Death to the Pixies! Im Sommer 1991 war es mir vergönnt, die Pixies auf dem Bizarre-Festival in Gießen live zu erleben. Ich erinnere mich, dass sie mir gefielen, überaus gut sogar, an viel mehr jed…
Death to the Pixies! Im Sommer 1991 war es mir vergönnt, die Pixies auf dem Bizarre-Festival in Gießen live zu erleben. Ich erinnere mich, dass sie mir gefielen, überaus gut sogar, an viel mehr jedoch nicht, weil irgendein Rotzlöffel Reizgas im Publikum versprühte. Deppentum ist nun mal keine Erfindung des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Der popkulturellen Relevanz dieser Band, begründet in der Schöpfung eines ziemlich eigenen Soundkosmos, zum Trotz, ihrer Patenschaft für den Grunge, den Scharen populärer Fans wie Bowie oder Stephen Malkmus, verkam ihr Frühwerk auf Vinyl über die Jahre in meinem Vitrinenschrank zur staubigen Trophäe. Die Zeiten, die Zeiten. Dementsprechend gleichgültig stand ich der Wiedervereinigung gegenüber, neue Alben ohne Kim Deal am Bass interessierten mich von vornherein kein Stück. Gute Voraussetzungen, „Head Carrier“ zu besprechen.
Zwölf Lieder, keines davon schlecht. Indie-Rock Gitarren, Achtel-Beats, Harmonien zwischen Beach Boys und Fleetwood Mac… Pixies halt. Hier könnte dieser Text enden, erschiene mir dies nicht zu respektlos. Außerdem ist ja mancher Crazewire-Leser, anders als ich, nicht tausend Jahre alt und hat schon alles gehört. Also: Bei den Pixies plärren die Gitarren gestern wie heute ganz wundervoll, ohne sich als blöder Rock zu entlarven. Klingt es doch mal ausversehen wie blöder Rock, kann es sich nur um ein ironisches Zitat handeln, weil Black Francis (Vocals/Gitarre) ein ganz gewitzter Typ ist. Gewitzt ist es z. B. Kim Deal, meines Wissens wegen Suchtproblemen aus der Band ausgeschieden, in Folge durch andere Bassistinnen zu ersetzen. Zeigt dies nicht, das die Pixies Stand heute keine Band mehr sind, sondern ein Unternehmen? Und wäre dem so, wäre dies wichtig? Komme mir bloß keiner mit den ach so prägenden Backings, welche nur eine Frau singen kann.
Kim Deals Bassspiel, ihre Art des Gesangs, die waren prägend für den Sound der Pixies. Unabhängig davon, das Paz Lenchantin ihren Job gut erledigt, sie macht uns die Kim. Nur ein Plagiat. So will es mir einfach nicht gelingen, mich mit „Head Carrier“ zu arrangieren. Weil es mir vorgaukelt, das alles ist, wie es war. Die hymnenhafte Lieder, tolle versponnene Melodien, kraftvoller Gesang und seliges Gebrüll – mir ist so langweilig. Eine Band, die sich in der Spätphase ihrer Karriere lediglich selbst wiederkäut, braucht eine resistente Fangemeinde. Die haben die Pixies sicherlich. Ob es ihnen jedoch so gelingt, neuer Zuhörer zu erreichen, möchte ich anzweifeln. Zumal Black Francis so charismatisch ist wie Jabba. Liebe Redaktion, darf ich jetzt die neue Blood Orange hören? (Ja, darfst Du. Anm. d. Red.)













