My photograph of Hazel Brugger on the cover of Das Magazin, 2017

seen from Switzerland
seen from Malaysia

seen from Canada
seen from Germany
seen from Spain
seen from China
seen from China
seen from Ukraine
seen from Algeria

seen from Spain
seen from Sweden

seen from Malaysia
seen from China
seen from China
seen from Switzerland
seen from Australia

seen from Spain

seen from Malaysia
seen from Canada

seen from Malaysia
My photograph of Hazel Brugger on the cover of Das Magazin, 2017
Es wurde viel über Trump geschrieben. Viel Bullshit und viel Gutes. Ich habe lange nachgedacht und weiss immer noch nicht genau, was ich sagen will. Wahrscheinlich wird es ein 60-seitiger Essay, den dann am Ende niemand liest, der für Ruhe in meinem Kopf sorgen wird. Aber ein paar Gedanken-Snippets möchte ich denen, die es interessiert, jetzt hinkotzen. Als Snack fürs Wochenende, sozusagen. Das Schöne an Trumps Sieg ist, dass wir jetzt eine Erklärung brauchen. Also wird nachgebohrt. Alle versuchen, ihren Finger auf den Fehler zu legen, der das ermöglicht hat. Ich auch. Alle sind verdutzt und niemand versteht es so wirklich, und dieses atemlose «HOW THE FUCK COULD THIS HAPPEN?!» wäre bei einem Sieg von Clinton sicherlich nicht gefragt worden. Ob vier Jahre Amtszeit von Trump es allerdings wert sind, dass die Umstände, die dazu geführt haben, jetzt genauer unter die Lupe genommen werden, wird sich zeigen. Aber wie genau konnte das denn nun passieren? Trumps Fans sprechen von einem Wunder. Und das, was Wunder ausmacht, ist ja gerade, dass man sie nicht erklären kann. Der Arzt kann dir sagen, warum der Patient tot ist, aber nicht, warum er lebt. Also versucht er einfach, so gut wie möglich zu verstehen, was denn Leben wirklich ist. Ich verstehe Frauen, die Trump wählen. Und ich verstehe Männer auch, die Trump wählen. Ich halte Trumps Sieg auch nicht für die grösste Überraschung aller Zeiten. Nicht einmal für die grösste Überraschung des Jahres. Ich fand Portugals Sieg bei der EM zum Beispiel viel überraschender. Dass die (westlich zivilisierte) Welt eine neue Welle des Populismus reitet, kommt ja nicht aus dem Nichts. Das ist die logische, komplett uninnovative Folgerung von dem, was war und ist. Und wen das ernsthaft so sehr überrascht, dass er nicht mehr funktionieren kann, dem muss ja auch jedes Mal vor Überforderung der Kopf explodieren, wenn ein neues iPhone vorgestellt wird. Und trotzdem ist es absolut furchtbar und unvertretbar, dass Donald Trump gewählt wurde. Das Phänomen Trump, ja die Sensation Trump ist hochgefährlich. Nicht so sehr wegen ihm, aber wegen dem, was das über die Wähler aussagt. Das sind Wähler, die zu allem bereit sind. Da geht es nicht mehr um Frisuren oder Parodien, da geht es um eingeschlagene Köpfe und um asozialen Rückschritt in der Zivilisationsgeschichte. Ein bisschen erinnert mich Trumps Wahlkampf immer an diese weisse Plastiktüte bei American Beauty. Diese dünne, filigrane Tüte, die minutenlang im Wind herumgeweht wird, wie ein Geist. Wie gar nichts. Wie pure Reaktion, die nur alter Müll ist ohne Aufwind. Trump steht nämlich für nichts. Ihm ist das alles scheissegal. Ihm ist egal, ob Republicans oder Democrats, ob Abtreibung oder nicht, ob schwul oder hetero. Er will einfach nur Erfolg und ihm ist jedes Mittel recht. Und je nachdem, wie man ihn haben will, kann er werden. Wie die Plastiktüte. Um Werte darin zu transportieren, oder um hilflose Babys damit zu ersticken. Es wurden schon viele schlaue Dinge zur Lage geschrieben. Von vielen Leuten, die besser schreiben können als ich, schlauer sind als ich und grundsätzlich mehr Ahnung haben von der Problematik. Gerne liste ich euch unten ein paar Artikel und Bücher auf, die sich zu lesen lohnen. Aber etwas ist mir persönlich sehr, sehr wichtig zu äussern: Einen wichtigen Grundpfeiler von Trumps Erfolg sehe ich in der zunehmenden Wissenschaftsfeindlichkeit. Und der Unwissenschaftlichkeit, mit der an Sachverhalte herangegangen wird. Da sind auf der einen Seite Leute, die mitreden und mitbestimmen wollen, ohne genügend Ahnung zu haben. (Eine beängstigende Entwicklung sind beispielsweise Impfgegner, die Jahrtausende Medizingeschichte in den Wind schlagen, einfach weil ihr Bauchgefühl ihnen das sagt. Dabei kann es dem Immunsystem des Kindes ja scheissegal sein, ob die Mutter den Impfvorgang versteht oder nicht. Denn Vermittlung von Fortschritt kann nie das Ziel von Fortschritt sein.) Und auf der anderen Seite sind arrogante Intellektuelle, denen wichtiger ist, dass sie mehr wissen als andere, als dass ihr Wissen tatsächlich vermittelt wird. (Das sind solche, die, anstatt auf den Inhalt eines Kommentars einzugehen, nur auf dessen Rechtschreibfehler hinweisen. Die ihr Wissen als Statussymbol missbrauchen, wie andere einen Ferrari ohne Führerschein.) Bestimmt gehöre ich zu beiden Kategorien. Denn ich habe oftmals nicht genügend Ahnung von Sachverhalten, hebe mich aber auch gerne nach unten hin ab. Denn niemand gibt gerne eigene Schwächen zu, aber wenn der andere schwach ist, zeigt man gerne mit dem Finger drauf. (So wie Trump immer und immer wieder Clintons Email-Affäre ins Scheinwerferlicht rückte, seine eigenen Skandale aber kleinredete.) Unwissenschaftlichkeit bedeutet: Gefühle prallen auf Fakten. Man geht geisteswissenschaftlich an die Naturwissenschaften heran, die ungeile Wahrheit muss oft der geileren Vision einer Unwahrheit weichen. Und das Internet versucht, einen Raum zu bieten, wo alle immer mitreden können. Ganz unabhängig vom Thema. Wenn Wissenschaftlichkeit verschwindet, entsteht Raum für Populismus. Wo man vorher politische Lösungen für soziale Probleme gesucht hat, sucht man heute vermehrt nach moralischen Lösungen für biologische Probleme. Sprich, während man früher gesagt hat: «Hey, wieso sind denn ein paar Leute sehr reich und fast alle anderen sehr arm, und wie kann man die Politik so ändern, dass diese Ungleichheit weniger krass wird?», befasst man sich heute zunehmend lieber mit der biologischen Ebene und tut so, als würde diese ein Problem darstellen. Eins, zu dem man sich irgendwie positionieren muss. Neu fragt man also: «Hey, mir ist aufgefallen: Ein paar Leute sind Männer und ein paar Leute sind Frauen. Wie muss ich mich den einzelnen Vertretern der Geschlechter gegenüber verhalten, damit das nicht moralisch verwerflich rüberkommt? Damit keine Gefühle verletzt werden?» Dabei ist es ja in fast allen Fällen scheissegal, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist. (Ich denke und sage zum Beispiel viel öfter den Satz «Hallo, ich bin Hazel Brugger», als den Satz «Hallo, ich bin eine Frau».) Personen sind sie beide, und so gehören sie behandelt. Zum System gehören sie alle, und zwar weltweit mit immer statistisch ähnlicher Vertretung. Und sobald man mit dem Individuum direkten Kontakt hat, muss man ohnehin sehr spezifisch auf die Person als solche eingehen. Und wenn man die eine einzelne Person dann kennenlernt, gibt es sowieso weitaus mehr als zwei Kategorien. Niemand, der kein Roboter ist, behandelt zwei verschiedene Personen schliesslich komplett gleich, im Guten wie im Schlechten. Genauso wie bei der Kategorisierung von Männern und Frauen ist es bei Hautfarbe, Sexualität, undsoweiter. Sind alles biologische Unterschiede, die man nie ganz überwinden kann und wird. Die man also auch nie „lösen“ kann, weil sie gar keine „Probleme“ sind. Natürlich ist Gleichberechtigung unglaublich wichtig und der Kampf dafür sollte nie aufgegeben werden. Aber biologische Gleichberechtigung heisst nicht biologische Gleichheit. Frustrierend! Man kann also nur lernen, so mit den Unterschieden umzugehen, dass niemand unnötig benachteiligt oder bevorzugt, unterdrückt oder gehyped wird. Das ist im Umgang eins-zu-eins eigentlich weder komplex noch unlösbar, stellt uns aber in einer Welt, wo alles miteinander verknüpft ist, vor tiefe Verzweiflung. Denn eine Lösung ist immer entweder so einfach, dass man sie nicht benennen muss und sie sich aufgrund mangelnder Substanz nicht verkaufen lässt («don’t be an asshole») oder so schwierig zu vermitteln, dass kaum jemand sich die Mühe macht, sie von vorne bis hinten durchzulesen oder durchzudenken. Oder anders: Fast alles, was man im Internet konsumieren kann, ist irgendeine halbgebackene, halbhetzerische, zwittrige Version von unwahrer Halbweisheit, die einem das Gefühl gibt, satt zu sein, obwohl man gar nichts Nährstoffhaltiges zu sich genommen hat. Man ging also davon aus, dass alle Frauen sowieso Clinton wählen. Weil sie ja Frauen sind, und die Hillary auch, verstehst du, Girlfriend?! Rein intellektuell macht es nur Sinn, Clinton zu wählen. Die sozialen Unterschiede zu Clinton sind aber bei den meisten Wählerinnen grösser als ihre biologischen Ähnlichkeiten. Und Politik ist im Kern immer etwas Soziales, nie etwas Biologisches. Und genau dieses soziale Gefühl hat der asoziale Trump ironischerweise besser bedient. Den analytischen Intellekt hat er nämlich einfach gänzlich vernachlässigt. Punkt. Man könnte auch sagen, Bauch habe Kopf besiegt oder „haha“ habe „m-hm“ geschlagen. Es ist bequemer, Lösungen zu wollen, als Probleme zu lösen. Also einfach auf Probleme zu zeigen und dann zu sagen: Da ist ein Problem. Fertig. – Aber echte Lösungen erfordern Arbeit, Arbeit bedeutet Verzicht und nur Verzicht kann zu sozialer Gleichheit führen. Und was man mit einer Plastiktüte macht, sagt viel mehr über den Benutzer aus, als über die Tüte selbst. So. Das hat jetzt alles nicht so viel gebracht, denke ich, aber wer bis jetzt mitgelesen hat, verträgt auch noch die Kitsch-Keule zum Mitnehmen: Hört auf, die Regeln der Political Correctness zu missbrauchen, um andere auszuschliessen. Damit schürt man mehr Wut als dass man Verständnis kreiert. Hört auf, Gefühle mit Fakten zu verwechseln und fragt euch, bevor ihr einen Kommentar abfeuert, ob dieser einen Mehrwert generiert. Vertraut in das Wissen anderer und hinterfragt lieber das, was ihr glaubt, selbst zu wissen. Informiert euch online und offline und handelt dann im echten Leben. Denn das echte Leben findet offline statt, genauso wie die echte Politik. If it’s too good to be true, it is not true. Gebt euch Küsse mit Zunge und denkt einen Gedanken von vorne bis hinten durch. UND WENN EIN MANN EIN ARSCHLOCH IST, DANN STEIGT EINFACH NICHT MIT IHM INS BETT. Fertig. Danke.
Hazel Brugger www.hazelbrugger.ch
Went to the #hazelbrugger show today and really enjoyed it (even though the old #pantheonbonn was nicer than the new one). #wasistdasfuer1light #tisch4 #poetryslam #Bonn #touche (hier: Beuel- Bonn)
Hazel Brugger, 2016
Hazel Brugger @ Kultur Kreuz Nidau+
www.simonmarti.ch