Flashback-Friday
Tourtagebuch pt. 7 Rostock, 22.04.2008 – Scandlines Arena „Zeit für richtig geilen Rock bei Fury in der Stadt Rostock“ Irgendwann mittags fielen wir aus den Federn. Und nach der morgendlichen Routine, die auch auf Tour beibehalten sein will (Aufstehen, Kaffee, Nikotin, Mensch), folgte ein ausgiebiges Frühstück. Es war auch nicht mehr normal, was das Tier im Bauch da forderte. Aber da die Hose schon wieder ein Stück tiefer hing und nun drohte, den Abgang über die Hüften zu machen, war das irgendwie schon genehmigt. Und wer weiß, wann es das nächste Mal was in den Magen geben würde. Ziemlich unaufgeregt machten wir uns auf den Weg nach Rostock. Doch kaum im Auto unterwegs begann mein Körper gegen mich zu kämpfen. Latente Übelkeit nennt man das wohl. Und es wich nicht von mir. Lene drehte sich alle paar Kilometer zu mir um, um nachzuschauen, ob wir nicht vielleicht doch mal einen kurzen Stop einlegen müssten. Aber speien musste ich ja gerade nicht. Ich beschloss, das zu tun, was immer im Auto hilft, wenn irgendwas verdrängt werden muss. Ich breitete mich auf der Rückbank aus und fiel irgendwann in einen kurzen, aber tiefen, seligen Schlaf. Beim Wachwerden waren wir schon nah an der Stadtgrenze und mir war zwar immer noch übel, aber das Ziel war nun nah. Gut, ein wenig rumkurven mussten wir schon noch, bis wir die richtige Straße fanden und uns dann nicht vom Wohnsiedlungscharakter abschrecken lassen. Und siehe da, wir wurden fündig und waren mal wieder vor der Band da. Wir gingen ins nahe gelegene Restaurant mit Außenbereich, wo wir uns unseren Koffeinschub abholten und natürlich die Örtlichkeiten aufsuchten. Und während wir dort saßen fuhr der Bandbus mit Christof als Beifahrer vorbei. Aber in der orangen Jacke erkennt man den auch noch aus einer Meile Entfernung. Nachteil an dieser Beobachtung: Prompt setzte mein Bühnefindeinstinkt wieder ein. Dafür war mir aber nicht mehr ganz so übel. Jede Medaille hat halt ihre zwei Seiten. Also tranken wir aus und bewegten uns in Richtung Eingang. Und wurden verwirrt. Offensichtlich wird in dieser Halle Sport betrieben und die Sportler verursachten ein Kommen und Gehen. Wie sollte das bloß beim Einlass werden?! Komisches System. Der Merch war jedenfalls schon aufgebaut. Aber irgendeine Form von Security schien noch nicht wirklich vorhanden. Na ja, wie heißt es so schön: Ich hab das nicht veranlasst und das ist trotzdem keine Übung. Wir waren ziemlich lange die Einzigen in der nicht vorhandenen Schlange und ließen uns vom Winde verwehen. Da half auch die Sonne, die kräftig vom blauen Himmel schien (YES!) wenig. Mit Nancy und Supie wurden wir dann irgendwann verstärkt, aber so richtig steppte der Bär erstmal nicht in Rostock. Erst etwa eine halbe Stunde vor Einlassbeginn, als die dann doch vorhandenen Ordner die Gitter aufstellten, füllte sich das Areal – spärlich. Uns war es eins. Wir standen vorne, begrüßten wie jeden Tag Jens und konnten eine Runde mit Fabi klönen, welcher ein wenig mehr über die „Pleiten, Pech und Pannen“-Tour – in gesundheitlicher Hinsicht – erzählte. Aber war, Gott sei dank, nur ein Fehlalarm gewesen. Und dann durften wir endlich raus aus dem Wind und rein ins nichtvorhandene Getümmel. Am Gästelistencounter stand der Gerrit parat, welcher sofort bei unserem Anblick der Frau am Schalter assistierte und meinen Namen glatt richtig buchstabierte. Das musste ich dann sofort mit einer Verbeugung honorieren. Ist halt doch die Mama! So flott war es die ganze Tour über noch nicht mit der Gästeliste gegangen und so waren wir dann mit die ersten, die rein konnten und hatten absolut freie Platzwahl. Eigentlich wollte ich ja gerne mal wieder genau mittig, aber nachdem ich mir die Länge der Nase und die Absperrungsmöglichkeiten genauer betracht hatte, entschied ich, dass Christof und Christian wohl noch einen weiteren Tag mit unserem Anblick leben können müssen. (Und bevor einer fragt: Nein, ich habe nichts gegen Thorsten und Gero, aber a) ist dort vergleichsweise wenig Aktion – meistens – und b) ist auf der Seite vom Steg die Hilfstreppe und ohne Absperrung an der Treppe stehen, war mir dann doch zu „gefährlich“.) War die richtige Entscheidung. Und was hatten wir für Platz. Es schien als würde erstmal gar kein weiteres Publikum auftauchen wollen. Gut für uns, zwecks Flüssigkeitshaushaltsregulierung und späterer Party. Und mit meinem Eckplatz konnte ich wählen zwischen auf der Absperrung turnen und auf dem Steg sitzen. Bei welcher Band geht das schon?! Kurz bevor die Uhr uns verkündete, dass jetzt bald Zeit für Thorstens einleitende Worte sein würde, hatte Rostock ein paar mehr Leute reingetröpfelt. Kam gut, nicht mehr mit dem Rücken zu einer leeren Halle zu stehen. Obwohl für Konzerte geeignet sah die ja weniger aus. Mehr so Sporthallencharme. Aber es zählt ja nicht die Verpackung, sondern der Inhalt, aber so rein soundtechnisch hatte ich meine Bedenken. Die prompt verflogen, als Schulz auf die Bühne kam. Juchu. Klar, wir bekamen von unserer Position aus mehr den Bühnen-, denn den Hallensound mit, aber das ist auch mal fein, da man dann die ganzen Zwischentöne, die sonst irgendwie beim Mischen verloren gehen, mitbekommen kann. Und wir bekamen auf jeden Fall mit, dass die schlechtbesuchteste Halle der ganzen Tour auf Party gepolt war. Es klappte sogar mit dem von Fabi geforderten Hinsetzen! Zum ersten Mal überhaupt! Und auf die Bühne hüpfen dazu war auch kein Problem, da es überhaupt keine Bühnensecs zu geben schien. Nee, wie entspannt. Geil! Und wie immer war Schulz viel zu schnell vorbei, aber wer weiß, vielleicht verkauft er ja genug Platten, um wenigstens für das eine oder andere eigene Konzert eine Band zusammen“kaufen“ zu können. Dann war wieder Zeit für die fleißigen Heinzelmännchen. Respekt, immer wieder Respekt vor dieser Crew! Als das Licht dann ausging und das Intro anstimmte, versauten uns allerdings die Furys etwas die sentimentale Stimmung. Aber was standen wir auch so dicht vor der Bühne. Von hinter dem Vorhang kam ein kräftiges „HATSCHI“ von Christian und „Gesundheit“ von Christof. Nee, Lachen beim Intro – das war jetzt für uns neu. *fg* Rostock jedoch genoss das Intro aber offensichtlich, auch wenn an der üblichen Stelle das Gelächter spärlich war. Muss ja auch nicht. Und schon war wieder Lichtgewitter angesagt. So empfinde ich nämlich „Cut myself“ jeden Abend nach der Dunkelheit. Und was war denn bitte schön jetzt wieder mit Kais Medis los. Der soll doch nicht hüpfen! Tat er aber trotzdem, zumindest ansatzweise. Na ja, er wird schon wissen, was er sich und seinem Knie zumuten kann. Und scheinbar waren die Erkältungsmittelchen von Christian auch nicht von schlechten Eltern. Der drehte nämlich fleißig seine Runden und „tanzte“ einen Kreis bei „Hang the DJ“. War aber schon noch der selbe, verhaltene Bassist wie sonst? *g*
Zu anfangs sah es so aus, als würde Rostock ziemlich ansagenarm auskommen müssen. Jedenfalls kann ich mich kaum an eine bis zum Akustikpart erinnern und auch meine Zettelwirtschaft gibt da nichts her. Aber letztlich war mir nichts egaler an diesem Abend, als die Berichterstattung. Denn schon bei „Hello“ waren die Tränen nicht mehr zu stoppen.
Jetzt hatte ich die Show schon zum achten Mal vor der Nase und es wird einfach nicht weniger. Vielleicht sollte ich mir langsam einen Therapieplatz suchen. „Then she said“ hatte ich schon vor einiger Zeit angefangen, für mich an bestimmten Stellen umzudichten. Und seit dieser Rutsche singe ich halt „…and I dream that YOU might come back…“. Angekommen ist die Nachricht jedenfalls beim Schrei „I will wait“. Jup, Jungs. Egal, ob ich warten muss, bis ich selber im Rollstuhl vor die Bühne gefahren werde, aber warten werde ich!
Rostock schaffte Einmaliges. Es blieb bei „Bring me home“ sitzen! Was sehr schön war, da ich von meinem erhöhten Sitzplatz auf dem Steg (ja, ich habe den Jungs auf der Nase herumgetanzt. *fg*) endlich mal sehen konnte, was die da so treiben. Gänsehaut pur. Kai lobte danach das Publikum ausgiebig, auf eine Art, wie er es noch nie zuvor getan hat. Er erklärte es zum sympathischsten! Dafür machte sich der Wingenfelder selber gleich wieder ein Stück sympathischer, denn er läutete die lustige Runde der Versinger ein. Ob Frühstart beim Rappart von „Are you real?“ oder das Vergessen der kompletten zweiten Strophe von „Trapped“, wo wir dann einfach weitersangen. Wenn ich es nicht fast besser wissen würde, würde ich ihm unterstellen, er hat sich erstmal in Ruhe über InEars angehört, wie der Text geht, denn er hat erst wieder eingesetzt, als wir durch waren. Aber solche Dinge machen Fury live ja auch immer so charmant.
„Haunted“ kam auch heute nicht ohne Widmung aus. Zwar war erstmal Thorsten-typisch nicht klar an wen denn nun, aber nach einer langen Geschichte über die Tour mit Anger 77, widmete er den Song der Tourschwiegermutter Gerrit, welcher damals schon Tourmanager gewesen war. Gerrit wiederum hatte den Abend über den absoluten Logenplatz. Er schien sein Produktionsbüro in der Sprecherkabine der Halle zu haben. Jedenfalls behielt er mal definitiv den Gesamtüberblick. Christof war plötzlich nicht mehr der Schlagerheini, sondern nur der durch Autolackierdämpfe benebelte und umgefärbte Gitarrist, welcher eine „scheißschwere Gitarre“ hat. Und prompt waren wir mittendrin in Sprücheschlacht Nummer – ach, fragt nicht! Es wurde gemutmaßt, dass der rothaarigste aller Gitarristen die Gitarre nur entstaubt hätte, weil er eigentlich zwei Mädels bräuchte, um sie zu tragen. Den Rest könnt Ihr Euch vermutlich denken. Ich jedenfalls platzte bald vor Lachen.
Aber der Rock’n’Roll-Part dauerte auch diesmal nicht ewig und schon bei „Time to wonder“ jagte eine Gänsehaut die nächste und ich konnte einfach nicht mehr anders als wieder loszuplärren. Und das blieb so bis zum Schluss. Ob nun beim herrlich verrotzten „Kick it out“ oder beim phänomenalen Reprise von „Won’t forget“ oder auch beim Sternenhimmelimitat bei „Down there“. Aber richtig runtergezogen hat mich „Seconds“. Hinterher wurde mir berichtet, es hätte besorgte Blicke von der Bühne in meine Richtung gegeben. Keine Ahnung. Ich konnte mir die Jungs nicht angucken, da ich dann erst recht noch mehr geflennt hätte, als sowieso schon. Aber wenn Fury aufhören, endet eben auch ein verdammt großer Teil meiner eigenen Geschichte. Die Mädels gaben ihr Bestes, mich danach wieder „aufzukratzen“ und schnell konnte ich wieder lachen.
Dann konnten wir uns wieder unserer Reisevorbereitung widmen – Flüssigkeitshaushalt, Kippe, Fabi huldigen. Und weil er gerade da so rum stand, schnappte ich mir Gerrit und knuddelte die Mama mal so richtig. Hatte er sich wirklich verdient. Nach dem mittlerweile üblichen „Bis morgen!“ bewegten wir uns zwecks Rückfahrt dann Richtung Auto und nach einem verlängerten Tankstop inklusive Nahrungsaufnahme ging es wieder zurück zu Claudi. Wo ich mir die Jeans dann tatsächlich, ohne sie zu öffnen, über die Hüfte zog.
















