Über den Dating-Dschungel in Pandemiezeiten - Teil 1
Der Wunsch nach Nähe wächst, vor allem wohl in Zeiten, in denen wir uns sonst auf so vielen Arten voneinander entfernen. Abstand halten wird zu einer gesellschaftlichen Pflicht, wenn auch aus Fürsorge anderer gegenüber. Es gibt wohl kaum einen größeren Nährboden für Gefühle der Einsamkeit als solch eine Zeit, genauso wie auch der Stellenwert der Familie und der Freunde enorm wächst. So ist es kaum verwunderlich, dass die Partnerbörsen im Internet einen Zuwachs an Anmeldungen von bis zu 40 % verzeichnen (vgl. Luzerner Zeitung, Dating Apps: Starker Zuwachs durch zweite Corona-Welle, 23.12.2020).
Der Datingmarkt im Internet boomt. Für Personen aus älteren Generationen mag dies mitunter zuwider erscheinen und wohl auch die meisten der angemeldeten Profilinhaber würden ihre bessere Hälfte „lieber gerne im Supermarkt“ oder sonst wo kennen lernen wollen als virtuell. Doch wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken – mit all den Masken im Gesicht wird uns wohl kaum der Traumpartner beim Tomaten kaufen ins Auge fallen.
So werden wir uns wohl damit anfreunden, dass der Online-Dating-Trend weiterhin an Zuwachs gewinnen wird. Darüber hinaus war dieser auch schon zuvor ein fester Bestandteil des „heutigen Kennenlernens“, sowie auch das Internet nicht mehr wegzudenken wäre. Warum also nicht auch seine Bedürfnisse nach Nähe, Partnerschaft oder Sonstigem dadurch stillen?
Wenn man sich der Sache etwas nähert – ergo, sich anmeldet, wird einem schnell klar, dass die Motive, sich dort anzumelden wohl kaum unterschiedlicher sein könnten. Und auch die Intensität, mit der man seine Intension verfolgt, spielt eine große Rolle. Von Person xy, 37 Jahre alt, Beziehungswunsch: Weiß ich noch nicht bis hin zu Person xy, 29 alt, Beziehungswunsch: Etwas Unverbindliches gibt es ALLES. Natürlich gibt es auch all diejenigen, die ihr Beziehungsgesuch öffentlich machen (Entschuldige für die plakative Darstellung, die gewiss etwas überzogen ist).
Hier findet sich der ein oder andere im Zwiespalt: auf der einen Seite erscheint es dem jeweiligen Individuen nicht gerecht, von vorne herein zu benennen, was die eigene Intention ist – auf der anderen Seite aber dann auch nun meine persönliche subjektive Beobachtung, dass die Entscheidungsfreudigkeit ein rares Gut geworden ist.
Nun sind wir wieder an diesem Punkt: Schwarz oder Weiß, Ja oder Nein. So schwanken wir zwischen diesen Extremen, wobei es doch leichter wäre zu sagen: ich nehme es an, wie es kommt.
Für diesen Abend belasse ich es bei diesem Gedanken und werde mich diesem umfassendem Thema noch in weiteren Beiträgen widmen.
JS
















