Nachdem ich vor kurzem mein Masterstudium abgebrochen habe (was eine richtige Entscheidung war), befinde ich in einem Schwebezustand.
Ich lebe in einer Stadt, in der ich nach 3 Jahren keine Freunde habe und mich nicht wirklich zuhause fühle. Die Ursache darin liegt hauptsächlich bei mir. Generalisierte Angststörung und neu in einer Stadt anfangen müssen, hat sich nicht gut miteinander vertragen.
In meiner Heimatstadt wo ich aufgewachsen bin, ist mein Zuhause auch nicht mehr. Obwohl ich regelmäßig in den Ferien hierhin gekommen bin. Aber das hat die Freundschaften auch nicht retten können. Man lebt sich auseinander. Realität.
Dann gibt es noch die Stadt in der ich meinen Bachelor gemacht habe. Ich vermisse sie. Allerdings weiß ich nicht, ob ich sie vermisse, weil ich dort eine schöne Zeit verbracht habe und ich sie deswegen in einem positiven Licht sehe, oder ob ich sie wirklich vermisse. Und nicht die Illusion oder Vergangenheit der schönen Zeit.
Die letzten drei Jahre waren einfach nur scheiße. Probleme und Krankheiten in der Familie. Meine Angststörung hatte mich vollkommen im Griff. Das auch noch gepaart damit, dass ich mich einigle, wenn ich krank bin (egal ob es eine Grippe oder schlimmeres ist), führte dazu, dass ich meine Freunde an einem Finger abzählen kann. Und diese Person lebt nicht in meiner Stadt.
Kein Sozialleben zu haben, macht mich fertig. Es fühlt sich an, als ob, jetzt wo ich gelernt habe besser mit meiner Angststörung umzugehen, mich eine Depression heimsucht. Ich bin eher der introvertierte Typ und genieße meine Zeit für mich alleine. Aber ohne das Wissen, dass dort draußen Menschen sind, die in meinem Leben einen Platz haben und ich in deren, macht mich langsam mürbe.
Ich vermisse Intimität. Nicht nur Sex. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemanden eine beherzte Umarmung geben/bekommen wesentlich mehr vermissen würde als Sex.
In Orange is the new Black gibt es in der ersten Staffel (ich glaube der Thanksgiving-Episode) eine Szene, in der Sophia Piper die Haare wäscht und Piper den Tränen nahe ist, weil sie im Gefängnis keinen Körperkontakt haben dürfen und sie spürt, wie ihr Körper vereinsamt.
Der einzige Körperkontakt den ich in der Woche habe, ist das Hand geben bei der Begrüßung und Verabschiedung mit meiner Therapeutin.
Da ich mich derzeit mit dem Fahrrad durch die gegen bewege, nicht einmal mehr das zusammenstoßen mit Fremden im vollen Bus. *Pfff* Ich zähle schon das zusammenstoßen mit Fremden in einem vollen Bus zu Körperkontakt hinzu.
Wie lange kann ein Mensch ohne wirklichen Körperkontakt auskommen, bevor es einem Schaden zufügt?
Was wird als nächstes passieren?
Immer wenn ich letze Frage denke kommen mir 2 Sachen im den Sinn:
1) a Bit von Tig Notaro:
“What’s nice about all of this is that you can always rest assured that God never gives you more than you can handle… I just keep picturing God going, ‘You know what? I think she can take a little more.’ And the angels are… going, 'God! What are you doing?!’” (ich empfehle die ganze Stand-up Nummer anzuhören. Es ist unglaublich gut, tragisch, witzig, traurig und real)
2) an Father John Misty’s Song 'Bored in the USA’. Insbesondere an die Stellen:
“Is this the part where I get all I ever wanted
Who said that
Can I get my money back” & “… but I can kind of deal”
Ich schwanke zwischen es geht noch weiter Berg ab und dem machtlosen dahinleben, in der Hoffnung, dass jemand etwas ändert/auf mich zu geht, wissentlich, dass ICH die Schritte machen muss. Und bei diesen Gedanken mache ich eine Serien oder Film an, um mich zu beruhigen, bevor ich mich in Angstgedanken verlieren.
Ich weiß, ich habe in den letzten drei Jahren vieles aus eigener Kraft überstanden und das macht mich stolz auf mich. Unglücklicherweise geht dieser Gedanken verloren, wenn ich auf der Straße oder in Cafés Freunde oder Paare sehe, die einen intimen Umgang miteinander haben.
Ich frage mich, wann die Schwere der Sehnsucht nach Intimität aufhört in der linken Brust zu schmerzen.
Was wird aus diesem Vakuum entstehen?