Mal in ein anderes Licht gerückt...
Meine Schwiegereltern mögen mich nicht. Wenn Sie mich jetzt fragen, woran das liegt, dann kann ich das nicht so genau sagen, genau so wenig, wie ich sagen kann, woran sich das zeigt und trotzdem höre ich immer wieder, dass sie hinter meinem Rücken über mich reden. Jetzt muss man über mich wissen, dass ich ein Mensch bin, dem das durchaus sehr wichtig ist, was andere Menschen über mich denken. Nur gut, dass meine Frau zu mir hält. Ach, noch ein Punkt: Ich arbeite viel von zu Hause aus, das mag vielleicht auch noch ein Grund sein, warum sie mich immer ein wenig argwöhnisch betrachten. Die Schwiegereltern beim Essen Im Prinzip bin ich ein Familienmensch und versuche alles, dass mich jeder mag. Vielleicht ein Fehler, doch das will ich hier nicht genauer diskutieren. Gestern waren meine Schwiegereltern bei uns zum Essen. Meine Frau kochte und ich habe extra ein neues Sonnenschutzrollo unifarben besorgt. Eigentlich ging es schon bei der Vorspeise an. Richard, mein Schwiegervater sagte plötzlich, während er sich Reste des Salates aus den Zähnen holte, wann ich mir denn eine richtige Arbeit suchen will. Ich wollte eben antworten, aber meine Frau, Christine, kam mir zuvor: "Er hat eine richtige Arbeit. Er erstellt Internetseiten für andere Firmen und er hat jeden Monat ein Einkommen von zwei bis dreitausend Euro." Bei diesen Worten blieb mir selbst der Mund offen stehen und ich trat zum Klemmrollo, um über diese Mitteilung nachzudenken. Meine Frau führt meine Bücher und daher weiß ich oft selber nicht so genau, was ich verdiene. "Aber ich dachte, du verdienst das Geld für die Familie", erwiderte Richard, nicht ohne eine kräftige Gesichtsfarbe anzunehmen. Endlich akzeptiert "Vielleicht solltest du meinen Mann endlich mal akzeptieren, so wie er ist. Er arbeitet täglich 16 Stunden am Tag und wenn er Zeit hat, kümmert er sich noch um unsere beiden Kinder. Ich hätte mir keinen besseren Mann wünschen können." Nun ist Richard kein Mensch, der gerne eine fremde Meinung annimmt und ich sah, wie er schluckte, ebenso seine Frau, die sich bislang noch gar nicht am Gespräch beteiligt hatte. Irgendwann rang er sich doch zu einer Meinung durch: "Vielleicht ist es doch Zeit, deinen Mann mit ein wenig anderen Augen zu sehen!" Bei vielen Menschen wären das vielleicht leere Worte gewesen, doch nicht so bei Richard, dazu kenne ich ihn schon zu lange.











