Georg Traska im Gespräch
Welcher Aspekt hat dich am Projekt besonders interessiert? Warum hast du dich entschlossen mitzuarbeiten?
Traska: Zuerst war es die Frage dieser vielen Opfergruppen, diese nebeneinander dar zu stellen und zu nennen. Das klang nach einer großen Herausforderung. Erstens wie man das machen kann und zweitens welche Potenziale das hat. Das ist ja keine geklärte Frage. Ich fand dies spannend, gerade auch im Hinblick auf künstlerische Darstellungsfragen. Das ist es, was mich im Kern interessiert: Darstellungsprobleme. Das Künstlerische ist ein Teilbereich dessen, was ich als Darstellungsfrage bezeichnen würde. Was kann das leisten? Ich dachte da auch an die Nachbarschaft von Gruppen in Konzentrations- oder Vernichtungslagern. Wie haben diese Menschen dort nebeneinander existiert? Was für eine Form von Koexistenz wird in der Darstellung geschaffen?
Was mich auch sehr interessiert, ist der Schwerpunkt wirklich künstlerischer Umsetzung von historischen Fragestellungen und Themen. Das war jetzt auch der Grund, warum ich sehr gerne mit Elisabeth Wildling zusammengearbeitet habe und auch gerne einen Text für ihren Folder geschrieben habe. Genau der Teil relativ freier künstlerischer Umsetzungen interessiert mich. Das ist etwas was mir gut gefällt, in diese Richtung arbeite ich auch sehr gerne.
Kommt da die Kunstgeschichte durch?
Traska: Prinzipiell sage ich immer, dass ich Kunsthistoriker bin. Natürlich bin ich damit auch Historiker, aber das stimmt genau, dass ich eben glaube, dass ich als Kunsthistoriker einen anderen Zugang habe und auch andere Möglichkeiten, um über historische Probleme und deren Veröffentlichung, Kommunikation und Darstellung nachzudenken.
Du wirst die Eröffnung moderieren. Was werden spannende Punkte sein am 23.10. im Odeon Theater?
Traska: Ich glaube es gibt gute Performer. Die Herausforderung ist sie dazu zu bringen etwas zu tun, das in sinnvoller Weise das Projekt abbildet und das zu kommunizieren.
Stilistisch wird der Abend extrem heterogen: die Wiener Philharmoniker, Robert Schindel und Sandra Selimovic. Gediegenste musikalische Klassik, gefolgt von einem modernen Dichter, den man aber wahrscheinlich gar nicht so leicht beschreiben oder verorten kann. Natürlich ist die Dichtung immer noch ein sehr traditionelles Genre, aber in der Dichtung kann natürlich alles passieren und das ist wiederum in sich sehr heterogen und nicht besonders pietätvoll und klassisch in der Form. Selimovic ist eine Rapperin, also das ist noch einmal eine völlig andere Mitteilungsform. Das ist schön. Wichtig ist natürlich auch, dass diese verschiedenen Teile verschiedene Gruppen abbilden. Wobei das bei der Eröffnung schwerpunktmäßig Juden und Roma sein werden. Da muss man anderer Gruppen auch immer wieder miteinbeziehen.
Nun zu meiner letzten Frage: Wenn du mit drei Begriffen das Projekt beschreiben müsstest, welche wären das?
Traska: Übersetzungsschwierigkeiten, spannende Begegnungen und künstlerische Bearbeitung von Geschichte.
Text und Foto: © Johanna Taufner










