I wie „Indianer“
Gut, nicht jeder Historiker oder solche, die es einmal werden wollen, sind ausgewiesene Experten der beiden Amerikas. Was gehen denn bitteschön die Ureinwohner dieser Kontinente unseren fröhlichen Wald-und-Wiesen-Historiker von nebenan an? In seinem lauschigen Archiv wird er wohl kaum einem Ureinwohner aus Übersee begegnen können. Dies mag in der Regel wohl stimmen. Doch ist der Buchstabe I wohl einer der größten „Fehler“ der Geschichte.
Und alles begann mit einem Italiener, der keine Kohle bekam und bei den Spaniern um Geld bettelte, um nach Indien zu reisen. Dass er da niemals ankam, wissen wir bereits. Aber dennoch hat sich dieser ursprünglich geographische Irrtum so tief in unseren Sprachgebrauch hinein begeben, dass wir ihn nicht mehr heraus bekommen. Man darf dem Normalo keine Vorwürfe machen. Auch Historiker sind in der Hinsicht nicht immer ein gutes Beispiel. Auch uns kommt diese seltendämliche Bezeichnung für die Bewohner Amerikas immer noch locker von den Lippen. Natürlich könnte man denjenigen, die versuchen Kolumbus' sprachliche Entgleisung zu revidieren zu viel „politische Korrektheit“ unterstellen. Doch diese haben einen Atlas in die Hand genommen – sowohl den physischen als auch den etymologischen. Und da wurde eins klar: Weil ein verrückter Genuese einst zu Amerikanern Indianer gesagt hat, wurden aus den „echten Indianern“ die Inder und aus einen Haufen übelriechender Exileuropäer plötzlich Amerikaner. Hallo? So viel Tabak konnte man doch gar nicht rauchen, um solch einen Stuss zu verzapfen! Oder war dies doch der Fluch der „echten Amerikaner“? Matschiges Hirn als Rache für die Unterwerfung der gestrandeten Christen aus Europa?
Es gibt zum Glück erste Bemühungen, die „Indianer“ als „First Nation“ zu bezeichnen. Etwas umständlich, sind sie doch die eigentliche Bevölkerung beider Kontinente gewesen. Die Bezeichnung hat etwas von „Ureinwohner“, „Urbevölkerung“ - wenn nicht etwas wertendes, dann doch einen Beigeschmack. Immerhin ist es wieder unsere Sicht auf die Dinge, die die Menschen gleich als „Nation“ zusammenfügt, weil wir hier in Europa seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert gewohnt sind, in Nationen zu denken. Dass sich die amerikanischen Stämme untereinander auch nicht immer einig waren, sollte sich bereits herumgesprochen haben. Sie somit einer weiteren Gleichmacherei durch die einstigen Eroberer zu unterziehen, ist fraglich. Wie wir dieses Problem der sprachlichen Entgleisung je beheben können, ist schwer zu beantworten. Was bleibt, ist, dass die „Indianer“ eines der größten sprachlichen Opfer der menschlichen Geschichte sind.










