Man sagt, die Stimme ist das Erste, das man vergisst, wenn jemand stirbt. Aber das stimmt nicht. Du bist ein Jahr tot & ich kann mich an jedes noch so kleine Detail erinnern, das dich ausmacht. Ich sehe deine Haare vor mir, deine weißen, grauen, teilweise noch schwarzen, dicken, dichten Haare. Ich sehe deine braunen Augen, die mittlerweile verblasst sind und mich anschauen. Ich erinnere mich an deine Warze auf der Nase, die so flach und hell war, dass man sie kaum erkennen konnte. Ich sehe alles vor mir, wenn ich an dich denke, Oma. Und vor allem erinnere ich mich daran, was du zuletzt zu mir gesagt hast. Am 19. Juli 2018 gingen wir zusammen die Essenspläne für deinen kurzzeitigen Aufenthalt im Pflegeheim durch, und dann habe ich dir erzählt, dass ich in drei Wochen siebzehn Jahre alt werde. „Darfst Dir was wünschen von der Omi“, hast du gesagt. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Als Mama und ich uns von Dir verabschiedeten, hab ich dich umarmt, Dir gesagt wie sehr ich dich liebe und Dir versprochen, dass wir dich morgen oder übermorgen schon wieder besuchen kommen. Du saßt in deinem Rollstuhl, hast uns den Rücken zugewandt, aus dem Fenster geschaut und „Jaa“, gerufen. Acht Tage später, heute, vor einem Jahr bist du an den Folgen eines schweren Schlaganfalls um 7:15 Uhr verstorben. Ich vermisse dich jede Sekunde, ich denke jeden Tag an dich und ich bin so dankbar, dass ich deine Enkeltochter sein darf.










