im Chat erzĂ€hlt ein Freund von seiner Unterkunft in Aachen, in der er gelandet ist. Zwischendurch schicken Onlinebekanntschaften Einladungen zum Internetspiel Candy Crush. Alle paar Minuten nimmt einer der MĂ€nner sein Handy in die Hand, entsperrt den Touchscreen, aktualisiert seinen Facebook-Stream, antwortet auf eine Nachricht, legt es zur Seite und greift bald wieder danach. Dies ist die Alltagschoreografie des 21. Jahrhunderts â und das Telefon ist das wichtigste Medium der GeflĂŒchteten.â
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"Bei Facebook gibt es Gruppen, in denen sich FlĂŒchtende austauschen. Jeder, der Arabisch spricht, kann sich darin ĂŒber Routen, Schlepper und Absteigen informieren. So wird das Smartphone zum Fluchthelfer. Aber das ist nur einer der GrĂŒnde, warum dieses GerĂ€t fĂŒr Menschen wie Rasoul al-Hamade so unentbehrlich ist. Mindestens ebenso wichtig ist es als Nabelschnur in die alte Heimat und als zentraler Integrationshelfer ins neue Leben. Wenn der Arabische FrĂŒhling von 2011 die erste Facebook-Rebellion war, dann kann man die groĂe Flucht des Jahres 2015 die erste digital gesteuerte Völkerwanderung nennen. Und all die digital refugees, die sich unterwegs mit ihren LadegerĂ€ten um die Steckdosen scharen und die, einmal angekommen, stĂ€ndig zu ihren Telefonen greifen, sie fĂŒhren uns zugleich den Stand der Vernetzung unseres Planeten vor Augen.â
... âDas Smartphone ist das globalste aller DigitalgerĂ€te â und damit vielleicht auch das demokratischste. Erst vor acht Jahren kam es in Gestalt eines Luxusaccessoires auf den Markt, des ersten iPhones. Aber fast von Anfang an spielte die Geschichte des Smartphones auch in der Dritten Welt. Dort sind Handys in vielen Staaten lĂ€ngst stĂ€rker verbreitet als Festnetztelefone. "Die EntwicklungslĂ€nder sind ein einziger groĂer Secondhandmarkt", sagt Vassilis Tsianos"
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