314 Blitzlicht: Endlich Dangast
Dieses Blitzlicht möchte ich der Betreiberin eines kleinen Second-Hand-Ladens in Wilhelmshaven widmen. Als ich noch ganz neu hier war, hat sie mich unglaublich freundlich empfangen und sich viel Zeit genommen, mir Tipps für die Umgebung zu geben. Einer dieser Tipps war Dangast. Mit einem Satz machte sie mich neugierig: “Fahr am Wochenende hin. Dann gibt es dort den besten Rhabarberkuchen der Welt.”
Von diesem Moment an wollte ich nach Dangast.
Wochenlang kam immer etwas dazwischen, erst mein eigener Umzug, dann der Besuch auf Wangerooge, dann der Kurztrip nach Hamburg, dann war das Wetter schlecht, dann wieder viel zu heiß, an einem Wochenende war ich bei meiner Familie in Franken, Ende Mai lernte ich dann den wunderbaren Herrn Schmitt kennen, der allerdings mitten im Umzug steckte. Zwischen Verliebtheit, Umzugswahnsinn und all den anderen Plänen rückte Dangast immer weiter nach hinten.
Am 21. Juni war es dann endlich so weit.
Dangast ist wirklich ein wunderschöner Ort. Die kleinen Häuser liegen teilweise zwischen den Bäumen, der Strand ist malerisch und von der Promenade aus blickt man über die Jadebucht bis nach Wilhelmshaven. Überall entdeckt man Kunstwerke, kleine Details und liebevoll gestaltete Ecken.
Wegen der Einschränkung aufs Wochenende war allerdings auch viel los. Ein Kunsthandwerkermarkt lockt dann zusätzlich Besucher an. Gleichzeitig nutzten wir die Gelegenheit, uns schon einmal verschiedene Hotels anzusehen. Meine Mutter überlegt nämlich, irgendwann einmal ein paar Tage dort zu verbringen. Einige der Unterkünfte machten tatsächlich einen guten Eindruck. Zwischendurch kehrten wir in der „Pricke“ ein. Dort gab es dann Kibbelinge und eine Rhabarberlimonade. Allein dafür hätte sich die Fahrt schon fast gelohnt.
Aber natürlich wartete noch der eigentliche Höhepunkt.
TROMMELWIRBEL!
Im Kurhaus bestellten wir den berühmten Rhabarberkuchen. Und ich muss zugeben: Die Dame aus dem Second-Hand-Laden hatte nicht übertrieben. Es war tatsächlich der beste Rhabarberkuchen, den ich je gegessen habe. Unten ein angenehm luftiger Boden, darüber der wunderbar saure Rhabarber und als Krönung eine fluffig-knusprig-süße Baiserschicht. Jede einzelne Komponente passte perfekt zu den anderen. Einer dieser seltenen Momente, in denen man versteht, warum ein Kuchen regelrecht berühmt geworden ist.
So schön Dangast auch ist, eine Erkenntnis blieb trotzdem: Für mich persönlich ist dort an einem sonnigen Wochenende einfach zu viel los. Es war warm, aber durch die vielen Bäume angenehm schattig, also eigentlich ideale Bedingungen für einen Ausflug. Genau deshalb schien aber auch halb Norddeutschland dieselbe Idee gehabt zu haben. Das ist super für den Ort und die Läden dort, mir persönlich war die Menschenmenge jedoch etwas zu viel.
Was mir dieser Tag außerdem noch einmal gezeigt hat, war etwas ganz anderes.
Mit meinem Herrn Schmitt unterwegs zu sein fühlt sich einfach selbstverständlich an. Wir funktionieren als Team. Man kann sich aufeinander verlassen, ergänzt sich gut und selbst ein voller Ausflugstag macht gemeinsam Spaß. Das ist etwas sehr viel Besseres, als es sich anhört, denn eigentlich bin ich überhaupt kein Teamplayer.
Dangast wird mich wiedersehen. Der Rhabarberkuchen ist ein Bufffood, für das sich jeder Raid lohnt. Mein Teammate und ich meistern jeden Zerg. (Für Nicht-Gamer: Der Kuchen gibt Bonuspunkte für die Moral. Gemeinsam kommen wir auch durch die größte Menschenmenge.)











