Pioneer DJE-2000 Test
Pioneer DJE-2000 In-Ear-Kopfhörer im bonedo.de-Test – Seit Jahren schon bevorzugen viele Musiker auf der Bühne eine Direktbeschallung der Ohren mittels In-Ear-Monitors (IEMs). Schließlich lassen die Gründe aufhorchen: Unabhängig von der Bühnenposition nehmen die Ohren im Vergleich zur klassischen Volldruckbeschallung über fest platzierte Monitore ein konstant klingendes Signal wahr, wobei sie zusätzlich sie als Lärmschutzfilter vor der Main-PA dienen und im Gegensatz zu dieser weniger „zerr- und zeitkritisch“ in der Signalübertragung sind. Vorurteile einer gefühlten akustischen Abkapselung kompensieren sogenannte Ambient-Filter, die dem Performer mit eingestreuten Umgebungsgeräuschen nicht das Gefühl einer sterilen Studiosituation vermitteln, sondern das einer Live-Session vor Publikum.
Motiviert von diesen Vorteilen versuchten nicht nur Ultimate Ears, Ortofon oder Shure, um nur einige zu nennen, den auf diesem Gebiet recht unerfahrenen DJ von ihren Produkten zu überzeugen, doch die flächendeckende Akzeptanz der Stöpsel blieb bis dato aus. Nun steigt auch Pioneer in den Ring und man fragt sich, ob die DJE-2000 schlagkräftige Argumente auffahren können, um den Status quo abzuändern und die Kanzeln und Stages des Planeten zu erobern.
Kopfhörer sind nicht nur DJ Controller Werkzeug und Stil-Element eines DJs, sondern auch eine Frage des persönlichen Geschmacks: Je nach Tragekomfort, Klang, Robustheit, Budget und Design kommt man am Ende zu der Entscheidung: „Das ist mein Kopfhörer!“ Eventuell begleitet er einen sogar über die ganze Karriere, denn wie sagt man so schön: „Never change a running System“. Das macht es für die Hersteller der Ohrbeschaller nicht leicht, die Protagonisten zu ermutigen, auf ein anderes Modelle umzurüsten, schließlich sind hochwertige Profi-Kopfhörer kein Fünfzig-Euro-Gadget, das man bei Unzufriedenheit einfach durch ein Neues ersetzt. Was den In-Ear-Monitor angeht, lässt sich also festhalten, dass DJs traditionell auf geschlossene Kopfhörer setzen und in puncto In-Ear-Beschallung meist noch unerfahren sind.
Zeitverzögerte Signalreflektionen mächtiger PAs
Jedoch gelingen DJ Controller Mixes mit In-Ears möglicherweise wesentlich sauberer und filigraner, da jede Einstellungsänderung am Mixer oder an den Decks ohne Verzögerung und Verzerrung, aber trotzdem im Detail wahrgenommen wird. Zeitverzögerte Signalreflektionen mächtiger PAs hingegen, die einen aus dem Takt bringen und in der Folge durch einen zu stark aufgedrehten und damit nicht selten plärrenden Monitor kompensiert werden, „überhört“ man einfach mit den kleinen Stöpseln. Und selbst wenn die Ohrkapseln schon fast das Trommelfell berühren, lässt sich das Publikum noch wahrnehmen, wenn der DJ den Kopfhörer-Pegel runterfährt. Weitere Gründe, wie die Platzersparnis im Gigbag oder dass der Kopfhörerbügel keinen Graben mehr durch die mühevoll toupierte Frisur zieht, fallen dabei schon fast unter den Tisch. Dagegen schmälern Voreingenommenheit, Unerfahrenheit und nicht zuletzt der Preis die Neugier auf dieses DJ-Equipment. Zumindest möchte man die 299 Euro UVP für Pioneers EDJ-2000 am liebsten überhören, sofern man als DJ nicht schon schwerhörig ist, was bei mir die Frage aufwirft, ob sich der Kauf eventuell auch prophylaktisch auszahlen könnte …
Schon die DJ Controller Verpackung mit ihrem aufklappbaren Schaufenster macht Appetit auf mehr. Die beiden formschönen Stöpsel mit ihren roten und silbernen Kennzeichnungen und Beschriftungen muten edel und robust an. Das geschlossene, hybride Zweiwege-Treibersystem der Pioneer DJE-2000 verspricht satte Bässe, definierte Mitten und brillante Höhen mit einem maximalen Schalldruck von 103 dB. Verantwortlich zeigt sich hierfür ein 9,4 Millimeter großer, im hinteren Teil der Kapsel arrangierter, dynamischer Treiber in Kombination mit einem kleineren, im vorderen Teil platzierten „Balanced-Armature“ Treiber. Die maximale Eingangsverstärkung ist mit 500 mW angegeben, die Impedanz mit 30 Ohm. Der Frequenzgang von 6 - 22.000 Hz kann sich zumindest auf dem Papier schon einmal sehen lassen. Das Kopfhörerkabel wirkt sehr strapazierfähig und ist zur Verstärkung und zum Schutz gegen Bruch und Verdrehen mit Textil umwickelt. Es lässt sich unterhalb der beiden Düsen einstecken und somit auch bei Verschleiß auswechseln. Praktisch! Beim Andocken der vergoldeten Kontakte über die sogenannte „MMCX“-Verbindung bestätigt ein Klicken den festen Halt und ich kann das Kabel mittels einer zusätzlichen Schlaufe festzurren.
Ein vergoldeter Mini-Klinkenstecker erlaubt das Zusammenspiel mit mobilen Endgeräten wie einem Smartphone oder MP3-Player. Für den professionellen Einsatz, beispielsweise an einem Effektgerät oder beim Cueing am DJ-Mixer, legt Pioneer einen vergoldeten 6,3-Millimeter-Adapter bei.
Zum weiteren DJ Controller Lieferumfang zählen, neben dem weniger informativen Beipackzettel, noch ein kleines Etui für den sicheren Transport des wertvollen Guts und acht Ohrkapseln in den Größen XS, S, M und L. Da die regelmäßige Reinigung der Aufsätze zum guten Ton gehört, darf natürlich auch eine Bürste nicht fehlen. Zusätzlich zu den Silikonträgern legt Pioneer drei Schaumstoff-Ohrkapseln Tx-500 (in S, M, L) sowie einen Dreiflansch bei, um den persönlichen „Ohr-Anforderungen“ gerecht zu werden. Es gibt also eine stattliche Auswahl an Kapseln für den optimalen Sitz, welcher zum Reproduzieren des Klangbildes wichtig ist – vor allem der Bässe. Ob dies tatsächlich auch gelingt, erfahrt ihr im nachfolgenden Praxisteil.
Fingerfertigkeit, Geduld und Zeit
Um den „Zweitausendern“ (und meinen DJ Controller Ohren) ein aussagekräftiges Testszenario zu spendieren, schließe ich die In-Ears an den Oberklasse Receiver Denon AVR-X4000 an, dem ich von einem Pro-Ject XPerience Classic-Turntable samt montierten Ortofon Cadenza Blue ein analoges Vinyl-Signal zuspiele. Doch vor dem Anlegen der IEs ist zunächst die passende Größe und der gewünschte Kapseltyp auszuwählen und auf die Lautsprecherdüsen zu montieren. Aus eigener Erfahrung sitzen die Dreiflansch-Ohrkapseln bei mir am besten, aber es spricht auch nichts dagegen, sich durch die verschiedenen Formen „durchzutesten“ – allerdings nicht spontan im dunklen Club oder noch kurz vor einer Performance. Schließlich benötigt man zum Aufziehen schon etwas Fingerfertigkeit, Geduld und Zeit.
Zum Sitz und Tragekomfort
Sitzen die DJ Controller Kapseln fest auf den Düsen, führt man die IEs vom Nacken kommend über die Ohrmuschel von oben in den Gehörgang. Die Kabelführung über den Rücken verhindert ein Herausreißen der Ohrstöpsel durch ungewolltes Hängenbleiben am Kabel, weshalb eine klassische, vor dem Körper herunterhängende Strippe nicht in Frage kommt. Zu guter Letzt zurre ich noch die Schlaufe im Genick fest, um die Position zusätzlich zu fixieren. Zum Sitz und Tragekomfort ist zu sagen: Der auf den Gehörgang ausgeübte Druck ist angemessen und nur leicht spürbar und fühlt sich auch über einen längeren Zeitraum noch angenehm an. Meinen Kopfbewegungen folgen die 6,1 Gramm (ohne Kabel) wiegenden IEMs, ohne ihre Position zu verlieren.
Die Möglichkeit der Nutzung
Beim Klangtest offenbart sich mir ein äußerst ausgeglichener DJ Controller Sound. Sehr klare, nicht überspitzte Höhen betten sich auf einen hörbaren, nicht aufdringlichen Bassteppich. Hier bestätigt sich auch die Theorie des heraustretenden Schalls, denn nur mit wirklich fest und tief sitzenden Kapseln entfalten die Ohrstecker ihr komplettes Spektrum. Lediglich den Maximalpegel halte ich für vielleicht etwas knapp bemessen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in der Kombination mit einem DJ-Mixer, wie dem Rane Sixty Two ab. Die Möglichkeit der Nutzung mit einem Smartphone oder MP3-Player ist sicherlich ein weiterer Vorteil dieser handlichen Ohrhörer, den man aber nicht als Hauptargument für den Kauf in Erwägung ziehen sollte. Schließlich bleibt, was die Soundqualität angeht, bei vielen mobilen Geräten doch einiges auf der Strecke.
Via: Bonedo










