Gerade denke ich, Du bist doch Du selbst. Du kannst mich anrufen, wann und wie oft Du willst. Vielleicht bist Du eine ‚Verpflichtung‘ eingegangen vor vielen Jahren, aber heißt das, dass Du heute nicht nach dem entscheidest, was Dir heute gut tut?
Wer schreibt Dir vor, dass Du nicht Dein Telefon mitnehmen kannst? Deine Frau? Die gesellschaftlichen Normen? Dein Gewissen? Oder der Wunsch dass es doch nicht so ist und eigentlich wieder alles ‚in Ordnung kommt‘? Oder der Wunsch nach allem, der Affäre und dem gewohnten Zuhause?
Da bin ich nur eine Außenseiterin hier, eine Frau in Deinem Kopf. Keine reale Person.
Aber so ist es nicht. Ich bin hier. Und fühle. Ich bin doch keine Frau der zweiten Reihe. Ich bin frei, aber ich fühle. Das Gleiche wie Du.
Ich glaube an Selbstbestimmung, an Wünsche und Träume und daran, sie zu leben. Ich verlange nichts und erwarte nichts. Aber es frustriert mich, dass ich berühre und dann dann wieder gehen darf. Dass ich ein Gedanke bleibe.
Dass ich Stimulation bedeute, aber nicht Veränderung. Wie ich mir selbst gegenüber. Den Kopf voller Verlangen, und Murphy’s rationalem Gewissen. Ein Spagat, jeden Tag, umtriebig, neugierig und doch realistisch, verwunschen und doch komplex.
Wer passt in diese Bandbreite hinein? Will ich das?
Gehst Du einen Schritt mit mir? Wann kommst Du und reichst mir die Hand?
Und vielleicht kannst Du auch Deinen Hund mitnehmen.
Potentiale sichtbar machen: Kunsthalle Bremen ist Startchancen-Partner
Mit dem Startchancen-Programm investieren Bund und Länder insgesamt 20 Milliarden Euro in Schulen mit einem hohen Anteil sozioökonomisch benachteiligter Schüler*innen. Bremen erhält bis 2034 jährlich 9,5 Millionen Euro, um den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu lösen. Die Kunsthalle Bremen ist Partner des Programms und arbeitet mit rund 300 Schüler*innen an 16 Schulen zusammen. Nun präsentiert das Museum die Ergebnisse aus den Projekten dieses Schuljahres.
Seit Herbst 2024 arbeitet die Kunsthalle Bremen als Projektpartner im Startchancen-Programm mit Schulen aus sozioökonomisch benachteiligten Quartieren aus Bremen und Bremerhaven zusammen. Im Rahmen jeweils eines künstlerisch-pädagogischen Moduls tauchten Kinder und Jugendliche der Klassen 1 bis 10 über eine längeren Zeitraum in die Welt der Kunst ein.
Die im aktuellen Schuljahr rund 350 teilnehmenden Kinder und Jugendlichen aus 12 Bremerhavener und Bremer Schulen haben zunächst im Klassenverband die Kunsthalle Bremen besucht und ausgewählte Kunstwerke kennengelernt. Anschließend fanden vor Ort in den jeweiligen Schulen vertiefende Ateliereinheiten statt.
Unter dem Titel KUNST-VOLL² präsentieren die Schüler*innen auch in diesem Jahr vom 26. Juni bis zum 6. September 2026 ihre Projektergebnisse in einer Ausstellung im Südfoyer der Kunsthalle Bremen. Gezeigt werden plastische Objekte, darunter eine Pixelwald-Interpretation und Ton-Skulpturen sowie eine über zehn Meter lange Bilderwand zu den Bremer Stadtmusikanten. Von jedem Kind ist mindestens ein Werk in der Ausstellung vertreten.
Beteiligte Kinder, Jugendliche und ihre Begleitung haben während der gesamten Laufzeit freien Eintritt in die Ausstellung.
Mit der Ausstellung würdigt die Kunsthalle Bremen nicht nur die kreativen Prozesse und Ergebnisse der beteiligten Kinder und Jugendlichen, sondern öffnet den Raum bewusst für die Öffentlichkeit. Die Präsentation steht für einen inklusiven Kulturbegriff und zeigt, wie Museen als Orte gesellschaftlicher Teilhabe wirken.
Ablauf der Zusammenarbeit mit den Schulen
Die teilnehmenden Schüler*innen lernten im Klassenverband zunächst das Museum und ausgewählte Kunstwerke kennen. Anschließend wurden sie im Atelier der Kunsthalle selbst kreativ. Darauf folgten in Halb- und Kleingruppen fünf vertiefende Ateliereinheiten in den jeweiligen Schulen. Die Bedürfnisse der Lerngruppen wurden in einem gemeinsamen künstlerischen Prozess aufgegriffen. Beim Modellieren, Malen oder Experimentieren entwickelten die Schüler*innen Selbstvertrauen, drücken Gefühle aus, nutzen ihre Ressourcen und entfalteten ihre Kreativität.
Pro Gruppe dauerte ein Durchlauf mindestens sechs Wochen. Von Oktober 2025 bis Juni 2026 wurden ingesamt vier Durchläufe angeboten, bei denen parallel mehrere Schulen an dem Programm teilnahmen. Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen erhielten einen – oft erstmaligen – Zugang zum Kulturort Museum und somit zu kultureller Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe.
Die Ergebnisse des vorherigen Durchlaufs wurden vom 21. Juni bis zum 10. August 2025 in der Kunsthalle Bremen in der Ausstellung "KUNST-VOLL" präsentiert, mit Arbeiten aus 16 Schulen von 319 Schüler*innen zwischen 6 und 16 Jahre.
Kooperationspartner
Folgende Schulen nahmen im Schuljahr 2025/26 an dem Startchancen-Projekt mit der Kunsthalle Bremen teil:
Bremen
Gesamtschule West
Grundschule Kirchhuchting
Neue Grundschule Gröpelingen
Oberschule an der Julius-Brecht-Allee
Oberschule an der Lehmhorster Straße
Schule an der Glockenstraße
Schule an der Robinsbalje
Schule an der Stichnathstraße
Schule im Dillener Quartier
Bremerhaven
Grundschule Geestemünde
Lutherschule
Oberschule am Ernst-Reuter-Platz
Startchancen
Das Startchancenprogramm wird durch eine gemeinsame Investition von Bund und Ländern mit 20 Milliarden Euro über zehn Jahre unterstützt und richtet sich an Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler*innen. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu verringern und die Bildungsleistung in Deutschland nachhaltig zu steigern. Viele Schüler*innen stehen vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen, was sich auch auf das schulische Lernen auswirkt.
Die Inhalte des Programms sind in drei Programmsäulen gefasst:
Säule I: Investitionen in eine zeitgemäße und förderliche Lernumgebung.
Säule II: Chancenbudgets für bedarfsgerechte Lösungen in der Schul- und Unterrichtsentwicklung und Kooperationen im Quartier.
Säule III: Personal zur Stärkung multiprofessioneller Teams: Hier geht es vor allem um die Beratung und Unterstützung der Schüler*innen, eine lernförderliche Elternarbeit, die Entwicklung einer positiven Schulkultur.
Das Projekt der Kunsthalle Bremen deckt die Säulen II und III ab.
Mit freundlicher Unterstützung durch den Senator für Kinder und Bildung.
„REMIX“ -ergänzendes Workshop-Angebot für teilnehmende Schulen
Da im Rahmen des Startchancen-Programms nicht alle Schulklassen berücksichtigt werden können, die Interesse an einem Vermittlungsangebot haben, wurden im vergangenen Schuljahr ergänzende Workshops in der Kunsthalle Bremen durchgeführt. Ermöglicht wurde dieses Angebot durch die freundliche Unterstützung von KAEFER. Die Workshopergebnisse werden in digitaler Form im Rahmen der Ausstellung Kunst-Voll² präsentiert.
Wulf Herzogenrath (23. März 1944 - 18. Juni 2026) prägte als Direktor der Kunsthalle Bremen 17 Jahre lang mit zahlreichen Ausstellungen und nachhaltiger Museumsarbeit das Profil und die institutionelle Entwicklung des Museums. Besonders die sammlungsbasierten Erfolgsaustellungen von “Van Gogh” bis “Monet” sind hervorzuheben, die Ankäufe für die Sammlung und der Neubau.
Die Familie von Prof. Dr. Wulf Herzogenrath gab kürzlich bekannt, dass der Kunsthistoriker, Kurator und Kunstvermittler am 18.06.2026 im Alter von 82 Jahren in Berlin verstorben ist.
Christoph Gunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen (seit 2011), bedauert den Verlust: „Mit großer Traurigkeit haben wir vom Tod des ehemaligen Direktors der Kunsthalle Bremen, Wulf Herzogenrath erfahren. Mein Vorgänger hat die Kunsthalle Bremen in der Zeit von 1994 bis 2011 entscheidend geprägt. Das ambitionierte Ausstellungsprogramm wie der Fokus auf die Medienkunst haben das Haus national und international bekannt gemacht. Von dem großzügigen Anbau, der 2011 eröffnet wurde, profitiert die Kunsthalle Bremen als eines der schönsten Museen bis heute. Ich habe seine kuratorische Intelligenz, seine Gabe der Vermittlung wie seinen feinen Humor sehr geschätzt. Wir werden ihn als einen großen Streiter für die bildende Kunst in Bremen und darüber hinaus in Erinnerung halten.“
Geboren 1944 in Rathenow, studierte Herzogenrath Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde und promovierte über die Wandbilder Oskar Schlemmers. Nach einer kurzen Anstellung am Museum Folkwang wurde er 1973 mit 28 Jahren Leiter des Kölnischen Kunstvereins und gestaltete in dieser Funktion bis 1989 eine der prägendsten Kunstszenen Deutschlands.
Während dieser Kölner Zeit war Herzogenrath Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des ADKV, dem Dachverband der deutschen
Kunstvereine. Seine Mitwirkung an der documenta 8 und der darin integrierten Videokunst im Kontext traditioneller Kunstformen und dezidiert nicht als deklarierte Nische waren kuratorische Meilensteine, die international ausstrahlten. In seiner Zeit als Hauptkustos der Nationalgalerie Berlin ab 1989 prägte er das Haus u.a. durch wichtige Videokunst-Ankäufe.
Ab 1994 war er Direktor der Kunsthalle Bremen. Seine zahlreichen Ausstellungen und nachhaltiger Museumsarbeit prägten das Profil und die institutionelle Entwicklung des Museums nachhaltig. Nicht nur die sammlungsbasierten Erfolgsaustellungen von “Van Gogh” bis “Monet” sind nennen, sondern auch die Museumserweiterung durch einen ebenso repräsentativen wie funktionalen Neubau.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Museumsdienst blieb er als Kurator, Autor, Hochschullehrer und als Mitglied der Akademie der Künste aktiv. Von 2012 bis 2021 war er Vorsitzender der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste Berlin. Seit 2007 war er Vorsitzender der Jury des Goslarer Kaiserringes.
Mit Wulf Herzogenrath verliert die internationale Kunstwelt eine ihrer prägenden Persönlichkeiten. Über mehr als fünf Jahrzehnte setzte er sich für die Vermittlung, die Akzeptanz und die gesellschaftliche Relevanz von Kunst ein. Als Pionier der Videokunst bereitete er in den 1970er und 80er Jahren den Boden für eine heutzutage weltweit etablierte Kunstgattung. In der Sammlung der Kunsthalle Bremen finden sich zahlreiche Werke von Nam June Paik - so direkt auch im Eingangsbereich, wo eine großformatige Arbeit steht, die unter Wulf Herzogenrath angekauft wurde.
Abbildungen: Foto: Ingo Wagner; Foto: Harald Rehling; Wulf Herzogenrath mit James Turrell; Wulf Herzogenrath mit John Cage; Nam June Paik, for Wulf Herzogenrath, participation TV 1965/2000, 2003, 60x76cm, Inkjet-Print auf Leinwand, Kunsthalle Bremen; Nam June Paik, Nische für Bremen, 1998, Skulptur; Kunsthalle Bremen
Rückblick Dackel-Treff: Auf den Grünflächen rund ums Museum herrschte am Freitagvormittag, 19. Juni 2026 ein kurzbeiniges Gewusel. Es wurde geschnuppert, gespielt, gebellt und sich für den Welttag der Dackel am Sonntag, 21. Juni vernetzt.
Rund 80 Dackel mit ihren Menschen waren der Einladung der Kunsthalle Bremen zum Dackel-Treff gefolgt. Dafür kamen Dackel aus Bremen und Umgebung. Außerdem waren sie extra angereist aus Achim, Bad Zwischenahn, Blender, Bahlum, Delmenhorst, Emden, Lemwerder, Rotenburg (Wümme), Schortens, Stuhr, Oyten und Worpswede. Manches Frauchen und Herrchen hatten sich extra dafür Urlaub genommen. Die ältesten Dackel waren Barcley und Dunja mit 13 Jahren. Außerdem waren schau- und streichelustige Dackel-Fans gekommen.
Ab dem 31. Oktober 2026 wird der Dackel wörtlich auf den Sockel gestellt. In der Ausstellung „Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ werden Kunstwerke präsentiert, die den Dackel im Blick haben in Form von Gemälden, Skulpturen, Fotografien, Holzschnitten, Installationen und Videoarbeiten. Die Arbeiten stammen anderem von Pierre Bonnard, Thorsten Brinkmann, Elina Brotherus, Otto Dix, David Hockney, Max Liebermann, Pablo Picasso, Rosemarie Trockel, Édouard Vuillard, Andy Warhol und Ylla. Euer kostenfreies Ticket für Vierbeiner für die Dackel-Ausstellung könnt ihr hier buchen:
Restaurierung eines Hauptwerkes von Friedrich Nerly
140 Jahre lang blieb Friedrich Nerlys „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ der Öffentlichkeit verborgen – schwer beschädigt, gerollt gelagert und kaum präsentierbar. Erst durch eine aufwendige Restaurierung mit außergewöhnlichen Methoden und über 300 Arbeitsstunden konnte das frühe Hauptwerk gerettet werden. Der Restaurator Börries Brakebusch gibt Einblick in die konservatorischen Herausforderungen, die handwerkliche Präzision und die kunsthistorischen Erkenntnisse, die dieses lange vergessene Gemälde wieder sichtbar gemacht haben.
Das Gemälde „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ von Friedrich Nerly war spätestens seit dem Tod des Künstlers 1878 der Öffentlichkeit entzogen. Es befand sich seit 1953 im Depot der Kunsthalle Bremen. Sein Zustand erlaubte keine Präsentation des Bildes: Der ursprüngliche Keilrahmen war nicht mehr vorhanden und das Gemälde war vermutlich längere Zeit gerollt gelagert und auch so transportiert worden. Immerhin war es zu Nerlys Lebzeiten vielleicht schon von Rom nach Mailand gebracht worden. Mit Sicherheit fanden dann Transporte von Mailand nach Danzig, Leipzig, Weimar und Erfurt sowie später nach Bremen statt. Durch Druck auf die Rolle entstanden lange, von den Bildrändern einlaufende Brüche im spröden Gewebe. Darüber hinaus waren zahlreiche kleinere Risse und Durchstoßungen vorhanden. Die rechte obere Bildecke war ganz abgetrennt.
Zustand des Gemäldes und erste Untersuchungen
Durch eine Spende der Galerie Neuse aus Bremen bestand nun nach 140 Jahren die Hoffnung, den Dornröschenschlaf des Bildes zu beenden.
Für mich stellte sich zunächst die Aufgabe das Gemälde innerhalb des gegebenen Rahmens wieder in einen präsentablen Zustand zu versetzen. Da ich mich seit 20 Jahren intensiv mit der Restaurierung und Erforschung von Landschaftsgemälden des 19. Jahrhunderts befasse, war es besonders reizvoll ein unbekanntes frühes Hauptwerk Friedrich Nerlys zu bearbeiten. Dies betraf zuvorderst die restauratorische Problemstellung: Der Bildträger wies Risse in einer Gesamtlänge von circa 3,5 Metern auf. Der Spannrand an Ober- und Unterkante war zwar vorhanden, hatte aber ebenfalls größere Fehlstellen. Die vorhandenen Firnisschichten* waren stark vergilbt und in größeren Bereichen bereits im Zuge von Festigungsmaßnahmen entfernt worden. Darüber hinaus war die Bildoberfläche verschmutzt.
Vor der Maßnahmenplanung stand aber die Dokumentation und technologische Untersuchung des Bestands, sowie Heranziehung der damals noch recht überschaubaren und rein kunstgeschichtlichen Literatur zu Friedrich Nerly. Eine Sichtung zugehöriger Arbeiten im Bestand des Erfurter Angermuseums konnte dort zum damaligen Zeitpunkt nicht ermöglicht werden.
Restauratorische Maßnahmen
Eine zunächst geplante Doublierung* des Gemäldes, d.h. das Aufkleben auf einen neuen textilen Bildträger, wäre die übliche und zugleich eine kostengünstige Methode gewesen, um einen derart beschädigten Bildträger zu konsolidieren. Wegen des groben und knotigen Originalgewebes, hätte diese Methode aber unweigerlich zu sichtbaren Strukturveränderungen geführt.
Wir entschieden uns deshalb für eine Einzelfadenverklebung der Risse, um ein bestmögliches Ergebnis zu erreichen. Dies bedeutete einen Mehraufwand von über 300 Arbeitsstunden.
Das Bild wurde zur Bearbeitung mit der Bildfläche nach unten mit Magneten auf einer speziell angefertigten Arbeitsplatte fixiert. Unter dem Mikroskop wurden dann die vorhandenen Fadenenden wieder mit Klebstoff verbunden, wobei vielfach neues Fadenmaterial eingesetzt werden musste.
Nach der Fadenverklebung wurde das Bild gewendet. Nun konnte der vergilbte Firnis abgenommen und die Fehlstellen in Grundier- und Farbschicht mit Grundiermasse aufgefüllt werden. Anschließend wurden die Kittungen* vorretuschiert.
Das Bild wurde nochmals gewendet. An den Kanten des Bildes wurden nun rückseitig vorgeleimte Leinwandstreifen aufgeklebt. Dies war nötig, um das Gemälde wieder auf einen Rahmen aufspannen zu können. Da kein Keilrahmen mehr vorhanden war, musste auch ein neuer Spannrahmen angefertigt werden. Um ein möglichst schonendes und kontrolliertes Spannen des Gemäldes zu ermöglichen, wurde ein Schraubspannrahmen angefertigt. Nach dem Aufspannen des Gemäldes erfolgte der Auftrag eines neuen Firnisses und die abschließende Retusche.
Die Restaurierung des Gemäldes erstreckte sich über ein Jahr und involvierte einschließlich der hinzugezogenen externen Kollegen acht Restauratoren. Es freut mich besonders, dass das Gemälde nicht nur nach so langer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich ist, sondern auch die im Rahmen der Restaurierung gewonnenen Forschungsergebnisse im Ausstellungskatalog vorgestellt werden können.
Artikel vom 13. März 2026.
Veranstaltungshinweise:
Am Sonntag, 15. März, 11:30 – 13 Uhr hält Dr. Jens Köhler, John Cabot University (Rom), in der Kunsthalle Bremen einen Vortrag zum Thema: "Aqua Claudia – Neue archäologische Forschungen und Nerlys Gemälde" Kosten (inkl. Ausstellungsbesuch): regulär 18,- €, ermäßigt 12,- €, für Mitglieder 6,- €.
Am Sonntag, 29. März, 11:30 – 13 Uhr hält Dr. Dorothee Hansen in der Kunsthalle Bremen einen Vortrag zum Thema: "Reise nach Italien! Auf den Spuren von Friedrich Nerly" Kosten (inkl. Ausstellungsbesuch): regulär 18,- €, ermäßigt 12,- €, für Mitglieder 6,- €.
Über die Ausstellung „Natur und Antike“ (14. März bis 5. Juli 2026):
Mindestens 150 Jahre lang war das Gemälde „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ von Friedrich Nerly nicht öffentlich zu sehen. Seit 1954 befindet es sich im Besitz der Kunsthalle, doch bis vor kurzem war es nicht ausstellbar. Gut ein Jahr dauerte die Restaurierung mit eindrucksvollem Ergebnis: Ein vergessenes Hauptwerk des deutschen Malers Friedrich Nerly (1807–1878) kam ans Licht! Das Gemälde zeigt die antike Wasserleitung Aqua Claudia vor den Toren Roms. Vom 14. März bis 5. Juli 2026 steht es im Mittelpunkt der Ausstellung „Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom“. Die Ausstellung nimmt Nerlys frühe Schaffensjahre in Rom von 1829 bis 1835 in den Fokus. https://www.kunsthalle-bremen.de/nerly
Katalog:
Zur Ausstellung „Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom“ erscheint ein gleichnamiger Katalog mit zahlreichen Abbildungen und Beiträgen von Maria Aresin, Börries Brakebusch, Dorothee Hansen, Maren Hüppe, Jens Köhler und Dorothea Ritter. Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag. Im Museumsshop der Kunsthalle kostet der Katalog 39,90 €; im Buchhandel kostet er 50,00 Euro. ISBN 978-3-7774-4659-2
Abbildungen:
1.: „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ von Friedrich Nerly, Vorzustand (link) und Endergebnis (rechts)
2.: Die Restauratorinnen Astrid Roth und Melanie Marx bei der Vorretusche (links) und Detailaufnahme des Bildes nach Kittung der Fehlstellen (rechts, oben) und nach der Retusche (rechts, unten)
3.: Restauratorin Astrid Roth bei der Fadenverklebung (links) und Mikroskopaufnahme vor und nach der Fadenverklebung (rechts)
4.: Detail während der Firnisabnahme
5.: Friedrich Nerly, Campagnalandschaft mit Aqua Claudia, 1836, Öl auf Leinwand, 124 x 148,5 cm Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen
*Legende:
Firnisschicht: Transparente Beschichtung
Kittung: Modellierte Füllung
Doublierung: Aufziehen auf ein zweites Trägergewebe