Eine ungeahnte Wendung (HerrLP)
Ich stand hier, mitten im Getümmel. Meine Zuschauer um mich herum. Ich weigerte mich immer noch sie Fans zu nennen. Immerhin war ich kein Star, nur ein kleiner Webvideo-Produzent. Und ja gut... die Kurzfilme waren gerade nicht gerade schlecht. Und eigentlich hatte ich auch auf Events wie diesen einen klaren Kopf. Immerhin stand hier nicht nur mein Wohl, sondern auch das meiner Fans.
Und doch konnte ich gerade keinen klaren Gedanken fassen. Diese lagen bei einem alten Freund. Okay. So alt jetzt auch nicht.
Ich hatte ihn über YouTube kennengelernt. Oft stehen wir im Streit, aber das ist natürlich nur gespielt, aber mittlerweile hat es sich etabliert, dass wir erbitterte Gegenspieler sind.
Ich auf der Seite der Guten, Manu auf der… nicht mal auf Seite des Bösen. Er hatte mehr so seine eigene Seite. Ich beschloss es auch dabei zu belassen. Es gibt die gute Seite, das bin meistens ich, die böse Seite... und dann gab es noch Manu.
Ja, das klang ganz korrekt. Aber der Grund, warum ich gerade an ihn dachte waren nicht etwa unsere Rollen, sondern die Tatsache, dass Manu es machen könnte wie Tim und Stegi und keiner würde wissen, dass er da war. Sich von uns fernhalten, wenn wir draußen waren, mit uns abhängen, wenn wir im Pressebereich waren. Immerhin ließen sich nur wenigen eine solche Chance entgehen. Außer Zombey vielleicht.
Ich seufzte und Max stieß mir leicht mit dem Ellenbogen in die Seite. Er hatte bemerkt, wie geistesabwesend ich war.
"Alles okay Bergi? Du wirkst so abwesend."
Ich nickte nur stumm, denn eigentlich war ja alles auch gut. Ich grinste in das nächste Smartphone welches eine junge Zuschauerin in der Hand hielt und grinste. Es war ja auch alles okay. Es stimmte, dass meine Gedanken nicht ganz bei den Zuschauern, die noch hier waren, lagen, doch sie lagen bei einem meiner besten Freunde. Einer, welchen ich mir her wünschte. Vielleicht nicht jetzt genau an meine Seite. Aber in den VIP Bereich wo er mit einem leckeren Becher Kaffee auf mich warten würde, wenn das Community-Treffen vorbei war. Ein Freund, der mich immer schaffe aufzuheitern, auch als Marie mich verlassen hatte, nach so vielen Jahren. Einen Freund, in den ich mich verliebt hatte.
Es war mir schon vor wenigen Monaten klargeworden, was ich für meinen besten Freund und größten Gegenspieler empfand. Und manchmal, wenn wir alleine miteinander aufnahmen, bildete ich mir ein, eine gewisse Zuneigung in seiner Stimme zu hören. Aber wenn dem so war, lag es nur an mir.
Noch eine Stunde müssten wir hier in einem abgetrennten Bereich des Messegeländes stehen. Noch eine Stunde in der Sonne und Hitze. Immerhin war es Mitte August.
"Tim... Hey Tim," Dario kam in meine Richtung gesprintet. Er hatte die letzten Stunden mit Kedos bei ihrem eigenen Treffen in der Halle verbracht. Erfreut empfing ich meinen besten Freund mit einer Umarmung vor den vielen Augen der Fans, einige von denen awten und sich über diese „Berglay“ Situation freuten, auch wenn die Beziehung von Dario und Kedos schon seit wenigen Monaten publik war und vielleicht immer noch das größte Gesprächsthema. Und die am meisten verteidigte Beziehung die man auf YouTube kannte.
"Hey Dario. Was gibt’s neues?" ich grinste, denn es gab immer gute Neuigkeiten, wenn er so auf mich zukam. Das letzte Mal als er so aufgeregt war, hatte er mir von seinem und Kedos ersten Date erzählt. Ich hatte mich gefühlt, wie ein stolzer Vater.
"Ich muss dir was zeigen. Kommst du kurz mit?"
„Natürlich,“ gab ich als Antwort. Dario schien aufgeregt und ich konnte nicht umher zu grinsen.
„Papa Bergi!“ rief einer der Zuschauer und Dario begann zu lachen.
„Wir wissen doch alle, dass Tim mein Vater ist. Und wenn ich Kedos irgendwann heirate wird er mich zum Altar führen. Aber jetzt muss ich ihn euch erstmal stehlen,“ meinte Dario amüsiert und lautes Lachen und kreischen war aus der Menge zu hören, Max strahlte uns hinterher und wir verschwanden in dem Gebäude, uns sofort in den VIP-Bereich verziehend. Dort grenzten die Presseräume an. In einen der solchen führte Dario mich.
Der Raum war gemütlich eingerichtet mit Sitzpolstern, einem Tisch auf welchem ein Mac stand.
"Wo sind wir hier?" fragte ich verwirrt. Ich wusste nichts von einem Interview und nichts in diesem Raum deutete auf die Person hin, welche sich hier aufhielt.
"Wirst du gleich sehen, mein Lieber," meinte Dario lächelnd und verließ den Raum wieder durch die Türe, welche er hinter sich zuzog. Kaum war die Türe im Schloss, öffnete sich eine andere Türe an der anderen Wand und ein junger Mann betrat den Raum. Er musste nichts einmal anfangen zu sprechen, denn ich wusste schon an der Art wie er sich hielt wer er war. Seine langen, braunen Haare und grünen Augen waren schon beinahe sein Markenzeichen.
Er war blass und recht dünn. Genau wie ihn sich jeder vorstellte und dann doch nicht.
"Hey Tim."
Seine Stimme war unverkennbar.
"Manu...,“ sagte ich ungläubig, als er hier vor mir stand. Und ich schluckte. Ich wusste, wie GermanLetsPlay aussah. Er stand vor mir und lächelte mich an, als ich seinen Namen sagte. Eine Träne drohte sich aus meinen Augen zu lösen. Ich war überwältigt von diesen Gefühlen. Nie hätte ich gedacht, dass sich dieser Mann mir zeigen würde. Nie hätte ich gedacht, dass er heute wirklich hier war. Er war einfach wie sich jeder Manuel vorstellte. Und vielleicht noch viel schöner als jemand ihn beschreiben könnte.
"Ja. Genau der. Außer du kennst noch einen anderen Manu…,“ meinte er kurz spaßeshalber mit verstellter Stimme, „ich wollte mit dir reden… Dario hat mir geholfen unauffällig herzukommen… Ich wollte mich ich dir zeigen."
Ich schluckte.
„Aber warum mir?“
Manu lacht kurz auf.
„Mensch, Tim. Du bist nach Dario und Zombey einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Die beiden sind meine besten Freunde und du bist einfach… du…“
„Was macht mich besonders?“ fragte ich grinsend und es war so surreal vor Manu zu stehen. Und ich konnte mir diese Zuneigung einfach nicht mehr nur Einbilden. Sie war so offensichtlich in Manus Blick, seiner Körpersprache. Man sagt Liebe macht blind doch mich macht sie nur mehr aufmerksam. Manus Stimme wie sie unsicher doch bestimmt durch den Raum hallte. Wie sein Körper Zurückhaltung und Entschlossenheit ausstrahlte.
"Du…," er schluckte und ich sah, wie der Mut aus seinen Augen verschwand und lächelte ihm aufmunternd zu, "ich mach‘s kurz, okay. Ich- Ich hab mich in dich verliebt... und...“ er atmete tief ein, „ich kenne dich. Du würdest... egal was ich tue oder sage.... niemandem sagen, wie ich aussehe. Oder mich jetzt hassen oder so. Oder?"
Der gesichtslose GermanLetsPlay hatte sich mir gezeigt. Und mir gesagt, dass er mich auch liebt. Angst stand ihm ins Gesicht geschrieben. Und ich konnte nicht anders als zu grinsen.
„Manu,“ sagte ich, ein gewisser Nachdruck in meiner Stimme, „ich liebe dich auch."
Ich trat einen Schritt auf ihn zu, nahm ich ihn am Arm und zog ihn zu mir, um sanft meine Lippen auf seine zu legen. Nur wenige Sekunden später erwiderte er den Kuss.
Als wir uns wieder lösten, grinste Manu mich breit an, seine Augen funkelten. Leise klopfte es an der Türe. Ich hielt Manu immer noch in meinen Armen umschlungen und sah zur Türe. Dario grinste mich an.
„Heißt das Manu ist jetzt mein Vater?“ meinte er keck und sein bester Freund streckte ihm nur die Zunge raus.
„Nein und jetzt verschwinde zu deinem Freund.“
„Der ist gerade unten bei den Zuschauern von Tim,“ meinte Dario grinsend und ich stöhnte auf.
„Verdammt. Ich hab meine Zuschauer vergessen.“
Und die andern beiden begannen zu lachen und Manu schlang seine Arme um meinen Oberkörper um sich näher an sich zu ziehen.
„Dann bleib einfach noch ein wenig hier,“ nuschelte er mir zu und ich höre Dario hinter mir aw’en.
„Klingt eigentlich gerade ganz gut,“ antwortete ich und Dario lachte leise.
„Na gut. Dann lasse ich euch erst einmal alleine und ich hole dich dann, wenn wir später auf die Bühne müssen. Immerhin dürfen wir pro Team einen Spieler über TeamSpeak von „Zuhause“ zuschalten,“ verabschiedete er sich dann und schloss die Türe hinter sich. Und ich drückte Manu näher an mich und mit einem zufriedenen Lächeln vergrub ich mein Gesicht in seinen langen Haaren.
The End.
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