Als Hausierer werden von Haus zu Haus ziehende Kleinhändler bezeichnet,
die ein eigens gewähltes Warensortiment auf eigene Rechnung anbieten.
Da sich das Geschäftsleben bis Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend auf der Straße abspielte, bezog man viele Waren des täglichen Gebrauchs von diesen Wanderhändlern. Der Haustürverkauf brachte dieser Berufsguppe umgangssprachlich den Beinamen ‘Klinkenputzer’ ein.
Es wurden Sachen wie Brillen, Billigschmuck oder Trauringe aus Kupfer, Almanache, Liederbücher, Schals und Tücher, Bänder, Spitzen, Näh- und Schreibzeug, Blechgeschirr und sonstiger Hausrat, Mausefallen, kleine Spielzeuge und Süßigkeiten, aber auch Kleintiere zum Kauf angeboten. Eigentlich lässt sich aber nicht alles aufzählen, was an Haustüren verhökert wurde; natürlich gab es auch regionale und jahreszeitliche Unterschiede.
H a u s i e r h a n d e l ist das Anbieten von Waren an die Konsumenten im Umherziehen von Haus zu Haus, von Strasse zu Strasse, von Ort zu Ort mit kleinem Vorrat.
Die Waren sind entweder eigenes Erzeugnis, oder von Anderen zur Weiterveräusserung bezogene Gegenstände, d.h. eigentliche Handelswaren. Das eigene Erzeugnis kann aus okkupatorischer Tätigkeit herrühren (wie z.B. Fische, Beeren, Sand) oder als Stoffumwandelnder [wie Holzgeräte, Bürste, Uhren). Der Hausierhandel mit eigenen Erzeugnissen war der ursprüngliche und lange Zeit allein geduldete; hing er doch aufs engste Zusammen mit dem Ursprung und der Entwicklung der Gewerbe und des Handels überhaupt.
[Eugen Dennig: ‘Der Hausierhandel in Baden’ – 1899]
Hausierer, Hausiererin, Buckelkrämer, Höker, Haustürverkäufer, Kaufrufer, Krämer, Wanderhändler
Bulgarisch:
Englisch:
Finnisch:
Französisch:
Griechisch:
Italienisch:
Lateinisch:
Niederländisch: амбулантен търговец
peddler, pedlar, hawker, huckster, chapman
kaupustelija
colporteur, démarcheur, camelot, mercerot
γυρολόγος, πλανόδιος έμπορος
venditore ambulante
institor
marskramer, leurder, venter Polnisch:
Portugiesisch:
Rumänisch:
Russisch:
Schwedisch:
Slowenisch:
Spanisch:
Ungarisch: handlarz, obnośny
vendedor ambulante
vânzător ambulant
коробейник, торго́вец вразно́с
dörrförsäljare, dörrknackare
krošnjar
buhonero, pacotillero
batyuzó, házaló
verwandte Berufe: Buckelapotheker, Markthändler, Verkäufer
Das gemeinsame Merkmal der Hausiererei ist, daß der Verkäufer den Käufer aufsucht. Wenn dies im Haus des Käufers selbst geschieht, kann man von eigentlicher Hausiererei reden, während man von Wanderlager- oder Wanderbuden-Hausiererei spricht, wenn sich der Verkäufer nur am Wohnort des Käufers (Dorf) einfindet, dieser aber in seinem Lager oder seiner Bude erwartet, Stadthausiererei ist es, wenn das Absatzgebiet des Hausierers eine (größere) Stadt ist; Überlandshausiererei, wenn er von Ort zu Ort zieht. Der Hausierer greift den Kunden an, verhält sich aktiv, während sich der Markt- oder Meßbesucher und der seßhafte Kaufmann passiv bleiben.
[Eugen P.Schwiedland: ‘Der Handel’ – 1918]
Vor allem in Bergregionen war der Beruf des Hausierers bis ins 20. Jahrhunderts weit verbreitet. Auch auf dem Lande war es bis zum 1. Weltkrieg gang und gäbe. Gerade in der Winterzeit, wenn es kaum landwirtschaftliche Aktivitäten gab, wurde diese Leerlaufzeit von einigen Familienmitglieder genutzt, um durch Hausierhandel den Lebensunterhalt aufzubessern.
Anzeige
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
Wie Hausierer ihre Waren transportierten
Viele Hausierer banden sich ein tragbares Schränkchen oder eine Kiste mit Schubfächern auf den Rücken oder über die Schulter, um ihre Waren zu transportieren; andere benutzen Kiepen oder große Tragekörbe. Um Kleinzeug anzubieten war eine vor’m Bauch getragene Präsentationskiste – der sog. ‘Bauchladen’ – eine praktische Lösung.
Oft wurden auch Hunde oder Esel zum Transportieren der Waren in einem Karren benutzt.
Die Sache / Kiste mit dem Murmeltier
Früher zogen savoyischen* Hausierer mit Murmeltieren auf ihren Holzboxen umher und ließen die dressierten kleinen Begleiter Kunststücke vorführen. Schließlich sitzt bei vergnügten Kunden das Geld lockerer (ähnlich machten sich das Leierkastenspieler mit ihren Äffchen zunutze). So kam es, dass die Hausiererkästen schließlich teils selber ‘Marmottes’ genannt wurden.
[*Savoyen: historisch franz. Bergregion an der Grenze zur Schweiz und zu Italien]
Es gibt sogar ein Lied dazu …
..1. Strophe:
»Ich komme schon so mancher Land,
Avec que la marmotte.
Und immer was zu Essen fand,
Avec que la marmotte.
..Refrain:
Avec que si, avec que la,
Avec que la marmotte,
Avec que si, avec que la,
Avec que la marmotte.”
[Text: Goethe / Melodie: Beethoven]
weitere Themen:
Hausier-Edikt von 1815, Hausierverordnung, Hausierschein, Hausiererlaubnis, Hausierverbot
Robert Büchner: ‘Tiroler Wanderhändler – Die Welt der Marktfahrer, Straßenhändler und Hausierer’
Laurent Berman und Anne Quesemand: ‘Colporteurs d’images’ – 1986
Als Hausierer werden von Haus zu Haus ziehende Kleinhändler bezeichnet, die ein eigens gewähltes Warensortiment auf eigene Rechnung anbieten.
Die Hausierer Als Hausierer werden von Haus zu Haus ziehende Kleinhändler bezeichnet, die ein eigens gewähltes Warensortiment auf eigene Rechnung anbieten.