Erwin Bechtold, "In der Schwebe," (In Limbo) 1959,
Mixed media on canvas, 60 x 73 cm
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Erwin Bechtold, "In der Schwebe," (In Limbo) 1959,
Mixed media on canvas, 60 x 73 cm
Schwarz in seiner dynamischen Vielfalt Von Petra Grünendahl
Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.
„Alles, was ich zu sagen habe, sagen meine Arbeiten!“, erklärte Erwin Bechtold (*1925 in Köln). Ganz so wortkarg gab sich der Künstler, der im April 95 Jahre alt wird, dann aber doch nicht. In der Kunst habe er die Freiheit gesucht und gefunden, sich zu entwickeln, erzählte er. Insbesondere nach der Diktatur der Nazi-Zeit, die er als Kind miterlebt hatte. Seine Farbe ist Schwarz: die Schwärze harter Schatten im gleißenden Sonnenlicht. Andere Farben dienen dazu, das Schwarz angemessen in allen seinen Schattierungen zur Geltung zu bringen:
Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.
Von Weiß- über Erdtöne bis hin zum Blau. Der pastose Auftrag von Mischfarben schafft eine fast plastische Wirkung von Tiefe und Dynamik in den Bildern. Insbesondere die großformatigen Werke entfalten in den hohen Erdgeschossräumen des Museums ihren besonderen Reiz. Sie reflektieren eine Ambivalenz von Ordnung und Chaos, sieht sich der Künstler doch selber als „Störenfried“, jemand, der die Ordnung zerreißt und in Frage stellt. „Der Mensch steht im Mittelpunkt meiner Arbeit“, so Bechtold. Seinen abstrakten Werken haftet etwas Geheimnisvolles, zu Ergründendes an.
Erwin Bechtold (m.) mit Kuratorin Eva Müller-Remmert (l.) und Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling (er.) im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.
Zum Pressegespräch zur neuen Sonderausstellung „Bechtold“ hatte das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM) am Duisburger Innenhafen eingeladen. Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling, Kuratorin Eva Müller-Remmert und der Künstler Erwin Bechtold standen nicht nur Rede und Antwort, sondern auch für einem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung zur Verfügung. Bechtold gehört zu den wichtigsten Vertretern der abstrakten Nachkriegskunst in Deutschland und Spanien, wo er seit über 60 Jahren mit seiner zweiten Frau Christina auf Ibiza lebt.
Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.
Die Ausstellung im MKM hat der Künstler geplant und aktiv mitgestaltet. Finanziell unterstützt wird die Ausstellung von der Sparkasse Duisburg. Die Werkschau des Künstlers ist nach zwanzig Jahren seine erste Ausstellung dieser Dimension in Deutschland. Sie umfasst Werke von 1957 bis 2014. Bechthold, dem man sein Alter in keinster Weise anmerkt, arbeitet immer noch fast täglich in seinem spanischen Atelier. Die Kunst sei seine Energiequelle, so der fast 95-Jährige.
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Der Künstler
Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.
Als einziger Sohn und Urenkel des Gründers einer Großdruckerei war Bechtolds Lebensweg nach der Familientradition vorbestimmt. Er machte 1944 sein Abitur und 1950 seinen Meister als Setzer und Drucker. Schon während der Lehrzeit wurde ihm klar, dass ihm dieser Beruf nicht die kreativen Möglichkeiten gab, die er suchte. Nach einem kurzen Studium an den Kölner Werkschulen bei Friedrich Vordemberge unternahm er eine Reise nach Paris, wo er bei Fernand Léger arbeiten konnte. Von Paris aus plante er eine kurze Reise nach Barcelona. Begeistert von Spanien beschloss er, dort zu bleiben. Bald bekam er engen Kontakt mit der katalanischen Avantgarde. 1956 hatte Bechtold seine erste Einzelausstellung in Spanien. 1954 besuchte er erstmals Ibiza, wo auch ein Jahr später sein Sohn geboren wurde. Er trennte sich 1956 von seiner ersten Frau, ging zeitweise nach Deutschland (Berlin) zurück, bevor er sich 1958 mit seiner zweiten Frau dauerhaft auf Ibiza ansiedelte, wo er seitdem seinen Lebensmittelpunkt hat. Trotzdem bezeichnet sich der Künstler, nach seiner Heimat befragt, sprachlich unverkennbar: als Kölner!
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Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.
Mit seinen Werken ist der deutsch-spanische Künstler in öffentlichen und privaten Sammlungen in aller Welt vertreten. Zwar verfügt auch die Sammlung Ströher, die im Museum Küppersmühle beheimatet ist, über eine ganze Reihe an Werken von Erwin Bechtold, aber das Gros der Ausstellung sind Leihgaben: von privaten Sammlern, aber auch vom Künstler selbst. Rund 100 Werke aller Größen hängen in den Erdgeschossräumen des Museums am Innenhafen.
Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.
Zur Ausstellung ist im Winand Verlag, Köln, ein umfassender Katalog erschienen mit Beiträgen von Kuratorin Eva Müller-Remmert, von Nicola Carola Heuwinkel und Christoph Zuschlag sowie einem Gespräch mit dem Künstler (geführt von Walter Smerling). Das reich bebilderte, zweisprachige Buch (128 Seiten, deutsch-englisch) ist für 29 Euro an der Museumskasse sowie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-86832-566-9) zu bekommen.
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Impressionen von der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
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Museum Küppersmühle: Duisburger haben donnerstags freien Eintritt
Erwin Bechtold (r.), Kuratorin Eva Müller-Remmert (dahinter) und Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling (l.) im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.
Die Ausstellung „Bechtold“ ist bis zum 24. Mai 2020 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro (ermäßigt 4,50 Euro). Bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card und des DB Bonusprogramms. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Zur Ausstellung wird es wieder ein reichhaltiges Begleitprogramm geben. Informationen gibt es unter http://www.museum-kueppersmuehle.de). Für manche dieser Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich.
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
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MKM Museum Küppermühle in Duisburg zeigt Erwin Bechtold Schwarz in seiner dynamischen Vielfalt Von Petra Grünendahl „Alles, was ich zu sagen habe, sagen meine Arbeiten!“, erklärte Erwin Bechtold (*1925 in Köln).
Immer wieder stosse ich auf KünstlerInnen, die seit 50, 60 oder fast 70 Jahren malen, kreativ sind auf verschiedenste Art und Weise und natürlich nach all den Jahrzehnten des Schaffens dementsprechend ein gewisses Alter erreicht haben. Ja warum sollte man eigentlich nicht bis ins hohe Alter malen, tanzen, singen, kreativ sein, solange man den Pinsel noch halten oder seine Hände in die Farbe tunken oder tanzen, singen und inspiriert sein kann und selbst inspiriert ist?
Ich stelle mir mein Dasein als Künstlerin auch so vor, dass ich solange ich es eben kann, mit Sicherheit tatkräftig weitermalen würde. Kunst kennt weder Limit noch Alter finde ich.
Neulich stiess ich dann auf den Mallorquinischen Artikel über den deutschen Künstlers Erwin Bechtold (92), der schon seit Jahrzehnten auf Ibiza lebt.
(Erwin Bechtold, Foto von Jon Izeta)
Zu lesen hier:
http://www.mallorcazeitung.es/kultur/2017/02/27/erwin-bechtold-92-jahren-immer/49387.html
Da mir der Künstler jedoch unbekannt war, habe ich mal nachgeforscht und fand Folgendes. (Bitte hier klicken)
(beide Werke von Erwin Bechtold)
Dann suchte ich aber noch weitere KünstlerInnen und fand einige, die schon etwas älter (reifer) sind und viele Jahre schon in ihrem Metier wirken:
Sheila Rozann (88, amerikanische, ehemalige Ballettänzerin, heute Lehrerin)
Yayoi Kusama (87, japanische Künstlerin)
Otto Piene (+86, deutscher Avantgarde-Künstler, der in Ausübung seiner Kunst verstarb)
Gerhard Richter (85, deutscher Maler)
Georg Baselitz (79, deutscher, neoexpressionistischer Maler)
Anselm Kiefer (72, deutscher Maler)
Richard Serra (77, amerikanischer Bildhauer)
Spannend und inspirierend wie ich finde.
Malen bis ins hohe Alter? Immer wieder stosse ich auf KünstlerInnen, die seit 50, 60 oder fast 70 Jahren malen, kreativ sind auf verschiedenste Art und Weise und natürlich nach all den Jahrzehnten des Schaffens dementsprechend ein gewisses Alter erreicht haben.
Erwin Bechtold, “Das Denkmal”
(via Pin de Sam S | Erwin Bechtold)