aus der Reihe EiN STANDARD / FRAGEN AN
Puppentheater mal anders
wie gerade der schwierigste Stoff Kraft geben kann
sueyourass.de im Gespräch mit Pierre Beng, Student im dritten Jahr an der Ernst Busch Schule für Schauspiel, Abteilung Puppenspielkunst, zu Berlin
sueyourass.de : In deiner aktuellen Arbeit geht es um einen Wissenschaftler, der seine scheinbar große Liebe durch einen Unfall verliert und diese Frau danach wieder zum Leben erweckt, nur um danach von ihr getötet zu werden. Was hat dich genau an diesem Stoff gereizt?
P. Beng : Die Frankenstein-Thematik ist an sich ja nicht neu. Was aber für viele Menschen neu sein könnte: Puppenspiel ist weit mehr als Kindergeburtstag oder ähnliches. In meiner Arbeit geht es um Vergänglichkeit - und das Leben an sich, so profan es klingen mag. Der Stoff ist stark mit Karlos Ruiz Safons Buch „Marina“ verknüpft.
sueyourass.de : Mir stellte sich nach dem Stück unter anderem die Frage: sind Puppen die besseren Sterbenden?
P. Beng : Ich glaube, dass eine Puppe auf der Bühne genauso traurig sterben kann wie ein Schauspieler aus Fleisch und Blut. Eine Puppe kann aber auch vieles entschärfen. Wenn mein Protagonist seine zuvor verstorbene Freundin zusammennäht und wieder zum Leben erweckt, kann das weniger gewalttätig aufgenommen werden; trotz der zerstückelten Körper.
sueyourass.de : Obwohl Puppen ja eigentlich für Kinder gemacht werden, haben sie in manchen Fällen etwas bedrohliches, zahlreiche Beispiele aus Filmen ließen sich an dieser Stelle aufzählen. Zuschauern gefällt aber gerade anscheinend auch die Tatsache, dass eine Interpretation mit einer Handpuppe bei gewissen Thematiken noch wesentlich bedrückender wirken kann.
P. Beng : Das auf jeden Fall auch, klar. Eine Puppe kann das widerwärtigste auf der Bühne thematisieren und die Zuschauer lachen im Zweifelsfalle sogar. In meinem Stück geht es um Verlust, um die nicht erwiderte Liebe, ebenfalls ja bekanntlich nicht ganz simpel thematisch.
sueyourass.de : Wie kamst du denn explizit auf dieses Buch?
P. Beng : Es wurde mir empfohlen. Ich wusste direkt: das machst du jetzt. Es ist einfach eine wunderbare Geschichte. Meine Arbeit weicht hier und da auch etwas von „Marina“ ab. Dennoch sind der Kern und die Dramatik erhalten geblieben. Dieser Mann liebt auf seine Weise so stark, und überschreitet eine gesetzte Grenze: er erweckt seine Frau nach ihrem tragischen Unfall wieder zum Leben. Doch sie ist anders, nicht mehr die selbe. Es geht, wie so oft, um die große Liebe.
sueyourass.de : Wie weit darf die Wissenschaft gehen?
P. Bang : Ich kann aus eigener Erfahrung einschätzen, wie wichtig zum Beispiel die medizinische Forschung sein kann, ich verdanke ihr mein Leben. Fortschritt an sich ist ja nichts verkehrtes.
sueyourass.de: Pierre, ich danke dir für das Gespräch und wünsche dir weiterhin viel Erfolg.














