-Warum ich nicht dran teilgenommen habe und was ich stattdessen gemacht habe-
Die meisten Schüler(innen) aus meinem Jahrgang waren in den letzten zwei Wochen in Frankreich, da von meiner Schule aus jährlich ein Austausch stattfindet. Aus meiner Klasse war ich die Einzige, die nicht mitgefahren ist und wurde daher ständig mit Fragen durchgebohrt. Heute möchte ich einfach mal ein bisschen darüber reden, da es vielleicht durchaus für manche interessant sein könnte.
Die meisten auf unserer Schule haben an diesem Austausch mitgemacht, also konnte ich niemanden wirklich fragen, was man in der Schule machen würde, wenn man nicht mit nach Frankreich fährt. Ich musste es einfach mal „überraschen“ lassen. Und ja, ich hab halt am Vortag erst erfahren was ich machen musste/sollte, aber darauf komme ich später noch zurück.
Warum war ich denn nicht mit?
Diese Frage bekam ich in letzter Zeit wirklich sehr oft zu hören und ich wusste nicht, ob die sich wirklich dafür interessierten oder einfach so danach fragen. Meine Französischlehrerin wollte es zum Beispiel nur wissen, damit sie sich ein noch schlechteres Bild von mir machen kann - Naja wie auch immer, ich wusste am Anfang wirklich nicht, was ich antworten sollte. Ich hab auf jeden Fall immer gemeint, dass ich keine Lust auf Frankreich habe.
Eigentlich stimmt es nur teilweise. Ich bin jedes Jahr - oder zumindest fast jedes Jahr in Paris, also hab ich nicht sonderlich Lust auf Paris. Allerdings fand ich die Region, wo der Austausch hinging schon sehr interessant. Nur wollte ich nicht in Form eines Austausches dorthin. Wäre es eine Klassenfahrt gewesen, wäre ich schon liebend gerne dorthin gefahren.
Ich persönlich kann einfach nicht mit anderen, mir völlig fremden, Menschen zusammensein und bei denen leben. Ich bin einfach nicht so eine Person. Ich kann es auch nicht ab, wenn die Menschen um mich rum unhygienisch sind und, einfach mal hart ausgedrückt, in einem Saustall leben.
Außerdem habe ich eine sehr, wie soll ich sagen, spezielle Essgewohnheit. Ich bin dienstags, donnerstags und freitags vegetarisch und esse kein Rindfleisch und auch nicht unbedingt Fisch oder Schweinefleisch. Außerdem mag ich es nicht, wenn das Essen nicht scharf genug ist. - Also ab und an geht das, aber zwei Wochen durchgehend wäre mir einfach zu viel.
Zudem muss ich sagen, dass ich nicht gut in Französisch bin und ich auch einfach die Angst hatte, dass mich die Familie überhaupt nicht verstehen kann, denn ich hab mittlerweile (leider) feststellen müssen, dass viele Franzosen der englischen Sprache nicht mächtig sind, welches eigentlich ziemlich traurig ist - meiner Meinung nach.
Hinzu kommt, dass ich einfach nicht das machen möchte, was alle machen, sondern auch einfach mal das mache, wozu ich Lust habe. Und ich hatte nun mal Lust bei meiner eigenen Familie zu bleiben. - Ich werde meine Entscheidung auf jeden Fall nicht bereuen, egal was ist. Ich war immer eine unsichere Person, wenn es darauf ankam zu sagen, was ich wollte. Und ich sehe dies einfach mal als „ersten Schritt“.
Was habe ich stattdessen gemacht?
Ich wusste am Anfang echt gar nicht, was ich machen sollte, wenn die anderen aus meiner Klasse in Frankreich sind. Die Menschen, die Latein machen, sollten in der Zeit an einem Projekt arbeiten und ich war eigentlich der Meinung, dass ich da auch mitmachen sollte, allerdings war es doch nicht so.
Genaue Informationen habe ich allerdings erst am Vortag bekommen. - Ziemlich knapp würde ich meinen, allerdings bin ich froh, dass ich überhaupt Informationen bekommen habe.
Ich sollte in eine andere Klasse gehen, in einen höheren Jahrgang. An sich ist die Idee nicht sehr schlau würde ich meinen, da die Klasse einfach Stoff durchnimmt, die ich noch gar nicht hatte. Andererseits ist es schon ganz nett, dass ich in einen höheren Jahrgang gekommen bin und nicht in eine niedrigere Jahrgangsstufe.
In der Zeit wurde ich halt nicht benotet, d.h. ich musste mich nicht unbedingt melden oder irgendwelche Tests oder Klausuren mitschreiben, ich musste eigentlich nur da sein und konnte mehr oder weniger in Gedanken vertieft am Platz sitzen. Die meiste Zeit allerdings habe ich Bücher gelesen. Ich war nur in naturwissenschaftlichen Fächern wirklich anwesend und wollte wirklich was lernen.
An einem Tag habe ich vielleicht 4 von 6 Unterrichtsstunden ein Buch gelesen. In der Zeit habe ich „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ durchgelesen und „The girl on the train“ durchgelesen.
Wie habe ich die zwei Wochen überhaupt empfunden?
Allgemein kann ich sagen, dass ich die Zeit in der Klasse sehr angenehm fand. Ich habe Sachen kennengelernt, die ich so wahrscheinlich nie hätte kennenlernen können. (Ich hab zum Beispiel gelernt, warum man besser nicht kollektiv als Klasse blau machen sollte und wie man’s überhaupt anstellt.)
Außerdem hatte ich den Eindruck, dass ich von der Klasse herzlich aufgenommen wurde - lag wahrscheinlich auch daran, dass ich ohnehin schon viele kannte. Ich kannte allerhöchstens zwei Personen vorher überhaupt nicht. Die Klasse an sich hatte eine sehr gute Klassengemeinschaft, die haben sich alle miteinander super verstanden.
Ich fand es gut, dass ich in der Zeit einfach auch neue Leute kennengelernt habe. Außerdem habe ich neue Lehrer kennen gelernt und die Lehrer, die ich ohnehin schon hatte, von einer anderen Seite kennen gelernt.
Und naja ich persönlich, fand es nur schrecklich, dass ich „nichts besseres“ zu tun hatte, als Bücher zu lesen. Also ja, es hatte für mich sowohl positive als auch negative Seiten würde ich meinen.
Allerdings glaub ich, dass nicht jeder so viel „Glück“ haben wird, wie ich es hatte, wenn sie zugeteilt werden.