Dollberg und Erbeskopf, zwei auf einen streich; BÄHM!!!
Wir möchten mehr Bähm in unserem Leben, bähm, bähm, bähm!!!
Es ist Ende Mai und Arsch kalt, die Campingsaison ist eröffnet. Die Rote Socken Fraktion hat stante pede ihr superteures Spitzenzelt eingepackt und sich aufgemacht in den Hunsrück, um gleich „zwei“ Gipfel zu bezwingen. Nr. 1 den Dollberg im Saarland und Nr. 2 den Erbeskopf seines Zeichens höchste Erhebung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz.
Angekommen im Saarland auf dem Campingplatz in Birkenfeld, entdeckten unsere Adleraugen auf der schönen Zeltwiese
diverse Zeltgruppen und Gruppenzelte. Für uns ein klarer Hinweis darauf, dass man hier des Nachts nicht nur das Schnarchen aus dem Nachbarzelt hören wird. Die Bässe wummerten bereits aus den Boxen und trafen sich im Zentrum der Wiese um einander überlagernd in unsere Gehörgänge zu kriechen. Der Qualm etlicher Grills schwängerte die Luft, als wir uns auf die Suche nach dem Eingang zur Rezeption begaben. Einmal im Uhrzeigersinn ums Haus herum, um die Türe dann, vom Startpunkt aus gesehen, zwei Meter gegen den Uhrzeigersinn zu finden. „Wir sind wahre Pfadfinder“ Bähm!
Drinnen erwartete uns eine Dame fortgeschrittenen Alters, noch im Gespräch mit zwei Jungendlichen. Diese beeindruckten durch ihre Höflichkeit und die perfekt, locker auf das Haupthaar gelegten Cappys.
Wiedermal wurde unsere Erfahrung bestätigt, dass auf den sogenannten „Kevin und Chantal“ Campingplätzen meist ein sehr freundlicher und offener Umgangston vorzufinden ist. Wohingegen auf Plätzen wo die Kinder Kasper und Luna gerufen werden, die Eltern von der Unterhose bis zur Oberbekleidung von der Outdoorindustrie ausgestattet sind und die in Kunststoff eingeschweißten Biobananen vor den Zelten liegen, verschämt weggeschaut wird, wenn man jemandem einen freundlichen Guten Morgen wünscht.
Aber nun zurück zur Anmeldung. Die Dame hinter dem Tresen, stilvoll in eine Trainingshose aus türkisfarbener Ballonseide mit passendem lila Oberteil (welches elegant in die Hose gesteckt wurde) gekleidet, nahm unsere Anmeldung auf. Sie hatte Verständnis dafür, dass wir nicht zwischen den Partyzelten nächtigen wollten und wies uns eine Parzelle am anderen Ende des Platzes zu. Nach den üblichen Formalien, erkundigte sie sich nach unseren Plänen für das Wochenende. „Wir sind gekommen um die höchste Erhebung des Bundeslandes zu besteigen.“ „Ahh, den Erbeskopf!“, “Ähja, den auch, aber das ist der höchste Gipfel von Rheinland-Pfalz, hier im Saarland ist es der Dollberg……..“ „ Achso, davon hab ich ja noch nie was gehört. Aber am Erbeskopf ist morgen die Eröffnungsfeier für den neuen Nationalpark, da kommt sogar die Ministerin.“ Oh Nein!!! Wie ein Blitz durchzuckte es uns. Bilder von Menschenmassen, die rings um den Berg die Wanderwege bevölkern, erschienen vor unserm inneren Auge.
Egal, Auto geholt, ruckzuck Zelt aufgebaut und nach einem Köstlichen Eintopf, den wir auf unserem brandneuen superteuren Campingkocher zubereitet hatten krochen wir ins Zelt und ruhten auf unseren schon etwas älteren aber superteuren Isomatten aus. Nach einem nächtlichen Toilettengang fiel Ernst (Name von der Redaktion geändert) ein, dass er Lust auf eine Partie Schach hätte………aber leider, leider, hatten wir kein Schachbrett……so ein Pech!!! Also, wieder auf die Seite gerollt in die superteuren Schlafsäcke gekuschelt und weitergeschlummert. Um 07:20h Weckalarm, Ernst war wach und forderte Bewegung. Er mahnte ein frühes Aufstehen für die Doppel-Gipfelbesteigung an. Nach einem reichhaltigen Frühstück und dem Rucksack packen, inclusive eines üppigen Lunchpaketes, für den Tag, machten wir uns auf den Weg.
Nachdem wir keine Busverbindung zum Erbeskopf ausfindig machen konnten, beschlossen wir einfach erstmal los zu laufen und vom Dollberg zum Erbeskopf zu Wandern.
Schwubbediwups rauf auf den Dollberg, das war ein Katzensprung, runter durch das Unterholz war auch kein Problem. Schnell noch etwas Ballast im Auto abgeworfen und los gings zum Erbeskopf. Wir suchten uns die schönsten Pfade entlang des Saar-Hunsrücksteiges und vernachlässigten dabei den Blick auf die Wanderkarte. Gut gelaunt wurden diverse Jausen-Pausen eingelegt und fröhlich, Wanderer die unseren Weg kreuzten, gegrüßt.
Unterwegs raschelte es ständig im Laub und wir entdeckten eine Vielzahl von Mäusen die rasch in ihren Löchern verschwanden und uns mit niedlichen Knopfaugen aus ihren Unterschlüpfen heraus kritisch beobachteten.
Schließlich wunderten wir uns dann doch über die Kilometerangaben auf den Schildern, die nicht weniger zu werden schienen, obwohl wir schon geraume Zeit unterwegs waren. Ein Blick auf die Karte überzeugte uns davon, dass wir uns noch auf dem richtigen Weg befanden. Ohne Uhr und GPS mussten wir uns mal wieder am Stand der Sonne orientieren (diese stand schon wieder tief) und wir beschlossen anstelle der schönsten Pfade den kürzesten Weg zu wählen. Nun ging es rasant dem Gipfel entgegen. Oben angekommen trafen auf wir ein paar letzte Nationalpark-Eröffnungs-Besucher! Ein freundlicher älterer Herr war damit beschäftigt arglosen Wanderern ungefragt die Kunstwerke auf dem Gipfelplateau und auch den Reste der Welt zu erklären!!!
Nach einer Stärkung auf dem Gipfel genossen wir noch kurz die Aussicht und erhaschten den Blick auf eine Armbanduhr, der uns sagte, dass es bereits 18:30h war. Nach 8 Stunden Wandern im Hunsrück graute uns vor dem Rückweg von mindestens 12 Kilometern und dass nicht auf den schönsten Pfaden sondern auf kürzestem Weg immer entlang der Landstraße. Da fasste sich Ernst ein Herz und sprach ein freundliche erscheinendes Pärchen an, welches bereits mit dem Auto zu verschwinden drohte. Mitleid erregend wie wir aussahen, erklärten sie sich kurzer Hand bereit einen kleinen Umweg zu machen und uns an unserem Startpunkt abzusetzen. Wir sind der Meinung das war „Spitze“.
So hatten wir noch genügend Zeit uns in Birkenfeld ein Restaurant zu suchen, in dem wir gemütlich zu Abend essen konnten. Wir freuten uns auf Gutbürgerliche Küche im Oldenburger Hof. Die Italienische Bedienung machte uns schon etwas stutzig. Auch die auf dem Nachbartisch verteilten Salatreste, die trotz Gast nicht weggeräumt wurden erschienen uns seltsam. Wir trauten uns trotzdem etwas zu bestellen. Es gab gutes Fleisch mit Spätzle und einer „fiesen“ Sauce. Beim verlassen des Restaurants vergaß Ernst sein Handy-Portmmonaie, dies bemerkte er leider erst kurz vor dem Campingplatz, also nochmal zurück.
Auf dem Weg zum Auto entdeckten wir noch den Grund für die vielen Mäuse im Wald. Die örtlichen Katzen tragen nämlich kein Fell und trauen sich bei Kälte deshalb nicht aus dem Haus.
Noch eine Nacht im Zelt und wir machten uns wieder auf den Heimweg.
Anmerkung von Ernst zu dem besuchten Campingplatz: „Auf der Herrentoilette roch es, als würde eine alter Mann verwesen“. Wir machen uns „ernst“-haft Sorgen!!