Die Wirtschaft geht uns alle was an!
Kaum ein Satz trifft mehr auf die Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts zu. Natürlich war es auch schon im 20., im 19. und schon viel früher so – nur anders. Früher konnte man auch sagen, dass die Wirtschaft jeden etwas angehen würde, nur da war das noch anders gemeint. „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“ bedeutete noch wirklich, dass man, wenn man brav seine Steuern zahlte und die Wirtschaft durch Eigenarbeit ankurbelte, dafür mit niedriger Inflationsrate und gutem Lebensstandard belohnt wurde.
Doch schon Aristoteles erkannte, dass dies nicht immer so bleiben würde. "So ist der Wucher hassenswert, weil er aus dem Geld selbst den Erwerb zieht und nicht aus dem, wofür das Geld da ist. Denn das Geld ist um des Tausches willen erfunden worden, durch den Zins vermehrt es sich dagegen durch sich selbst. […] Diese Art des Gelderwerbs ist also am meisten gegen die Natur.", so der griechische Philosoph in längst vergangenen Tagen.
Und Recht sollte er haben: So sind nur noch 3 % des Staatsbudgets der USA wirklich in gedruckten Dollarnoten existent. Der Rest? Einser und Nuller in Datenbanken von Banken und Konzernen. Eine Wirtschaftskrise ist gerade überstanden, und man fragt sich, ob man nicht gleich in die nächste stürzt bzw. ob sie noch immer zur alten gehört. Man hat nicht aus den Fehlern der letzten Krise gelernt.
Warum nicht? Einfach weil Immobilienmärkte, Devisenkurse, Aktienspekulation, Hedgefonds und Blasen an den Börsen der Welt sind keine Themen, die die durch Medien und Lebensstil versaute Gesellschaft nicht interessieren. Die meisten würden es sowieso nicht verstehen, immerhin ist die Gedächtnis- und Konzentrationsspanne des Durchschnittsmenschen gleich null.
Und warum geht uns die Wirtschaft trotzdem an bzw. warum muss man eine Problemerörterung darüber schreiben? Es ist nicht so, dass die Tatsache, dass sie uns betrifft, das Problem ist, wie die meisten Politiker sagen. Es ist aber auch nicht so, dass die Ökonomie an sich das Problem ist, wie die Kommunisten sagen. Die moderne Wirtschaft, das allgegenwärtige Finanzsystem, der Kapitalismus ist das Problem.
Die 50er- und 60er-Jahre waren für die US-Amerikaner die wohl beste Zeit überhaupt. Der Wirtschaft ging es perfekt und alles lief super, während jedes andere Land der Welt nur zu ihnen raufschauen konnte. Die deutschen Autos waren noch weit hinter den amerikanischen, Europa, Russland und Japan vom Krieg gebeutelt, und Afrika und Südamerika hatten auch so ihre eigenen Probleme. Der Kapitalismus wurde ab den 50er-Jahren systematisch zu einer Gottheit gepusht. Die Menschen liebten den Kapitalismus, lernten, ihn zu befürworten und seine oberflächliche Grundidee „maximaler Profit“ zu verstehen.
Nun, etliche Jahrzehnte später, wissen wir, dass „maximaler Profit“ nicht alles ist und auch nie war. Sämtliches Geld, das in Waffen und Krieg hineingesteckt wird, ist für den Tod unzähliger Menschen verantwortlich. Die effizientesten Energiegewinnungsmethoden stellen entweder ein enormes Risiko für Mensch und Umwelt dar oder verpesten sie gleich auf direktem Wege, Alternativen scheint der Kapitalismus auf Grund von geringerer Rentabilität sofort auszuschließen. Es gibt nichts, was nicht globalisiert, modernisiert und manipuliert ist, und gleichzeitig nichts, was nicht noch verbessert werden kann.
Das Problem des Kapitalismus ist jedoch nicht, dass der Mensch Fehler gemacht hat. Zumindest nicht das größte. Das größte Problem in der Weltwirtschaft ist, dass der Kapitalismus ein Eigenleben entwickelt hat. Er kann nur noch begrenzt gesteuert werden. Von Bänkereliten, Konzernchefs, Regierungen – die üblichen Marktmanipulatoren eben. Doch allgemein zerstört der Kapitalismus alles, was nicht in sein Profitschema passt, und hat somit Einfluss auf unsere Umwelt und Gesellschaft.
Arbeitslose – Menschen ohne wirtschaftlichen Nutzen – haben keine Chance auf ein gutes Leben. Es sei denn, sie fügen sich dem System und werden wirtschaftlich nützlich. Tiere sind nicht gleichberechtigte Lebewesen auf unserer Erde – sie sind Wirtschaftsgüter. Sie werden in Einrichtungen gehalten und evtl. verkauft oder dressiert (= Profit für Tierheime, Tiergärten, Tierschulen, Tierpensionen, Zirkusse usw.), und die in freier Wildbahn werden gejagt und zu Fleisch und Kleidung verarbeitet. Sogar Menschen sind Güter. Personalmanagement heißt heute „Human Ressource Management“. Es gibt kaum eine Arbeit, für die nur ganz wenige ausreichend qualifiziert wären, Rationalisierung und Aussortierung des Arbeitsmarktes sei Dank. Also besticht man als menschliche Ressource – durch Charakterstärke, Fleiß, persönliche Talente fernab der Berufes, Allgemeinwissen und Umgangsformen. Ohne diese Faktoren wird man kaum seinen Traumjob kriegen, und wenn man ihn fachlich noch so gut beherrscht. Sogar mit dem Tod von Menschen wird gehandelt – Steve Jobs ist gestern Nacht gestorben, wie wirkt sich das jetzt auf die Apple-Aktien aus? Ein Zuwachs am Verkauf von Apple-Produkten zeichnet sich durch Medieninstrumentalisierung ab!
Unser Wirtschaftssystem beeinflusst uns also direkt. Uns, unsere Umgebung, alles und jeden um uns herum. Nichts ist mehr natürlich und individuell. Nicht mal Ich und Du. Und genau darum geht die Wirtschaft uns alle was an!